Am Limit: Klartext über Intensivpflege
Patrick Kremers Buch „Häusliche Intensivpflege am Limit" erscheint am 14. Juli. Doch was steckt eigentlich dahinter? Warum schreibt ein Pflegedienstgeschäftsführer ein Buch, das Juristen nervös macht und Dinge offenlegt, die in der Branche keiner laut sagen will?
Am Limit: Klartext über Intensivpflege
Patrick Kremers Buch „Häusliche Intensivpflege am Limit" erscheint am 14. Juli. Doch was steckt eigentlich dahinter? Warum schreibt ein Pflegedienstgeschäftsführer ein Buch, das Juristen nervös macht und Dinge offenlegt, die in der Branche keiner laut sagen will?
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Kremer Intensiv, der Podcast für außerklinische Intensivpflege. Für Pflegekräfte, Angehörige und Betroffene, die mehr wollen als Standard. Denn Intensivpflege bedeutet Verantwortung, Druck und oft den Kampf um Lebensqualität. Wir sprechen offen über das, was andere verschweigen. Über Probleme, Lösungen und echte Erfahrungen. Herzlich willkommen zum Kremer Podcast. Ehrlich, direkt und auf den Punkt.
Ungepflegt ehrlich unterwegs. Der Pflegepodcast auf Tour.
Stephan Thielen: Herzlich willkommen zu unserer neuen Podcast-Folge. Mein Name ist Stefan. Heute zu Gast…
Patrick Kremer: Moin zusammen, ich bin der Patrick. Ich bin Geschäftsführer unseres Familienunternehmen, der Pflegedienst Kremer GmbH und ich freue mich sehr auf den Podcast und vielen Dank auch für die Einladung.
Stephan Thielen: Ja, immer gerne. Heute befinden wir uns, in der Nähe von Frankfurt. Mir ist gestern Abend, aufgefallen, dass ich eine Einladung bekommen habe für eine Vorbestellung und das von deinem neuen Buch. [00:01:00] Und da wir hier in der Nähe waren, haben wir’s uns nicht nehmen lassen und haben dich direkt genervt, ob wir nicht vielleicht eine Podcast-Folge direkt hier von, vor Ort machen können.
Stephan Thielen: Häusliche Intensivpflege am Limit. Patrick, erzähl mal, wie bist du dazu gekommen, dass du so ein Buch schreibst und dann auch noch ’n Wälzer?
Patrick Kremer: Also erst mal muss ich so ’n bisschen noch zurückscrollen, gedanklich zu deinen Worten. Ja, ihr habt wirklich genervt gestern, aber ihr habt das echt gut gemacht, muss ich sagen.
Patrick Kremer: Also dass du da sonntags auf so ’ne Idee kommst: „Ich will jetzt morgen ’nen Podcast machen.“ Ja, und ich, das war echt, muss man sagen, schon gut. Ja, gefällt mir. Gute, gute Umsetzung von euch. Zu dem Buch: Wir machen das ja jetzt schon ziemlich lange und wir, also die außerklinische Intensivpflege, quasi seit 1990, schon meine Eltern.
Patrick Kremer: Und- Es sind eigentlich immer wieder dieselben Fragen, die Angehörige stellen. Es sind dieselben Herausforderungen, vor denen Angehörige stehen und ist dasselbe Leid, was man sieht, was wir immer wieder sehen. Und das sind dieselben Dinge, von [00:02:00] denen man aber auch immer sagen kann, hätte ein Angehöriger oder aber auch eine Pflegekraft, eine Pflegefachkraft, die in der außerklinischen Intensivpflege arbeitet, das vorher gewusst, hätte es ihr jemand gesagt, wären gewisse Herausforderungen und da reden wir wirklich von krassen Sachen bis hin zu, Straftaten, Gewalt, Betrug in der außerklinischen Intensivpflege.
Patrick Kremer: Hätte man Angehörigen und Pflegekräften das vorher gesagt, wäre vieles vielleicht nicht passiert und vieles besser geworden.
Stephan Thielen: Ja, ich sehe es ja immer so: ich bin ja eigentlich auch Pflegekraft, bin auch in der außerklinischen Intensivpflege groß geworden und muss dann immer sagen, ich sehe es immer von der anderen Seite. Wir sehen ja immer, wenn wir den Patienten erst versorgen, also das ganze Leid, was vorher passiert ist, oder Versorgungsengpässe, Pflegedienste, die Teams zusammenstellen, suchen, Personalsuche, was ja auch heutzutage auch für die Pflegedienste generell, große Herausforderung ist. Aber da gucken wir ja nicht hinter, sondern wir sehen ja immer ab dem Zeitpunkt, wo wir versorgen.
Stephan Thielen: Das Buch an sich [00:03:03] und, so wie du es erzählst, geht ja eigentlich noch mal einen Schritt eher in die Richtung der Angehörigen. Also das heißt ganz einfach: Notfall, der geht ins Krankenhaus, der Patient kommt nach Hause und nichts ist organisiert.
Patrick Kremer: Das ist typisch mittlerweile teilweise leider schon, ja. Ja. Aber auch Notfall in einer Intensivversorgung und keine Pflegefachkraft ist in der Lage, einen Notruf abzusetzen. Gibt’s ja auch ganz, ganz, ganz oft. Und wenn du auch als Krankenpfleger einen Intensivpatienten in der außerklinischen Intensivpflege berätst, vollumfänglich mit allem, was dazugehört, mit dem Case Management, mit dem Entlassmanagement, mit dem Aufnahmemanagement und wirklich aber auch einen Pflegedienst vielleicht berätst, ja.
Patrick Kremer: Du hast ja mit tausenden oder mit, ja, tausenden Pflegediensten zu tun- dann wissen die, wie es funktioniert. Die Familie ist dann gut beraten. Der Patient ist es, der Pflegedienst ist gut beraten. Da hast du einem geholfen. Einem von tausenden. Und ich möchte und ich habe mir mit dem Buch das Ziel gesetzt: Ich möchte allen Intensivpatienten die Möglichkeit geben, [00:04:05] dass man ihnen helfen kann, dass sie also das Wissen haben, was sie brauchen, um ihre Intensivpflegeversorgung wirklich sicherzustellen, Qualität zu erkennen und, ihrem Liebsten da einfach das Beste geben zu können.
Stephan Thielen: Ich gucke jetzt auch immer auch deinen Podcast hier, ich glaube, Intensivpflege Kremer heißt der. Und-
Patrick Kremer: Kremer Intensiv heißt der.
Stephan Thielen: Kremer Intensivpflege. Und da, ich glaube, ich kann mich an die erste Folge erinnern, ging es über Überleitmanagement und das ist dann so. Wie lange, ist das mal für den Angehörigen?
Stephan Thielen: Was muss man denn für- Damit man eine gute Versorgung bekommt, die adäquat funktioniert. Und eigentlich wollen wir ja keine adäquaten Versorgen, sondern wir wollten im Best Case, dass die wirklich richtig gut aus dem Krankenhaus versorgt sind. Wie lange kann man da realistisch, hast du da eine Zeiteinschätzung?
Stephan Thielen: Wenn man gut vorbereitet ist, denke ich, wenn man, wenn man Personal hat, geht das, glaube ich, schnell. Ja, aber das ist jetzt auch nichts, was jetzt, regional ist, weil du arbeitest ja [00:05:08] auch, glaube ich, mit angrenzenden Bundesländern. Sind mittlerweile, glaube ich, acht Stück- Genau. -die an, an Hessen angrenzen. Also ihr habt ja einen Riesen-, Einzugsgebiet. wie, wie sieht, wie sieht’s da denn aus für die Angehörigen?
Patrick Kremer: Es kommt immer darauf an, wie es organisiert ist. Wenn Case Management perfektioniert in Prozessen und Systemen organisiert ist, dann, funktioniert es auch perfekt. Und was viele nicht wissen, seit auch dem unter anderem dem Expertenstandard zum Entlassmanagement, haben Angehörige auch ein gesetzlich, eine, ein Recht darauf, auf ein ordentliches Entlassmanagement.
Patrick Kremer: Und Kliniken und auch Pflegedienste sind auch dazu verpflichtet und vertraglich sogar dazu verpflichtet. Wenn so ein Case Management richtig läuft und es wirklich perfekt ist, kann es auch mal schnell gehen mit so einer Krankenhausentlassung. Die Qualität ist aber die, die zählt. Und der Angehörige hat auch das Recht zu sagen: „Nee, ich möchte jetzt nicht innerhalb von zwei Wochen hier mit irgendeinem Pflegedienst nach [00:06:11] Hause entlassen werden.“
Patrick Kremer: Hauptsache, er ist zu Hause. Er kann auch sagen: „Nee, ich möchte den und den Pflegedienst.“ Und es dauert halt länger, ja. ihr sitzt ja mit der Dipa oben in, in NRW. Und wenn jetzt, dort ein Intensivpatient ist und der sagt: „Ich möchte jetzt nicht den Pflegedienst aus Hamm, sondern ich möchte ihn aus Dortmund“, oder wie auch immer, hat der Angehörige und hat der Patient das Recht darauf.
Patrick Kremer: Und ja, Recruiting, wie du sagst, kein Pflegedienst hat irgendwie das Personal rumstehen, was nur darauf wartet, dass jemand anruft und sagt: „Ihr müsst jetzt arbeiten.“ Aber es gibt da gewisse Tricks, auf die man, auf die Angehörige achten sollten und die auch Pflegedienste umsetzen können, dass Recruiting perfektioniert, funktionieren. Genau so was ist in dem Buch beschrieben.
Stephan Thielen: Okay. Geht’s in dem Buch, ich hoffe, dass es bald rauskommt, weil, die Spannung steigt natürlich mit-
Patrick Kremer: 17. Juli ist Stand jetzt.
Stephan Thielen: 17. Juli. Das ist gut. Dann weiß ich, dass ich meinen Briefkasten auf jeden Fall mal gut, beobachte, ob’s dann auch, reingeschmissen wird.
Patrick Kremer: Also tatsächlich, um da mal reinzucrashen, dieses Buch [00:07:13] musste wirklich, von mehreren Juristen verschiedener Fachabteilungen natürlich einmal das Fachliche, auch das Sozialrecht, aber auch, noch ganz andere Themen geprüft werden, bevor es rausdurfte. Und es gab auch den einen oder anderen Jurist, der gesagt hat, „Herr Kremer, schreiben Sie diese Seite nicht so, das könnte Probleme geben.“
Patrick Kremer: Und wir haben’s jetzt trotzdem so gemacht und deswegen hat’s auch ziemlich verzögert, ja. Okay, es ist auf jeden Fall, ich freue mich drauf. In deinem Buch, gibt’s da ein Kapitel über Angehörigen und, wie die Angehörigen damit umgehen können. warum war dir das so wichtig?
Patrick Kremer: Angehörige verbrennen, um’s mal so ganz plump zu sagen, in so Situationen, teilweise total.
Patrick Kremer: Und da gibt’s so ’ne Metapher oder so, so ’n Beispiel: Wenn du im Flugzeug– bist ja bestimmt schon im Flugzeug geflogen. Wenn dir dann in der Sicherheitsanweisung gesagt wird, setzen Sie die Sauerstoffmasken erst sich selbst auf, helfen Sie dann Kindern oder wie auch immer. Kennst du die Ansage? Ja, die kenne ich.
Patrick Kremer: Und genauso ist es auch [00:08:16] in der Pflege von Angehörigen. Die Sauerstoffmaske als Metapher für Angehörige müssen an sich selbst denken, um Energie zu haben, um Entlastung zu haben, um dieser Aufgabe überhaupt gerecht zu werden. Und viele Angehörige rutschen grade in der außerklinischen Intensivpflege in eine Co-Abhängigkeit.
Patrick Kremer: Die verlassen das Haus nicht mehr, die machen keinen Urlaub mehr, die gehen nicht mehr arbeiten. Dann kommen Ängste dazu, Rentenpunkte, finanzielle Sorgen, Partnerschaft, Familie wird alles hinten angestellt. Und es gibt aber Wege. Es gibt Wege und es gibt Lösungen. Und es gibt auch finanzielle Mittel für Angehörige, dass den, dass denen geholfen wird, bis hin zu Rentenpunkten, bis hin zu Entlastung.
Patrick Kremer: Und genau darüber, schreibe ich noch mal in dem Buch, dass Angehörige da wirklich, nicht zusammenbrechen. Und es gibt da ganz, ganz, ganz viel, was man machen kann, was aber auch vor allem mit einer guten außerklinischen Intensivpflege einhergeht, also was aber auch mit der Wahl des richtigen Pflegedienstes einhergeht, dass Angehörige wirklich genau wissen: Auf welchen Portalen kann ich schauen?
Patrick Kremer: Die Krankenkassen [00:09:18] stellen da ja Portale auch zur Verfügung. Der medizinische Dienst hat zum Teil Portale, auf denen man schauen kann, wie entscheidet denn ein Angehöriger, welchen Pflegedienst soll ich nehmen?
Patrick Kremer: Welcher Pflegedienst ist wirklich gut, qualitativ gut? Um daraus dann einfach jemanden zu haben, der ihn entlastet, weil es soll keine Last sein.
Stephan Thielen: Also quasi die ganze Flut an Informationen, die zur Verfügung gestellt werden, zu kanalisieren. Also, seh, sehe ich das richtig, dass dein Buch ein Wegweiser dafür ist, auch zu wissen, an wen ich mich direkt wenden kann. Oftmals ja der Pflegedienst. Pflegedienste haben ja generell auch ein wirtschaftliches Interesse, das muss man auch dazu sagen. Aber, viele helfen auch, viele wissen’s aber manchmal auch nicht.
Patrick Kremer: Wirtschaftliches Interesse von Pflegediensten, hast du vollkommen recht. Genau so was schreibe ich aber auch offen hier rein. Ich schreibe hier drin sogar offen über Zahlen, über Stundensätze, über Stundensätze von Pflegediensten. Das war auch ein Thema, wo der ein oder andere Anwalt gesagt hat: „Lass es.“ Ich mach’s trotzdem, um da genau mal offenzulegen: wie wird das vergütet? Wie sieht das denn überhaupt aus? Was hat ein Angehöriger da [00:10:20] überhaupt so aber auch für Rechte? Und bin da auch mal ganz transparent, ja, genau diese Themen auch anzusprechen.
Stephan Thielen: Okay, ist eher generell Finanzierung eh ein großes Thema? Das ist aber noch mal ein anderen Podcast. Also da, kann man ja, reihenweise Podcast davon füllen. Also, hier, wie gesagt, immer noch, einfach gespannt darauf. Auch Zahlen ist auch immer interessant. Gut, wir sind jetzt im Thema, also wir kriegen schon viele Zahlen genannt und wir wissen auch, in welche Richtung es geht.
Stephan Thielen: Aber für den Angehörigen ja auch ganz einfach: Es ist ja nicht nur einfach ein Pflegedienst, sondern, da kommen ja Menschen, Fachkräfte gut ausgebildet, das kostet ja natürlich auch. Also ist ja auch-
Patrick Kremer: Meistens. Also meistens kommen Fachkräfte hin, meistens sind die gut ausgebildet. Teilweise sind sie’s aber auch nicht.
Patrick Kremer: Teilweise haben sie, haben die Leute nicht mal ein Examen. Also wir sprechen hier immer noch von extremen Betrugsfällen in Deutschland, in der außerklinischen Intensivpflege, die ein Angehöriger halt erkennt, die er überhaupt gar nicht erkennen kann. Und, auch so was, genau so was schreibe ich. [00:11:24] Und das ist diese Offenheit, von der ich auch immer spreche und die mir wichtig ist bei diesem Buch, Dinge anzusprechen, die sonst einfach keiner anspricht. Weil es gibt genug, Handbücher, die Fachlichkeit abbilden, auch das von euch. Das ist einfach extrem gut, bezogen auf die reine Fachlichkeit der außerklinischen Intensivpflege. Ich möchte das Ganze beleuchten, das Drumherum. und genau das steht dann dort so drin.
Stephan Thielen: Patrick, ein, großer Teil deines Buches, ist der medizinische Dienst und der Krankenkasse. Was hast du da drin denn über die Krankenkassen und den medizinischen Dienst oder besser gesagt der Dschungel, durch den man nicht durchschauen kann, mit in dein Buch gebracht?
Patrick Kremer: Hm. Viel.
Patrick Kremer: Abrechnungsbetrug in Milliardenhöhe. Offengelegt mit Kriminalstatistiken und ich schreibe auch zum Thema Krankenkasse und MD das, was keiner schreibt, weil sich’s keiner traut. Wie oft kommt der medizinische Dienst in so ’ne Intensivversorgung? Weißt du das auswendig? Oder wie oft prüft er den Pflegedienst? Also wenn’s keine Anlassprüfung ist, [00:12:31] einmal im Jahr- Korrekt. -woche laufend. Korrekt.
Patrick Kremer: Also Momentaufnahmen, ja. Ja. Mal ganz kurze Momentaufnahmen. Und ich spreche hier wirklich über Themen wie Handgeld, Patientenhandel, Abrechnungsbetrug. Ich spreche aber auch über die Rechte oder ich schreibe über die Rechte, die Angehörige haben. Ein Angehöriger oder der, Vorsorge– oder der, der Betreuungsbevollmächtigte hat dauerhaft ein Recht auf die Dokumentation, die Dokumentation einzusehen, die Dokumentation in Kopie zu bekommen. Genauso wie Themen, keine Krankenkasse darf einem Angehörigen oder einem Intensivpatienten den Pflegedienst vorgeben.
Patrick Kremer: Nicht mal empfehlen. Überhaupt nicht. Passiert aber ganz oft. Schreibe ich auch genauso da rein und, wird vielen ganz, ganz, unschön aufstoßen. Ich schreibe auch über Fristen. Wie lange hat eine Krankenkasse Zeit zu reagieren, bevor Angehörige ganz anders handeln dürfen? Bis hin zu, ich hole mir jetzt die, Pflegekräfte, die [00:13:31] ich möchte und ihr zahlt das in einem Erstattungsverfahren über Fristen, die eingehalten werden müssen durch den medizinischen Dienst, über Themen wie Potenzialerhebung. Ja, ich bin da schon ziemlich offen, schreib da auch kritisch über Krankenkassen. Das sind ja nur die Kostenträger. Mehr Rechte sind da jetzt groß gar nicht zu nennen. Das sind ja nur die, die bezahlen.
Patrick Kremer: Leider ist es aber in der Realität oft so, dass es anders dargestellt wird und auch anders gefühlt wird. Genauso auch bei dem medizinischen Dienst.
Stephan Thielen: Okay. Also das auf jeden Fall … Also ich bin nach wie vor gespannt.
Patrick Kremer: Kannst du sein. Kannst du sein. Also ich schreib da wirklich mal ganz offen rein und ich werde mir dadurch sehr viele Feinde schaffen und das ist vollkommen in Ordnung.
Stephan Thielen: Okay. Erst mal vielen Dank, dass du da warst, dass du über dein Buch gesprochen hast und auch hier, ich halt’s noch mal in die Kamera. Also wenn ihr Interesse habt, bestellt es euch vor. Wir haben uns das alle oder besser gesagt, ich habe es mir vorbestellt und, kann es [00:14:34] nur weiterempfehlen. Und, wenn es raus ist, hoffe ich ganz einfach, dass wir noch eine Podcast-Folge machen und gehen dann näher in die Materie und dann gucken wir mal, was du da, erzeugt hast. Sagen wir’s mal so.
Patrick Kremer: Sehr gerne. Vielen Dank, dass ich da sein durfte. Freue mich auf das Ergebnis. Alles klar. Danke schön.
Ungepflegt ehrlich unterwegs. Der Pflegepodcast auf Tour.
Worum geht es in dieser Folge?
Patrick Kremers Buch „Häusliche Intensivpflege am Limit“ erscheint am 14. Juli. Doch was steckt eigentlich dahinter? Warum schreibt ein Pflegedienstgeschäftsführer ein Buch, das Juristen nervös macht und Dinge offenlegt, die in der Branche keiner laut sagen will?
Patrick Kremer trifft Stefan von Ungepflegt ehrlich unterwegs direkt vor Ort, spontan, ungeplant, ehrlich. Das Ergebnis: ein offenes Gespräch über Abrechnungsbetrug, Patientenhandel, Co-Abhängigkeit bei Angehörigen und die Frage, warum ausgerechnet Transparenz in der Pflege so selten ist.
Patrick spricht darüber, was Angehörige wirklich wissen müssen, wenn ein Intensivpatient aus dem Krankenhaus entlassen wird. Über die Rechte, die die meisten nicht kennen. Über Pflegedienste, die keine ausgebildeten Fachkräfte schicken. Und darüber, warum keine Krankenkasse einem Angehörigen vorschreiben darf, welchen Pflegedienst er zu nehmen hat.
Kapitelübersicht der Podcastfolge
| Zeit | Thema |
|---|---|
| 00:00 | Wie kam es zu dieser Folge? |
| 01:00 | Warum hat Patrick dieses Buch geschrieben? |
| 02:30 | Was sehen Pflegedienste, was Angehörige nicht sehen? |
| 04:00 | Wie läuft eine gute Krankenhausentlassung ab? |
| 05:30 | Welche Rechte haben Angehörige bei der Pflegedienstauswahl? |
| 07:00 | Was ist Co-Abhängigkeit und wie entsteht sie? |
| 08:30 | Welche finanziellen Hilfen gibt es für Angehörige? |
| 09:30 | Abrechnungsbetrug, Patientenhandel, fehlende Examina |
| 11:00 | Was darf eine Krankenkasse und was nicht? |
| 12:30 | Fristen, Erstattungsverfahren, Rechte gegenüber dem medizinischen Dienst |
| 14:00 | Vorbestellung und Ausblick |


Über Patrick
Als Geschäftsführer des Pflegedienst Kremer steht Patrick Kremer für moderne außerklinische Intensivpflege mit höchsten Qualitätsansprüchen. Sein Fokus liegt auf einer professionellen Versorgung, die fachliche Exzellenz mit Menschlichkeit, Vertrauen und echter Nähe verbindet.
Weitere Podcast- Folgen
Woran erkennst du einen guten Pflegedienst in der Intensivpflege? (#05)
In dieser Folge von Kremer Intensiv, dem Podcast von Pflegedienst Kremer für außerklinische Intensivpflege, geht es um ein Thema, das über Vertrauen und Sicherheit entscheidet: den festen Ansprechpartner.
[00:00:00] Kremer Intensiv, der Podcast für außerklinische Intensivpflege. Für Pflegekräfte, Angehörige und Betroffene, die mehr wollen als Standard. Denn Intensivpflege bedeutet Verantwortung, Druck und oft den Kampf um Lebensqualität. Wir sprechen offen über das, was andere verschweigen. Über Probleme, Lösungen und echte Erfahrungen.
[00:00:22] Herzlich willkommen zum Kremer-Podcast. Ehrlich, direkt und auf den Punkt.
Rebecca: Herzlich willkommen zu unserer neuen Podcast-Folge von Kremer Intensiv. Heute mit ’nem ganz spannenden Thema, und zwar festen Ansprechpartnern in der außerklinischen Intensivpflege. Mein Name ist Rebecca, ich bin die Betriebsleitung unserer außerklinischen Intensivpflege und damit ihr da ein bisschen Abwechslung heute habt, hab ich den Kim, meinen Stellvertreter dabei.
[00:00:47] Rebecca: Der Kim hat tatsächlich alle Positionen durchlaufen, von der Fachkraft am Patientenbett über die Rolle der Fachbereichsleitung und ist jetzt die stellvertretende Betriebsleitung und ich freu mich sehr, dass du das heute mit mir machst.
Kim: Ja, vielen Dank, dass [00:01:00] ich hier sein darf. Ich freu mich auch sehr, dass ich mit dir über dieses spannende Thema reden darf.
[00:01:04] Rebecca: Ja, schön, dass du’s eingerichtet hast. Feste Ansprechpartner. Kim, was sagst du dazu?
Kim: Ja, unabdingbar. Es gibt, gibt für mich keinen Grund, dass es, äh, keinen festen Ansprechpartner gibt.
Rebecca: Wie siehst du’s in der Realität?
Kim: Die Realität ist tatsächlich schwierig. Also ich bin in vielen Bewerbungsgesprächen und viel draußen, begleite Teams, die mir ganz, ganz oft Eben das nicht sagen.
[00:01:34] Die sagen, die sind nicht begleitet. Führungskraft seit ’nem halben Jahr nicht mehr gehört, nicht mehr gesehen.
Rebecca: ‚N halbes Jahr?
Kim: Halbes Jahr Minimum.
Rebecca: Oh, das ist natürlich schon ’ne Hausnummer, ne. Ich musste grad an deine Aufnahme denken, die du jetzt so vor vier, fünf, sechs Wochen gemacht hast. Ähm, die kleine Maus, die jetzt ihre ersten Schritte gemacht hatte.
[00:01:53] Rebecca: Da hattest du ja auch gesagt, die Eltern, die haben sich eigentlich so gefreut, dass sie einfach jemanden haben, wo sie wissen, ähm, der ist jetzt für mich [00:02:00] zuständig. Also ist das nicht der Standard, dass scheinbar Angehörige oder auch Patienten wissen, an wen sie sich wenden dürfen.
Kim: Nein, tatsächlich überhaupt nicht.
[00:02:08] Kim: Also, ähm, ich bin dort hingekommen und ja, hab mich ’n bisschen überraschen lassen, was mich da erwartet und, ähm, die Mutter war total toll, total offen und hat auch sofort mit mir offen darüber gesprochen, was sie erwartet. Sie möchte wieder arbeiten gehen können, ohne dass sie Angst hat, dass ihre kleine Tochter eben nicht versorgt ist.
[00:02:31] Kim: Und das konnte sie mit dem, ähm, anderen Pflegedienst einfach nicht leisten. Also der Arbeitgeber hat tatsächlich einfach gesagt: „Hier, es tut mir leid. Menschlich passt du super in mein Team, du machst einen super Job, aber dein Pflegedienst ist, ja, nicht so stabil, dass ich dich hier weiter beschäftigen kann und das kann nicht tatsächlich auf die Kosten von meinem Team und meinem Unternehmen gehen.“
[00:02:53] Rebecca: Ja, Wahnsinn. Also tatsächlich, da hängt dann auch ’ne ganze Existenz ja eigentlich auch dran. ‚N Riesenstück Normalität, dass man auch trotz [00:03:00] intensivpflichtigem Kind noch mal arbeiten gehen kann und es hängt am Ende an diesem festen Ansprechpartner. Wir haben das ja bei uns im Unternehmen relativ einfach und simpel strukturiert, damit die Ebenen einfach flach sind und dass immer jeder weiß, an wen wende ich mich.
[00:03:15] Rebecca: Fallen dir denn so typische, ja so, ich sag mal so Red Flags ein, die tatsächlich dafür sprechen, dass ’n Pflegedienst keine Strukturen hat und dass man keinen festen Ansprechpartner findet? Also grade so für Angehörige und für die Kunden selber.
Kim: Ja, definitiv. Also es muss von Anfang an klar sein, wer ist denn mein Ansprechpartner in der Versorgung.
[00:03:37] Kim: Also das heißt, wer ist mein Team? Wer gehört zu meinem Team? Ja. In diesem Team, wer ist meine Teamleitung? Der Drahtzieher zwischen, ja, dem Team, den Angehörigen, aber auch dem Büro. Ähm, und dann haben wir im Büro tatsächlich noch einmal, ja, die PDL, die Fachbereichsleitung, wie wir sie nennen, ähm, die einfach [00:04:00] ganz klar kommuniziert sein muss: Wie erreiche ich sie?
[00:04:02] Kim: Wer ist es? Und, äh, dass du man, dass man sie eben auch erreicht.
Rebecca: Ja. Was ist da für dich noch so auffällig? Also wir haben ja oftmals Übernahmen, wo wir gehört haben, wir hatten noch niemals ’n festen Ansprechpartner und das ist eigentlich das, was wir uns am meisten auch wünschen, dass wir wissen, wo wenden wir uns hin, wenn wir Hilfe brauchen oder auch Bedarf haben zum Reden.
[00:04:21] Ähm, was ist da noch so in deinem Kopf, was du so miterlebt hast über Aufnahmen oder auch Erstgespräche?
Kim: Ja, tatsächlich, ähm, sind die Angehörigen sehr genervt davon, Situationen immer und immer und immer wieder neu erklären zu müssen, ähm, jedes Mal tief auszuholen, sondern die möchten einen festen Ansprechpartner einfach haben für sich, der die Situation, um die Situation weiß, um die Situation des Kunden, die Situation des Teams, aber auch die Situation der Angehörigen, ohne sich stetig mit stundenlangen Telefonaten erklären zu müssen, sondern zu sagen: „Hey, [00:05:00] das ist die Situation und welche Lösung finden wir dafür?“
[00:05:03] Das ist der Wunsch von Kunden und von Angehörigen in der außerklinischen Intensivpflege und das findet oft einfach nicht statt.
Rebecca: Ja. ‚Ne richtige Red Flag für mich ist auch tatsächlich, wenn man zwar weiß, wer sein Ansprechpartner ist, also man kennt ihn namentlich, aber man erreicht ihn nicht, man hat ihn noch nie gesehen.
[00:05:18] Gibt’s einfach nicht. Also ich sag mal, diesen Alibi-Fake-Ansprechpartner fürs Papier, das find ich tatsächlich noch fast schlimmer, als wenn Strukturen vielleicht einfach noch nicht so richtig optimiert worden sind.
Kim: Ja, Klassiker ist tatsächlich so bei Aufnahme einmal vorbeigefahren, Gesicht gezeigt. „Hier, ähm, wenn was ist, melden Sie sich gerne.“
[00:05:37] Und dann nie wieder gesehen, nie wieder gehört und vor allen Dingen nie wieder erreicht. Geht gar nicht.
Rebecca: Wie ist es tatsächlich, ähm- Das weiß ich gar nicht, ob das so häufig in der Praxis ist. Ich weiß nur, dass wir viel Wert drauf legen, wenn die Ansprechpartner in den Urlaub gehen oder vielleicht auch mal erkranken, dass einfach ’ne Vertretungsregelung gesetzt ist und dass aber auch die Vertretung weiß, was eigentlich in den Versorgungen passiert ist, [00:06:00] in den, ähm, zwischenmenschlichen Beziehungen und, und, und.
[00:06:03] Rebecca: Dass einfach, falls der Kunde oder der Angehörige Bedarf hat zu sprechen, dass nicht kommt: „Oh, ich weiß gar nichts von ihrer Situation. Da muss ich mich erst mal beraten lassen oder ich muss mich reinfuchsen.“ Das ist ja auch immer sehr schlimm, wenn man von A nach B geschoben wird. Ich denk da immer so an Baumarkt: „Ist nicht meine Abteilung“, ja.
[00:06:19] Rebecca: Dann muss man’s halt mal zu seiner Abteilung machen. Ist das auch gang und gäbe oder?
Kim: Leider ja. Ähm, ich erkenne aber da tatsächlich, äh, also es geht total einfach. Man muss sich einfach strukturiert eine Übergabe machen und dann funktioniert das auch einfach. Wir hatten jetzt grade den, das Beispiel, dass, ähm, ja, die kleine Maus, die du angesprochen hast, tatsächlich beziehungsweise die Mutter braucht Hilfe, um Hilfsmittel für die Krankenkasse zu beantragen.
[00:06:50] Und dort hatten wir jetzt grade diese Urlaubsübergabe, wo dann einfach ganz klar strukturiert gesagt wurde: Wir haben der Mutter, äh, geholfen bei dem [00:07:00] Widerspruch, da Tipps gegeben, was einfach medizinisch notwendig für die Kleine ist. Und das wurde ganz klar an die Vertretungsregelung, an die, an die nächste Fachbereichsleitung weitergegeben, dass sie einfach weiß: „Hey, okay, die Mama, die wurde hier schon unterstützt und wenn irgendeine Frage noch aufkommt, grade der medizinischen Natur, dann stehen wir da, beraten und helfen einfach.“
[00:07:21] Rebecca: Ja, ich sage ja auch immer, ähm, ’ne gute FBL oder ein guter Ansprechpartner, der ruft ja an, bevor eigentlich die Familie anruft. Also das ist so ’ne typische Green Flag, würd ich sagen. Also man bietet den Hilfsbedarf an, obwohl er vielleicht noch gar nicht kommuniziert wurde, weil man halt einfach seinen Ansprechpartner kennt, weil ’ne regelmäßige Kommunikation stattfindet.
[00:07:39] Rebecca: Was ist denn für dich so absolut Green Flag? Also wenn jetzt jemand zuhört und sagt: „Oh, ich hab mich schon wiedererkannt in den Red Flags“, aber vielleicht gibt’s ja auch jemand, der sich gut betreut fühlt, im besten Fall. Ähm, was ist für dich typisch grün? Was sollte ein Pflegeunternehmen mit festen Ansprechpartnern auf jeden Fall vorweisen können, damit man sagt: [00:08:00] „Super.“
[00:08:00] Kim: Also an dieser Stelle will ich einfach mal sagen, ich lob mich jetzt nicht hier in den Himmel, aber ich red aus meiner eigenen Erfahrung. Und zwar ist es einfach dieses von Aufnahme bis, ja, bis weiter, bis alles durchläuft, einfach derselbe Ansprechpartner da ist. Man fährt dorthin, man stellt sich vor, das Team lernt einen kennen, die Angehörigen lernen einen kennen und vor allen Dingen ganz wichtig: Der Kunde selbst, der Patient selbst lernt einen kennen.
[00:08:25] Kim: Und dann bleibt man in der Folge auch, ja, einfach da als Ansprechpartner, als Fachbereichsleitung und ist auch in aller Regelmäßigkeit da. Sei es die Teamsitzung, die regelmäßig stattfinden muss, das einfache Telefonat: „Hier, wie geht’s? Ist alles in Ordnung? Gibt’s Situationen, über die wir sprechen müssen, wo wir Lösungen finden müssen?“
[00:08:46] Ähm, absolut Green Flag, quasi eine Person zuständig für alles und man weiß auch, ähm, wie ich, wie man sie erreicht und dass man sie erreicht.
Rebeca: Okay, wollen wir zusammenfassen, Kim? Wir fassen zusammen. Wir fassen zusammen. [00:09:00] Also klassische Red Flags sind tatsächlich: Ich kenne meinen Ansprechpartner gar nicht.
[00:09:03] Rebecca: Er wechselt permanent, so gefühlt monatlich, vielleicht auch wöchentlich. Ja. Dann hab ich, ähm, immer wieder den oder die Pflicht, mich zu erklären. Ich muss immer wieder meine Situation erklären. Ich muss sagen, wer ich bin, von wem ich vielleicht der Angehörige bin, welcher Kunde ich bin und ja, hab vielleicht mal den, der mal irgendwann für mich auserkoren war, am Anfang meiner Versorgung gesehen und die festen Ansprechpartner, wo wir sagen, ist ’ne grüne Flagge, sollte man beibehalten, darf man weiter so machen.
[00:09:32] Rebecca: Die bieten die Hilfe an, bevor der Bedarf überhaupt bewusst ist, sind einfach vorhanden, sind auch nicht nur am Aufnahmetag da, sind regelmäßig in ihren Versorgungen und erreichbar vor allem. Also das auch. Da ist auch einfach ’ne Verpflichtung da, dass man als Pflegedienst 24/7 für seine Kunden, für die Angehörigen von den Kunden, aber auch, es fällt auch die Über, der Übergang zum nächsten Thema für feste Ansprechpartner, für die Mitarbeiter erreichbar ist.
[00:09:59] Rebecca: [00:10:00] Also ’ne 24/7-Rufbereitschaft ist keine, ähm, Kür, das ist ’ne Pflicht.
Kim: Ja, tatsächlich. Also Man verpflichtet sich als Pflegedienst, 24 Stunden erreichbar zu sein und nicht, weil’s am Ende darum geht, irgendwie Mitarbeiter ’ne Rufbereitschaft zu geben und die zu nerven oder so, sondern einfach, weil wir jemanden an der Leitung brauchen, falls unsere Kunden, unsere Angehörigen oder unsere Teams eben Unterstützung benötigen in schwierigen Situationen.
[00:10:28] Und da ist es vollkommen egal, ob es das Ausfallmanagement ist oder dann auch tatsächlich wirklich ’ne, ’ne Situation, wo’s dem Kunden nicht gut geht, wo sich die Pflegefachkraft einfach vielleicht auch noch mal bei ihrer Führungskraft diese Sicherheit holen muss: „Okay, ich bin die Vitalzeichen durchgegangen und jetzt weisen wir zum Beispiel ins Krankenhaus ein.“
[00:10:47] Oder: „Nein, wir packen die Situation auch zu Hause zu überwachen.“
Rebecca: Ja, also tatsächlich grad in der Eins-zu-eins-Pflege, man ist ja einfach manchmal auch abhängig von ’ner zweiten Meinung und wenn ’n Kunde alleine lebt ohne die Angehörigen, find ich’s immer ganz [00:11:00] schön, dass man vielleicht noch mal, bevor man den Notruf absetzen muss oder ’n ärztlichen Bereitschaftsdienst, auch einfach noch mal jemanden, der auch den Kunden ja kennt, einfach erreichen kann.
[00:11:09] Rebecca: Also da geh ich jetzt wirklich von uns aus, wo unsere Fachbereichsleitungen die Rufbereitschaft haben. Die Kunden sind bekannt, ja, und man kann sich einfach noch mal rückversichern, was ich persönlich sehr, sehr angenehm finde.
Kim: Und trotzdem bleibt die Meinung auch noch mal eine objektive. Ja. Unsere Teams sind sehr, sehr nah an dem Geschehen, jeden Tag bei unseren, bei unseren Kunden, bei unseren Patienten.
[00:11:27] Und die Fachbereichsleitung, sie kennt ihn, aber sie kann’s objektiv bewerten, ohne da jetzt Emotionen oder zu viel Emotion reinzugeben.
Rebecca: Absolut. Ich denk da jetzt auch so an klassische Beispiele. Also du führst ja auch Bewerbungsgespräche und gar nicht wenig, würd ich behaupten. Ähm, ich weiß gar nicht, wie oft ich jetzt schon in der Zeit, wo ich das mache, gehört habe: „Ja, dann hab ich 36 Stunden gesessen, weil ich halt niemanden erreicht habe.“
[00:11:51] Rebecca: Oder 24 Stunden. Also alles ist schon schlimm, alles, was über zwölf hinausgeht. Aber wie siehst du das?
Kim: Wie ich das sehe? Zum Glück hör ich das nicht [00:12:00] ganz so häufig, wie du das jetzt beschreibst. Ähm, und da bin ich auch froh drum, weil’s einfach nicht erlaubt ist und wir müssen darüber einfach sprechen, 36 Stunden zuständig zu sein.
[00:12:11] Kim: Je-jede Minute kann irgend ’ne lebensbedrohliche Situation eintreffen und du musst in der Lage sein zu reagieren als Fachkraft. Und das kann mir keiner erzählen, dass du das nach 36 Stunden, auch nach 24 noch kannst.
Rebecca: Nee, und da auch ganz, äh, der Appell an alle Mitarbeiter, ähm, und alle Pflegefachkräfte, die jetzt zuhören: Also es ist nicht normal, dass man über die zwölf Stunden hinaus arbeitet.
[00:12:33] Rebecca: Es ist verboten, ne. Das ist einfach gefährlich. Also es ist gefährlich für einen selber, es ist super gefährlich für die Kunden, die wir betreuen. Da müssen wir auch nicht drüber sprechen, welche gesundheitlichen Zustände tatsächlich ja da auch sehr spontan auftreten können. Und man muss, wie du sagst, immer reagieren können.
[00:12:50] Kim: Ja, das ist nicht zu diskutieren. Da gibt’s … Eigentlich schade, dass wir überhaupt so was in unseren Bewerbungsgesprächen hören und auch heute darüber sprechen müssen.
Rebecca: Ja, ich [00:13:00] hab auch manchmal das Gefühl, dass tatsächlich grade so in dem, äh, Sektor von den Teams ganz häufig das ist: Lieber mal schweigen, als, ähm, da irgendwie unangenehm aufzufallen.
[00:13:11] Rebecca: Also ich glaube, das ist ’ne Kultur, die häufig bei schlechten Arbeitgebern einfach so gelebt wird, dass es lieber totgeschwiegen wird, als dass jemand, äh, seine Meinung oder auch seinen Hilfebedarf äußern darf, weil er vielleicht auch nicht diesen Ansprechpartner hat, wo er sich hinwenden kann mit ’n bisschen Vertrauen.
[00:13:26] Rebecca: Ähm, sag mir doch mal, wie’s ’n Guter machen würde.
Kim: Ja, am Ende gibt’s da kein Erfolgsrezept, weil es ist das Wort Vertrauen. Also das Team, ist egal wer, es, es muss Vertrauen sein. Das Team muss dir vertrauen, die Teamleitung muss dir vertrauen, die Angehörigen und die Kunden müssen dir vertrauen. Und dann werden die auch, ja, wenn sie Hilfe brauchen, werden sie auf dich zukommen als Fachbereichsleitung.
[00:13:54] Und ich kann nur aus meiner Erfahrung sagen, es ist ’n unglaublich tolles Gefühl, wenn sie, [00:14:00] wenn man einfach so selbst merkt: Oh, das, das, das ist so ’ne, ja, prägnante Situation und die Kunden und die Teams kommen aber trotzdem auf einen zu und haben keine Angst, dich um Hilfe zu fragen.
Rebecca: Ja, einfach wenn die Pflegekräfte sich trauen, sich zu melden, ne.
[00:14:18] Rebecca: Also ich find das auch immer schon ’n schönes Zeichen, dass einfach so ’n Vertrauensbasis da ist, dass ich mich melden kann, weil ich weiß, wer ist mein Ansprechpartner und wo wende ich mich auch hin. Und das geht ja auch mit ’ner offenen Fehlerkultur auch oft mit ein und ich finde, das ist eigentlich ’n grundsolider Stein, diesen festen Ansprechpartner in den Teams zu haben, damit überhaupt ’ne gute Versorgung stattfinden kann.
[00:14:42] Kim: Ja, definitiv. Also, ähm, als erster Ansprechpartner m-muss da definitiv bei den Teams ’ne Teamleitung integriert sein, die situativ total integriert ist in die Versorgung. Und, ähm, als nächsten Step muss das Vertrauen einfach zur Fachbereichsleitung da sein, sich [00:15:00] jederzeit melden können. Ja. Schlauer Mann hat mal zu mir gesagt: „Wo gehobelt wird, fallen auch Späne.“
[00:15:05] Rebecca: Ja, den schlauen Mann kenn ich auch tatsächlich, aber das ist auch vollkommen richtig und man muss auch sagen, ähm, wir haben da, sind ja gar nicht so drauf eingegangen für die Angehörigen und die Kunden, aber die Teamleitung als Ansprechpartner vor Ort zu haben, das ist, glaub ich, einer der größten Hebel und auch wirklich Gold wert, weil die Teamleitung, also zumindest unsere Teamleitung, arbeiten auch aktiv in der Pflege mit und die können für die Ansprechsituationen, die auftreten können, die die Versorgung betreffen, die den Kunden betreffen, die aber auch vielleicht Teamunstimmigkeiten oder Stimmigkeiten betreffen, einfach viel, viel besser, ich sag mal, jonglieren, als vielleicht ’ne PDL oder ’ne Fachbereichsleitung aus dem Büro das kann.
[00:15:44] Rebecca: Die kann unterstützend tätig sein und der feste Ansprechpartner natürlich auch für diese Instanz sein, aber auf jeden Fall.
Kim: Ich denke auch, dass die Umsetzung bei schwierigen, aber du sprichst’s grade auch mal an, bei positiven Situationen einfach immer die Teamleitung hat, [00:16:00] denn sie ist vor Ort, die kann Situationen einschätzen und ist einfach nah dran.
[00:16:06] Und so fühlt sie natürlich auch, wenn’s in ’nem Team mal kriselt, aber fühlt auch: „Hey, jetzt grade läuft alles wirklich gut. Und ja, jetzt plan ich vielleicht auch einfach mal als Belohnung ’n Team-Event vielleicht.“
Rebecca: Ja, genau so muss es auch sein. Okay, wollen wir die Ansprechpartner zusammenfassen, die Green Flags und die Red Flags.
[00:16:24] Rebecca: Das darfst aber jetzt du mal übernehmen. Die Zuhörer wollen ja auch dich hören.
[00:16:31] Kim: Jawohl, das machen wir jetzt. Also wir haben gesagt, ähm, Arbeitgeber sind außerhalb der Bürozeiten nicht zu erreichen. Absolute Red Flag, geht überhaupt nicht. Fachbereichsleitung muss jederzeit erreichbar sein. Wir haben über die Bewerbungsgespräche gesprochen und über, ja, Dienstübernahmen über 36 Stunden haben wir auch gesagt, brauchen wir gar nicht zu diskutieren.
[00:16:58] Rebecca: Also da noch mal ganz [00:17:00] kurz nur alles, was über die zwölf Stunden hinausgeht. Wir reden nicht davon, dass ’ne Kollegin vielleicht sich, äh, beim Auto bei der Schichtwechsel irgendwie ’n Bein bricht und man jetzt schnell den Ersatz organisieren muss. Genau für so was gibt’s natürlich eine Rufbereitschaft, die man alarmieren kann und dann auch gucken muss, wie, ähm, geht es jetzt einfach weiter.
[00:17:17] Aber dann hab ich meinen Ansprechpartner, der das mit mir koordiniert in dem Einzelfall. Ja, aber alles, was über zwölf hinausgeht, nicht die 36 sind ja das, was immer bei mir so prägnant im Kopf ist, weil ich das zwei, drei Mal erlebt hab, wo Leute im Bewerbungsgespräch einfach geweint haben, also weil die einfach so drüber waren.
[00:17:33] Kim: Und das waren gute Pflegefachkräfte, die heute nicht mehr da sein. Ein Glück. Ein Glück. Okay, weiter.
Kim: Genau, da können wir genau anknüpfen, weil danach haben wir noch drüber gesprochen, dass das Vertrauen einfach da sein muss oder wenn das Vertrauen eben nicht da ist, sich an seine Teamleitung oder seine Fachbereichsleitung zu wenden.
[00:17:52] Kim: Absolute Red Flag. Nur sprechenden Menschen kann man helfen, aber wenn diese Menschen kein Vertrauen zu den Führungskräften haben, [00:18:00] zu den höheren Strukturen, dann funktioniert’s einfach nicht.
Rebecca: Das stimmt. Also eigentlich so’n Leitspruch bei uns in der Intensivpflege, gell. Nur sprechenden Menschen kann geholfen werden.
[00:18:10] Rebecca: Ist auch grade mit außerklinisch ja auch verbunden, weil die Distanz zwischen Versorgung und Büro, man hat ja nicht immer die Kristallkugel aufm Tisch, die einem sagt, wie grade die Situation auch ist und da brauchst du genau das, feste Ansprechpartner, Strukturen und es funktioniert.
Kim: Und am Ende die Re, äh, die Green Flags kann man jetzt per se einfach rumdrehen.
[00:18:29] Rebecca: Mach mal, weil wir wollen ja auch was Positives haben.
Kim: Perfekt. Ich als Pflegefachkraft traue mich, an, an meine Führungskraft zu wenden, ähm, Probleme zu schildern und vielleicht auch Probleme, die ’n bisschen privaterer Natur sind, ähm, als das für gewöhnlich ist, wenn das Vertrauen groß ist. Wir haben eine 24/7, ja, besetzte Rufbereitschaft, die erstens erreichbar ist und zweitens dahinter auch Lösungen zusammen mit mir baut.
[00:18:57] Kim: Wenn wir noch mal auf das über die zwölf Stunden zum [00:19:00] Beispiel, äh, eingehen, dass man da einfach guckt, hey, also kein Kollege wird sauer sein, wenn er da 13 Stunden da ist, weil eben kurzfristig ’n Autounfall vielleicht aufm Weg zum Tagdienst passiert ist. Aber man merkt, ich werde hier begleitet und meine Ablöse ist auch ruckzuck quasi organisiert.
[00:19:21] Und einfach auch die Fachkompetenz, ähm, in der Rufbereitschaft, dass man auch da wieder nicht nur im Ausfallmanagement, sondern auch eben für unsere Kunden in Notfallsituationen da ist und zusammen dort auch Situationen bewertet und zusammen Entscheidungen trifft.
Rebecca: Ja, absolut. So, jetzt haben wir ja drüber gesprochen, feste Ansprechpartner, aber die funktionieren ja tatsächlich nicht, ohne dass sich da mehrere Zahnräder im Hintergrund drehen.
[00:19:47] Rebecca: Das ist ja echt so ’n Punkt, den ganz oft, äh, einfach, ja, ich glaub, der ist einfach nicht bewusst. Ich will nicht sagen, dass der über … Das ja gar nicht so, ähm, wenn ich jetzt alles sage, wa, dann sagen alle: „Ja, natürlich“, ne? Aber da ist ja ’n [00:20:00] Riesenverwaltungstrakt tatsächlich hinten dran. Du bist ja bei uns so der Innenminister und, ähm, hast ja auch die Verwaltung so bei dir, die dann natürlich nicht nur im Abrechnungsprozess ist, ja, weil das denken ja die Leute.
[00:20:11] Rebecca: Ja klar, Rechnungen schreiben, aber es gehören ja viel, viel mehr Stellschrauben dazu, damit tatsächlich Teamleitung, Fachbereichsleitung überhaupt feste Ansprechpartner sein können. Ähm, erzähl mal, was ist denn tatsächlich von dem Verwaltungstrakt? Ich glaube, so der ganze Verwaltungstrakt, das ist vielleicht noch mal sogar ’ne gesonderte Folge.
[00:20:31] Kim: Würd ich auch fast sagen.
Rebecca: Ne, weil’s ist schon viel und auch wichtig zu wissen, was vielleicht noch alles so im Hintergrund passiert. Aber sag’s noch mal so typisch, was du, ja, mitbekommst, wo Verwaltung nicht läuft, also wo Sch…, äh, Zahnräder sich nicht ineinander drehen, sondern du denkst, gleich fällt alles auseinander in ’ne Mühle.
[00:20:52] Kim: Na ja, es geht ganz einfach los mit’m Verordnungsmanagement.
Rebecca: Oh ja, spannendes Thema.
Kim: Wenn das nicht läuft, ähm, das ist unsere [00:21:00] Grundlage als Fachkräfte, überhaupt irgendeine Tätigkeit am, am Kunden, ähm, machen zu dürfen. Alles andere ohne Verordnung zu arbeiten, ist eine Körperverletzung. Anders kann man das gar nicht sagen.
[00:21:11] Und der für mich jetzt vielleicht eher nicht so wichtigere Punkt, aber trotzdem wichtig: Man darf auch keine Leistungen eben abrechnen, die Fachkräfte dann erbringen.
Rebecca: Ja. Und was man auch sagen muss, also ich möcht dich jetzt nicht unterbrechen, du bist ja im Flow, aber man muss auch dazu sagen, das Verordnungsmanagement in der AKI hat sich ja auch mit dem E-Break einfach so, na ja, angezogen und es ist auch so unübersichtlich geworden, dass ich finde, Angehörige, die Laien sind, die nicht viel Ahnung haben, vielleicht auch noch mit dem Haus- und Hofarzt, der das tatsächlich einfach auch schon Jahre macht, aus gut will, weil er den Menschen von vor dem Schicksalsschlag, vor der Erkrankung einfach auch schon betreut hat.
[00:21:51] Rebecca: Dieses Verordnungsmanagement, was Kassen oder auch Verbände jetzt fordern, ist einfach, ja, ohne Pflegedienst, glaub ich, gar [00:22:00] nicht richtig zu schaffen, weil dann aufgrund von ’nem Formfehler.
Kim: Man braucht einen Profi. Wir reden, wir reden hier von zwei Ärzten, die du für eine vollständige Verordnung brauchst, die beide die Q-Qualifikationen dafür erbringen müssen.
[00:22:14] Es kann einfach nicht jeder Hausarzt die, diese Verordnungen ausstellen und diese Verordnungen müssen so genau geschrieben sein, dass ich als Fachkraft einfach weiß, was ich zu tun habe, was ich darf und was ich nicht darf.
Rebecca: Ja, auch dass der Anspruch überhaupt anerkannt wird von der Krankenkasse. Ein Kreuz falsch und ich hab ’ne Ablehnung und muss dann wieder ganz, ganz viel Bürokratie und hinterher sein, dass ich meinen Anspruch überhaupt zurückbekomme, ne.
[00:22:39] Kim: Definitiv.
Rebecca: Aber du merkst, es gibt noch ’ne Folge, ne. Also .
Kim: Ich hätt auch Lust, mit dir noch weiter zu quatschen. Macht richtig Spaß.
Rebecca: Ja, aber was gibt’s noch außer Verordnungsmanagement? Da gibt’s ja tatsächlich noch viel mehr.
Kim: Ja, das Riesenthema Abrechnung, ähm, haben wir im Hintergrund laufen. Ähm, zu den Verordnungen gehören eben, haben wir schon ’n bisschen [00:23:00] angesprochen, eben die Genehmigung, grundsätzlich die Kranken-Krankenkassenkommunikation, ähm, MD-Begleitung Mhm.
[00:23:10] Kim: Ja, das ist so die quasi versteckte Arbeit der Verwaltung im Hintergrund, die so keiner richtig sieht, aber total wichtig ist.
Rebecca: Ja. Was total oft vergessen wird, ist so’s, ähm, das Case Management, also die Case Manager.
Kim: Oh, stimmt, hab ich auch gar nicht dran gedacht.
Rebecca: Ja, siehste. Guter Innenminister bist du. Ja, tatsächlich die Erstgespräche fahren, die die Kunden beraten in allererster Linie, die auch, ähm, einfach mal vielleicht ’n bisschen, äh, mit den Krankenkassen die Korrespondenz auch am Anfang übernehmen, grad bei Neuversorgung.
[00:23:36] Rebecca: Das ist ja auch immer so’n Thema. Das ist auch ’n riesen Zahnrad, was gedreht werden muss, damit überhaupt was funktionieren kann.
Kim: Beratung ist das Stichwort.
Rebecca: Ja, und da find ich, ist ’ne Red Flag tatsächlich dieser klassische, ähm, Vorwerkvertreter, ohne Vorwerk nennen zu wollen, ähm, der so Klinken putzt, aber sich überhaupt keine Zeit nimmt, hinter den Menschen, hinter die Angehörigen zu schauen.
Kim: [00:24:00] Du meinst so quasi wie so Professionarbeit?
Rebecca: Ja, Vertriebler in der Pflege. Find ich ganz schwierig, ähm, weil es, es geht immer um ’nen Menschen, es geht immer um ’ne Familie, es geht immer um ’ne Erkrankung oder einen Schicksalsschlag. Das ist in der Intensivpflege gang und gäbe. Es sind ganz verschiedene Cliente und ich finde, da kannst du kein Vertriebsskript nehmen.
[00:24:21] Rebecca: Und du solltest immer schauen, was ist das Individuelle und das Gute für die Versorgung.
Kim: Definitiv. Ich denke aber, das er…, äh, besprechen wir noch mal in ’ner separaten Folge.
Rebecca: Ja, auf jeden Fall. Okay, also jetzt muss ich mal tatsächlich, ich wende mich wieder an euch. Wir sind nämlich zum Ende gekommen und ich muss jetzt tatsächlich, ähnlich wie beim Patrick, da immer was vorlesen, und zwar: Ich soll euch erst mal drauf hinweisen, dass es ganz wichtig ist, dass ihr kommentiert und uns teilt, damit das weiter funktioniert.
[00:24:50] Rebecca: Aber ich möchte euch auch für eure Zeit danken, dass ihr uns zugehört habt. T…, äh, da geht auch das Dank natürlich an dich, Kim. Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast und-
Kim: Vielen Dank, dass ich da sein durfte.
Rebecca: [00:25:00] Oh, das hast du super gemacht. Ist auch leicht warm hier, gell?
Kim: Leicht.
Rebecca: Ja. Ähm, wir sind auf jeden Fall in der nächsten Folge wieder für euch da und da würden wir einfach noch mal den Verwaltungstrakt noch ’n bisschen aufsplitten, damit ihr genau wisst, welche Zahnräder sich drehen müssen, damit ein Pflegedienst eine gute außerklinische Intensivpflege bieten kann.
[00:25:20] Rebecca: Wir wünschen euch bis dahin ein kühles Wetter und sehen uns und hören uns bald.
Das wird euer Gehalt kosten! (#03)
Ab dem 1. Januar 2027 soll ein Gesetz in Kraft treten, das die Pflegebranche grundlegend verändert. Das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz bedeutet: Krankenkassen müssen Tariflöhne in der Pflege nicht mehr vollständig refinanzieren. Pflegedienste, Pflegeheime und Intensivpflegeeinrichtungen können dadurch die Gehälter, die Pflegekräfte heute verdienen, nicht mehr zahlen. Der Fachkräftemangel in der Pflege wird damit dramatisch schlimmer.
Kremer Intensiv, der Podcast für außerklinische Intensivpflege. Für Pflegekräfte, Angehörige und Betroffene, die mehr wollen als Standard. Denn Intensivpflege bedeutet Verantwortung, Druck und oft den Kampf um Lebensqualität. Wir sprechen offen über das, was andere verschweigen. Über Probleme, Lösungen und echte Erfahrungen.
Herzlich willkommen zum Kremer-Podcast. Ehrlich, direkt und auf den Punkt. Herzlich willkommen zu unserer neuen Podcast-Folge Kremer Intensiv. Heute geht es um ein sehr spannendes Thema, was aber auch genauso traurig ist. Dieses Thema drehe ich heute alleine ab. Ich werde viel ablesen müssen, weil ich hier Gesetzestexte auch vorstellen werde und Dinge ansprechen werde, die ich mir so nicht merken kann.
Also verzeiht es mir. Es geht darum: Still und heimlich passiert gerade in der Politik etwas, was viele nicht mitbekommen und was in meinen Augen eine absolute Schande ist, was wir ansprechen müssen. Mit der Gesundheitsreform, die gerade in vollem Gange ist, gibt es die einen oder anderen Themen, über die die Öffentlichkeit spricht.
Da geht es vor allem um das Thema Familienversicherung oder Kürzungen. Es werden Sachen gemacht wie: Älteren Menschen wird der Zugang zur Pflege erschwert. Es ist eine brutale Reform, die jetzt gemacht wird, und es wird in meinen Augen absolut an den falschen Menschen gespart. Aber es gibt in dieser Reform so ein paar Texte, die dafür sorgen, dass Pflegekräfte in Zukunft, ja schlechter verdienen werden.
Das wird die Quintessenz, das wird die Folge dieses Gesetzes sein. Also nochmal wir sind im Jahr 2026. Wir hatten zu einem gewissen Punkt verstanden, dass Pflegekräfte besser vergütet werden müssen – und genau das soll jetzt mit diesem auf uns zukommenden Gesetz verabschiedet werden. Ich muss euch leider sagen: Es ist heute der 2. Juni 2026. Ich habe mich gerade noch mal komplett in die aktuelle Gesetzeslage reingelesen und ich bin der Überzeugung, dass es durchgeht. Das ist furchtbar. Ich möchte euch da bisschen abholen.
Im Jahr 2021 hatten wir das Gesundheitsvorsorge-Weiterentwicklungsgesetz – kurz GVWG – auch Tariftreuegesetz. Was hat dieses Tariftreuegesetz gebracht? Man hat geschaut, wie zahlen tarifgebundene Pflegeeinrichtungen in Deutschland. Sei das ein Kirchentarif, Diakonie, alle Tarife, TVÖD, wurden auf einen Haufen geworfen und dann wurde geguckt, wie ist der Durchschnitt aus diesen Vergütungen.
Was verdienen Pflegekräfte da? Daraus wurde ein Mittelmaß gefunden und danach mussten sich Pflegeeinrichtungen und auch heute noch müssen sich Pflegeeinrichtungen halten, die mussten sich danach orientieren. Wie zum Beispiel vergüten nach dem regional üblichen Entgeltniveau. Das heißt, das Durchschnittliche von TVÖD, Diakonie, Caritas und was es so für Verträge gibt, haben wir für Uns und können dann in dieser Range die Gehälter unserer Mitarbeiter bezahlen.
Dieses GVWG, dieses Tariftreuegesetz, ist eines der besten Gesetze, die es jemals für den Pflegeberuf gab, für Pflegekräfte gab. Es hat dafür gesorgt, dass Pflegekräfte echt viel, viel besser verdienen – sogar so weit, dass keine dreijährige Ausbildung, die man machen kann, nach Abschluss genauso gut vergütet wird wie die Pflegekraft.
Der Elektriker oder welcher Beruf auch immer mit einer dreijährigen Ausbildung verdient nicht so viel wie in der Pflege. Pflege hat sich dadurch massiv gewandelt. Das wurde zur Zulassungsvoraussetzung: Das bedeutet, seit dem 1. September 2022 darf man keinen Pflegedienst mehr gründen und keinen Kassenvertrag mehr bekommen, wenn man diese Gehälter nicht bezahlt. Extrem gut, extrem richtig, extrem wichtig. Wurde jahrelang erkämpft, vor Gericht durchgesetzt. Hat also extrem was gebracht.
Die klare Bedeutung: Die Löhne konnten von Krankenkassen, die machen sowas nämlich recht gerne und probieren da irgendwelche Gelder zu sparen. Konnten nicht mehr nach unten verhandelt werden.
Was kommt aber jetzt? Jetzt kommt das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz. Es geht darum, dass Beiträge, von Zahlern, sprich von Arbeitnehmern oder zum größtenteils von Arbeitsnehmern, dass die Beiträge die an die GKV an die Krankenversicherung stabilisiert werden sollen. Und es wird klar entschieden: Diese Tariflöhne müssen nicht mehr vollständig von Kostenträgern refinanziert werden.
Das bedeutet: Pflegedienste bekommen vorgegeben, ihr habt das uns das Gehalt zu bezahlen – ob nach Tarif, regionalem Entgeltniveau oder wie auch immer.
Das war ein gutes Gesetz, das die schwarzen Schafe auf dem Markt aufgeräumt hat und dafür gesorgt hat, dass Pflegedienste wirklich gut vergüten. Und jetzt kommt ganz klar: Die Krankenkassen bezahlen das nicht mehr.
Das bedeutet also, das ist so traurig, dass ich da lachen muss. Es ist wirklich krank. Es ist einfach nur Wahnsinn. Das bedeutet: Stellt euch vor, eine Pflegekraft bekommt ein durchschnittliches Gehalt von 26 oder 27 Euro. Die Kasse muss Stand heute dieses Gehalt eins zu eins refinanzieren. Wenn wir sogar sagen: „Okay, wir zahlen der Pflegekraft lieber 27,00 Euro oder 27,20 Euro“ – bis zu zehn Prozent darüber musste der Kostenträger oder die Pflegekasse das refinanzieren.
Ganz einfach: Gehalt wird gezahlt. Wir Pflegedienste und Pflegeheime rechnen die erbrachten Leistungen mit der Kranken- oder Pflegekasse ab und geben das Geld an unsere Mitarbeiter weiter. So hat es zu laufen, so läuft es, so ist es richtig. Und jetzt wird einfach gesagt: „Ja, ihr habt das weiterzuzahlen, aber wir refinanzieren das nicht mehr.“
Das heißt: Mit diesem Gesetzesentwurf wird das Gehalt von Pflegekräften nicht nur total angegriffen. In meinen Augen wird der Beruf der Pflege komplett in den Schatten gestellt. Die Aussage, die da getroffen wird, ist: Ihr seid es nicht wert. Ihr seid es nicht wert, liebe Pflegekräfte, so viel Geld zu verdienen.
Das ist eines der schlimmsten Gesetze, das mir in den letzten Jahren untergekommen ist. Es wird dazu kommen, dass Pflegeeinrichtungen, Pflegedienste, Pflegeheime, Krankenhäuser die guten Gehälter für Pflegekräfte nicht mehr zahlen werden, weil es nicht mehr refinanziert wird.
Klar geht es da um Paragraf 132a im Bereich der häuslichen Krankenpflege und Paragraf 132L SGB V im Bereich der außerklinischen Intensivpflege. Die werden geändert und diese Pflicht zur vollständigen Tarifrefinanzierung entfällt ersatzlos.
Diese Obergrenze, die dann eingefügt wird, wie hoch man gehen darf, wird sogar noch gesenkt. Die Politik rechnet selbst mit millionenhohen Einsparungen dadurch. Aber es kann nicht sein, dass Krankenkassen, die ein großes Finanzierungsproblem haben, das jetzt auf Pflegekräften auslassen.
Pflegekräften wird das Geld genommen, um andere Sachen zu refinanzieren – um schlechte Finanzpolitik oder Fehlwirtschaft auszugleichen. Wird jetzt an Pflegekräften gespart. Und es wird hier von denen genommen, die jahrelang und auch weiterhin wirklich schlecht refinanziert werden. Es wird jetzt hier auch kein Bonus gestrichen.
Es geht nicht darum, dass ein Pflegedienst auf die Idee kommt, Pflegekräften 40 Euro die Stunde und 400 Prozent Zuschläge zu zahlen und das von der Krankenkasse refinanziert haben will. Das wäre utopisch. Wir brauchen Wirtschaftlichkeit. Was bezahlbares. Aber: Wenn Pflegedienste in Zukunft einfach nur Tarifgehälter zahlen wollen – eine gute, normale, auskömmliche, ordentliche Vergütung für Pflegekräfte schaffen wollen – kriegen sie das nicht mehr bezahlt.
Es geht hier um den Grundlohn. Nichts anderes. Die logische Konsequenz: Die Tariflöhne werden nicht refinanziert, die Träger können sie nicht mehr bezahlen. Pflegekräfte werden schlechter bezahlt und verlassen den Beruf. Der Fachkräftemangel wird noch viel, viel schlimmer.
Vor allem im Bereich der außerklinischen Intensivpflege ist das ein riesiges Thema, das uns alle betrifft. Wir sparen hier auf Kosten der Pflegekräfte – und das ist absolut unfair.
Zusammenfassung: Der Gesetzesentwurf zur Beitragsstabilisierung sieht vor, dass die Tariflöhne, die Pflegekräfte bekommen, nicht mehr in voller Höhe refinanziert werden müssen. Die verantwortlichen Politiker gehen direkt an das Gehalt von Pflegekräften – vor allem in der außerklinischen Intensivpflege.
Ich sage es euch heute, am 2. Juni 2026: Das Ding ist ernst. Es wird jetzt kommen. Es tritt am 1. Januar 2027 in Kraft.
Wenn ihr jetzt könnt, dann schreit auf! Wenn ihr jetzt könnt, dann macht etwas dagegen. Seid laut und sagt, dass es so nicht funktioniert. Ideen dazu.
Am 10. Juni findet eine Demo in Hannover am Platz der Menschenrechte statt, wo Verdi und andere vor der Gesundheitsministerkonferenz demonstrieren. Es gibt eine erste Lesung am 12. Juni im Bundestag, die solltet ihr vielleicht ein bisschen verfolgen! Am 22. Juni ist eine Anhörung. Dann zieht sich die Politik in die Sommerpause zurück. Aber es ist gerade der absolute Wunsch, dieses Gesetz noch vor der Sommerpause durchzuziehen.
Was könnt ihr noch machen? Schaut auf www.bundestag.de nach den Bundestagsabgeordneten in eurem Wohnortbereich. Wenn ihr dann zum Beispiel wie Hammersbach 63546 eingebt, seht ihr wer ist der Bundestagsabgeordnete für euren Bereich.
Schreibt eine E-Mail! Es gibt ganz viele vorgefertigte Mails. Schreibt da wirklich hin und sagt: geht nicht! Unterschreibt Petitionen – zum Beispiel auf pflegewächter.de. Teilt diesen Podcast, diese Folge! Schickt diese Folge an Pflegekräfte und ich möchte euch nochmal sagen, es wird euch gerade euer Gehalt genommen. Ihr werdet 2027 nicht mehr so gut verdienen wie heute. Es wird nicht mehr die Steigerung geben, die es gab. Es wird jetzt auf Kosten der Pflegekräfte gespart – und da müssen wir jetzt gemeinsam aufschreien. Wir müssen jetzt gemeinsam wirklich dafür sorgen, dass das nicht passieren kann. Ich sage das nicht nur als Unternehmer, sondern vor allem auch als Krankenpfleger. Und das trifft mich tief.
Dieses Gefühl, du machst als Pflegefachkraft deine Arbeit wirklich gut. Du kennst die ganzen Rahmenbedingungen, die du trotzdem durchziehst: Schichtdienst, Einspringen, wirklich teilweise starke Belastungen. Und das Erste, an dem jetzt gespart werden soll, bist du. Das sind wir Pflegekräfte. Und das darf einfach nicht still an uns vorbeigehen.
Helft jetzt mit! Teilt dieses Video, diesen Podcast. Unterschreibt die Petition. Seid laut. Schreibt euren Bundestagsabgeordneten an. Macht jetzt alles, was ihr tun könnt, denn vielleicht kriegt man diese Kuh noch vom Eis.
Kurze Pause für euch. Und jetzt noch mal: Helft mit, teilt und danke, dass ihr heute so fleißig zugehört habt. Danke, dass ihr euch diesen Podcast angehört habt. Teilt ihn, kommentiert, was ihr davon haltet und ich bin gespannt, was da jetzt noch kommt. Dankeschön.
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Ein Ratgeber für Angehörige und Pflegekräfte in der außerklinischen Intensivpflege. Es erklärt Rechte, deckt Missstände auf und zeigt, wie man gute von schlechter Versorgung unterscheidet.
Intensivpflege, die nicht im Krankenhaus stattfindet, sondern zu Hause. Betroffene sind schwer pflegebedürftige Menschen, die dauerhaft auf Fachpersonal angewiesen sind.
Angehörige, die rund um die Uhr für einen Intensivpatienten da sind, stellen ihr eigenes Leben komplett zurück. Keine Arbeit, kein Urlaub, keine sozialen Kontakte. Das Buch zeigt, wie man das verhindert und welche finanziellen Hilfen es gibt.
Nein. Kein Pflegedienst darf von einer Krankenkasse vorgegeben oder auch nur empfohlen werden. Passiert trotzdem häufig.