„Kremer Intensiv –
Der Podcast
für außerklinische
Intensivpflege“
Expertenwissen, Erfahrungen aus der Praxis und Antworten auf häufige Fragen rund um die außerklinische Intensivpflege gibt es im “Kremer Intensiv”–Podcast. Für Pflegekräfte, Angehörige und Betroffene, die mehr wollen als Standard. Denn Intensivpflege bedeutet Verantwortung, Druck und oft den Kampf um Lebensqualität. Wir sprechen offen über das, was andere verschweigen, über Probleme, Lösungen und echte Erfahrungen. Herzlich willkommen zum Kremer Podcast. Ehrlich, direkt und auf den Punkt.
Woran erkennst du einen guten Pflegedienst in der Intensivpflege?
In dieser Folge von Kremer Intensiv, dem Podcast von Pflegedienst Kremer für außerklinische Intensivpflege, geht es um ein Thema, das über Vertrauen und Sicherheit entscheidet: den festen Ansprechpartner.
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Woran erkennst du einen guten Pflegedienst in der Intensivpflege? (#05)
In dieser Folge von Kremer Intensiv, dem Podcast von Pflegedienst Kremer für außerklinische Intensivpflege, geht es um ein Thema, das über Vertrauen und Sicherheit entscheidet: den festen Ansprechpartner.
[00:00:00] Kremer Intensiv, der Podcast für außerklinische Intensivpflege. Für Pflegekräfte, Angehörige und Betroffene, die mehr wollen als Standard. Denn Intensivpflege bedeutet Verantwortung, Druck und oft den Kampf um Lebensqualität. Wir sprechen offen über das, was andere verschweigen. Über Probleme, Lösungen und echte Erfahrungen.
[00:00:22] Herzlich willkommen zum Kremer-Podcast. Ehrlich, direkt und auf den Punkt.
Rebecca: Herzlich willkommen zu unserer neuen Podcast-Folge von Kremer Intensiv. Heute mit ’nem ganz spannenden Thema, und zwar festen Ansprechpartnern in der außerklinischen Intensivpflege. Mein Name ist Rebecca, ich bin die Betriebsleitung unserer außerklinischen Intensivpflege und damit ihr da ein bisschen Abwechslung heute habt, hab ich den Kim, meinen Stellvertreter dabei.
[00:00:47] Rebecca: Der Kim hat tatsächlich alle Positionen durchlaufen, von der Fachkraft am Patientenbett über die Rolle der Fachbereichsleitung und ist jetzt die stellvertretende Betriebsleitung und ich freu mich sehr, dass du das heute mit mir machst.
Kim: Ja, vielen Dank, dass [00:01:00] ich hier sein darf. Ich freu mich auch sehr, dass ich mit dir über dieses spannende Thema reden darf.
[00:01:04] Rebecca: Ja, schön, dass du’s eingerichtet hast. Feste Ansprechpartner. Kim, was sagst du dazu?
Kim: Ja, unabdingbar. Es gibt, gibt für mich keinen Grund, dass es, äh, keinen festen Ansprechpartner gibt.
Rebecca: Wie siehst du’s in der Realität?
Kim: Die Realität ist tatsächlich schwierig. Also ich bin in vielen Bewerbungsgesprächen und viel draußen, begleite Teams, die mir ganz, ganz oft Eben das nicht sagen.
[00:01:34] Die sagen, die sind nicht begleitet. Führungskraft seit ’nem halben Jahr nicht mehr gehört, nicht mehr gesehen.
Rebecca: ‚N halbes Jahr?
Kim: Halbes Jahr Minimum.
Rebecca: Oh, das ist natürlich schon ’ne Hausnummer, ne. Ich musste grad an deine Aufnahme denken, die du jetzt so vor vier, fünf, sechs Wochen gemacht hast. Ähm, die kleine Maus, die jetzt ihre ersten Schritte gemacht hatte.
[00:01:53] Rebecca: Da hattest du ja auch gesagt, die Eltern, die haben sich eigentlich so gefreut, dass sie einfach jemanden haben, wo sie wissen, ähm, der ist jetzt für mich [00:02:00] zuständig. Also ist das nicht der Standard, dass scheinbar Angehörige oder auch Patienten wissen, an wen sie sich wenden dürfen.
Kim: Nein, tatsächlich überhaupt nicht.
[00:02:08] Kim: Also, ähm, ich bin dort hingekommen und ja, hab mich ’n bisschen überraschen lassen, was mich da erwartet und, ähm, die Mutter war total toll, total offen und hat auch sofort mit mir offen darüber gesprochen, was sie erwartet. Sie möchte wieder arbeiten gehen können, ohne dass sie Angst hat, dass ihre kleine Tochter eben nicht versorgt ist.
[00:02:31] Kim: Und das konnte sie mit dem, ähm, anderen Pflegedienst einfach nicht leisten. Also der Arbeitgeber hat tatsächlich einfach gesagt: „Hier, es tut mir leid. Menschlich passt du super in mein Team, du machst einen super Job, aber dein Pflegedienst ist, ja, nicht so stabil, dass ich dich hier weiter beschäftigen kann und das kann nicht tatsächlich auf die Kosten von meinem Team und meinem Unternehmen gehen.“
[00:02:53] Rebecca: Ja, Wahnsinn. Also tatsächlich, da hängt dann auch ’ne ganze Existenz ja eigentlich auch dran. ‚N Riesenstück Normalität, dass man auch trotz [00:03:00] intensivpflichtigem Kind noch mal arbeiten gehen kann und es hängt am Ende an diesem festen Ansprechpartner. Wir haben das ja bei uns im Unternehmen relativ einfach und simpel strukturiert, damit die Ebenen einfach flach sind und dass immer jeder weiß, an wen wende ich mich.
[00:03:15] Rebecca: Fallen dir denn so typische, ja so, ich sag mal so Red Flags ein, die tatsächlich dafür sprechen, dass ’n Pflegedienst keine Strukturen hat und dass man keinen festen Ansprechpartner findet? Also grade so für Angehörige und für die Kunden selber.
Kim: Ja, definitiv. Also es muss von Anfang an klar sein, wer ist denn mein Ansprechpartner in der Versorgung.
[00:03:37] Kim: Also das heißt, wer ist mein Team? Wer gehört zu meinem Team? Ja. In diesem Team, wer ist meine Teamleitung? Der Drahtzieher zwischen, ja, dem Team, den Angehörigen, aber auch dem Büro. Ähm, und dann haben wir im Büro tatsächlich noch einmal, ja, die PDL, die Fachbereichsleitung, wie wir sie nennen, ähm, die einfach [00:04:00] ganz klar kommuniziert sein muss: Wie erreiche ich sie?
[00:04:02] Kim: Wer ist es? Und, äh, dass du man, dass man sie eben auch erreicht.
Rebecca: Ja. Was ist da für dich noch so auffällig? Also wir haben ja oftmals Übernahmen, wo wir gehört haben, wir hatten noch niemals ’n festen Ansprechpartner und das ist eigentlich das, was wir uns am meisten auch wünschen, dass wir wissen, wo wenden wir uns hin, wenn wir Hilfe brauchen oder auch Bedarf haben zum Reden.
[00:04:21] Ähm, was ist da noch so in deinem Kopf, was du so miterlebt hast über Aufnahmen oder auch Erstgespräche?
Kim: Ja, tatsächlich, ähm, sind die Angehörigen sehr genervt davon, Situationen immer und immer und immer wieder neu erklären zu müssen, ähm, jedes Mal tief auszuholen, sondern die möchten einen festen Ansprechpartner einfach haben für sich, der die Situation, um die Situation weiß, um die Situation des Kunden, die Situation des Teams, aber auch die Situation der Angehörigen, ohne sich stetig mit stundenlangen Telefonaten erklären zu müssen, sondern zu sagen: „Hey, [00:05:00] das ist die Situation und welche Lösung finden wir dafür?“
[00:05:03] Das ist der Wunsch von Kunden und von Angehörigen in der außerklinischen Intensivpflege und das findet oft einfach nicht statt.
Rebecca: Ja. ‚Ne richtige Red Flag für mich ist auch tatsächlich, wenn man zwar weiß, wer sein Ansprechpartner ist, also man kennt ihn namentlich, aber man erreicht ihn nicht, man hat ihn noch nie gesehen.
[00:05:18] Gibt’s einfach nicht. Also ich sag mal, diesen Alibi-Fake-Ansprechpartner fürs Papier, das find ich tatsächlich noch fast schlimmer, als wenn Strukturen vielleicht einfach noch nicht so richtig optimiert worden sind.
Kim: Ja, Klassiker ist tatsächlich so bei Aufnahme einmal vorbeigefahren, Gesicht gezeigt. „Hier, ähm, wenn was ist, melden Sie sich gerne.“
[00:05:37] Und dann nie wieder gesehen, nie wieder gehört und vor allen Dingen nie wieder erreicht. Geht gar nicht.
Rebecca: Wie ist es tatsächlich, ähm- Das weiß ich gar nicht, ob das so häufig in der Praxis ist. Ich weiß nur, dass wir viel Wert drauf legen, wenn die Ansprechpartner in den Urlaub gehen oder vielleicht auch mal erkranken, dass einfach ’ne Vertretungsregelung gesetzt ist und dass aber auch die Vertretung weiß, was eigentlich in den Versorgungen passiert ist, [00:06:00] in den, ähm, zwischenmenschlichen Beziehungen und, und, und.
[00:06:03] Rebecca: Dass einfach, falls der Kunde oder der Angehörige Bedarf hat zu sprechen, dass nicht kommt: „Oh, ich weiß gar nichts von ihrer Situation. Da muss ich mich erst mal beraten lassen oder ich muss mich reinfuchsen.“ Das ist ja auch immer sehr schlimm, wenn man von A nach B geschoben wird. Ich denk da immer so an Baumarkt: „Ist nicht meine Abteilung“, ja.
[00:06:19] Rebecca: Dann muss man’s halt mal zu seiner Abteilung machen. Ist das auch gang und gäbe oder?
Kim: Leider ja. Ähm, ich erkenne aber da tatsächlich, äh, also es geht total einfach. Man muss sich einfach strukturiert eine Übergabe machen und dann funktioniert das auch einfach. Wir hatten jetzt grade den, das Beispiel, dass, ähm, ja, die kleine Maus, die du angesprochen hast, tatsächlich beziehungsweise die Mutter braucht Hilfe, um Hilfsmittel für die Krankenkasse zu beantragen.
[00:06:50] Und dort hatten wir jetzt grade diese Urlaubsübergabe, wo dann einfach ganz klar strukturiert gesagt wurde: Wir haben der Mutter, äh, geholfen bei dem [00:07:00] Widerspruch, da Tipps gegeben, was einfach medizinisch notwendig für die Kleine ist. Und das wurde ganz klar an die Vertretungsregelung, an die, an die nächste Fachbereichsleitung weitergegeben, dass sie einfach weiß: „Hey, okay, die Mama, die wurde hier schon unterstützt und wenn irgendeine Frage noch aufkommt, grade der medizinischen Natur, dann stehen wir da, beraten und helfen einfach.“
[00:07:21] Rebecca: Ja, ich sage ja auch immer, ähm, ’ne gute FBL oder ein guter Ansprechpartner, der ruft ja an, bevor eigentlich die Familie anruft. Also das ist so ’ne typische Green Flag, würd ich sagen. Also man bietet den Hilfsbedarf an, obwohl er vielleicht noch gar nicht kommuniziert wurde, weil man halt einfach seinen Ansprechpartner kennt, weil ’ne regelmäßige Kommunikation stattfindet.
[00:07:39] Rebecca: Was ist denn für dich so absolut Green Flag? Also wenn jetzt jemand zuhört und sagt: „Oh, ich hab mich schon wiedererkannt in den Red Flags“, aber vielleicht gibt’s ja auch jemand, der sich gut betreut fühlt, im besten Fall. Ähm, was ist für dich typisch grün? Was sollte ein Pflegeunternehmen mit festen Ansprechpartnern auf jeden Fall vorweisen können, damit man sagt: [00:08:00] „Super.“
[00:08:00] Kim: Also an dieser Stelle will ich einfach mal sagen, ich lob mich jetzt nicht hier in den Himmel, aber ich red aus meiner eigenen Erfahrung. Und zwar ist es einfach dieses von Aufnahme bis, ja, bis weiter, bis alles durchläuft, einfach derselbe Ansprechpartner da ist. Man fährt dorthin, man stellt sich vor, das Team lernt einen kennen, die Angehörigen lernen einen kennen und vor allen Dingen ganz wichtig: Der Kunde selbst, der Patient selbst lernt einen kennen.
[00:08:25] Kim: Und dann bleibt man in der Folge auch, ja, einfach da als Ansprechpartner, als Fachbereichsleitung und ist auch in aller Regelmäßigkeit da. Sei es die Teamsitzung, die regelmäßig stattfinden muss, das einfache Telefonat: „Hier, wie geht’s? Ist alles in Ordnung? Gibt’s Situationen, über die wir sprechen müssen, wo wir Lösungen finden müssen?“
[00:08:46] Ähm, absolut Green Flag, quasi eine Person zuständig für alles und man weiß auch, ähm, wie ich, wie man sie erreicht und dass man sie erreicht.
Rebeca: Okay, wollen wir zusammenfassen, Kim? Wir fassen zusammen. Wir fassen zusammen. [00:09:00] Also klassische Red Flags sind tatsächlich: Ich kenne meinen Ansprechpartner gar nicht.
[00:09:03] Rebecca: Er wechselt permanent, so gefühlt monatlich, vielleicht auch wöchentlich. Ja. Dann hab ich, ähm, immer wieder den oder die Pflicht, mich zu erklären. Ich muss immer wieder meine Situation erklären. Ich muss sagen, wer ich bin, von wem ich vielleicht der Angehörige bin, welcher Kunde ich bin und ja, hab vielleicht mal den, der mal irgendwann für mich auserkoren war, am Anfang meiner Versorgung gesehen und die festen Ansprechpartner, wo wir sagen, ist ’ne grüne Flagge, sollte man beibehalten, darf man weiter so machen.
[00:09:32] Rebecca: Die bieten die Hilfe an, bevor der Bedarf überhaupt bewusst ist, sind einfach vorhanden, sind auch nicht nur am Aufnahmetag da, sind regelmäßig in ihren Versorgungen und erreichbar vor allem. Also das auch. Da ist auch einfach ’ne Verpflichtung da, dass man als Pflegedienst 24/7 für seine Kunden, für die Angehörigen von den Kunden, aber auch, es fällt auch die Über, der Übergang zum nächsten Thema für feste Ansprechpartner, für die Mitarbeiter erreichbar ist.
[00:09:59] Rebecca: [00:10:00] Also ’ne 24/7-Rufbereitschaft ist keine, ähm, Kür, das ist ’ne Pflicht.
Kim: Ja, tatsächlich. Also Man verpflichtet sich als Pflegedienst, 24 Stunden erreichbar zu sein und nicht, weil’s am Ende darum geht, irgendwie Mitarbeiter ’ne Rufbereitschaft zu geben und die zu nerven oder so, sondern einfach, weil wir jemanden an der Leitung brauchen, falls unsere Kunden, unsere Angehörigen oder unsere Teams eben Unterstützung benötigen in schwierigen Situationen.
[00:10:28] Und da ist es vollkommen egal, ob es das Ausfallmanagement ist oder dann auch tatsächlich wirklich ’ne, ’ne Situation, wo’s dem Kunden nicht gut geht, wo sich die Pflegefachkraft einfach vielleicht auch noch mal bei ihrer Führungskraft diese Sicherheit holen muss: „Okay, ich bin die Vitalzeichen durchgegangen und jetzt weisen wir zum Beispiel ins Krankenhaus ein.“
[00:10:47] Oder: „Nein, wir packen die Situation auch zu Hause zu überwachen.“
Rebecca: Ja, also tatsächlich grad in der Eins-zu-eins-Pflege, man ist ja einfach manchmal auch abhängig von ’ner zweiten Meinung und wenn ’n Kunde alleine lebt ohne die Angehörigen, find ich’s immer ganz [00:11:00] schön, dass man vielleicht noch mal, bevor man den Notruf absetzen muss oder ’n ärztlichen Bereitschaftsdienst, auch einfach noch mal jemanden, der auch den Kunden ja kennt, einfach erreichen kann.
[00:11:09] Rebecca: Also da geh ich jetzt wirklich von uns aus, wo unsere Fachbereichsleitungen die Rufbereitschaft haben. Die Kunden sind bekannt, ja, und man kann sich einfach noch mal rückversichern, was ich persönlich sehr, sehr angenehm finde.
Kim: Und trotzdem bleibt die Meinung auch noch mal eine objektive. Ja. Unsere Teams sind sehr, sehr nah an dem Geschehen, jeden Tag bei unseren, bei unseren Kunden, bei unseren Patienten.
[00:11:27] Und die Fachbereichsleitung, sie kennt ihn, aber sie kann’s objektiv bewerten, ohne da jetzt Emotionen oder zu viel Emotion reinzugeben.
Rebecca: Absolut. Ich denk da jetzt auch so an klassische Beispiele. Also du führst ja auch Bewerbungsgespräche und gar nicht wenig, würd ich behaupten. Ähm, ich weiß gar nicht, wie oft ich jetzt schon in der Zeit, wo ich das mache, gehört habe: „Ja, dann hab ich 36 Stunden gesessen, weil ich halt niemanden erreicht habe.“
[00:11:51] Rebecca: Oder 24 Stunden. Also alles ist schon schlimm, alles, was über zwölf hinausgeht. Aber wie siehst du das?
Kim: Wie ich das sehe? Zum Glück hör ich das nicht [00:12:00] ganz so häufig, wie du das jetzt beschreibst. Ähm, und da bin ich auch froh drum, weil’s einfach nicht erlaubt ist und wir müssen darüber einfach sprechen, 36 Stunden zuständig zu sein.
[00:12:11] Kim: Je-jede Minute kann irgend ’ne lebensbedrohliche Situation eintreffen und du musst in der Lage sein zu reagieren als Fachkraft. Und das kann mir keiner erzählen, dass du das nach 36 Stunden, auch nach 24 noch kannst.
Rebecca: Nee, und da auch ganz, äh, der Appell an alle Mitarbeiter, ähm, und alle Pflegefachkräfte, die jetzt zuhören: Also es ist nicht normal, dass man über die zwölf Stunden hinaus arbeitet.
[00:12:33] Rebecca: Es ist verboten, ne. Das ist einfach gefährlich. Also es ist gefährlich für einen selber, es ist super gefährlich für die Kunden, die wir betreuen. Da müssen wir auch nicht drüber sprechen, welche gesundheitlichen Zustände tatsächlich ja da auch sehr spontan auftreten können. Und man muss, wie du sagst, immer reagieren können.
[00:12:50] Kim: Ja, das ist nicht zu diskutieren. Da gibt’s … Eigentlich schade, dass wir überhaupt so was in unseren Bewerbungsgesprächen hören und auch heute darüber sprechen müssen.
Rebecca: Ja, ich [00:13:00] hab auch manchmal das Gefühl, dass tatsächlich grade so in dem, äh, Sektor von den Teams ganz häufig das ist: Lieber mal schweigen, als, ähm, da irgendwie unangenehm aufzufallen.
[00:13:11] Rebecca: Also ich glaube, das ist ’ne Kultur, die häufig bei schlechten Arbeitgebern einfach so gelebt wird, dass es lieber totgeschwiegen wird, als dass jemand, äh, seine Meinung oder auch seinen Hilfebedarf äußern darf, weil er vielleicht auch nicht diesen Ansprechpartner hat, wo er sich hinwenden kann mit ’n bisschen Vertrauen.
[00:13:26] Rebecca: Ähm, sag mir doch mal, wie’s ’n Guter machen würde.
Kim: Ja, am Ende gibt’s da kein Erfolgsrezept, weil es ist das Wort Vertrauen. Also das Team, ist egal wer, es, es muss Vertrauen sein. Das Team muss dir vertrauen, die Teamleitung muss dir vertrauen, die Angehörigen und die Kunden müssen dir vertrauen. Und dann werden die auch, ja, wenn sie Hilfe brauchen, werden sie auf dich zukommen als Fachbereichsleitung.
[00:13:54] Und ich kann nur aus meiner Erfahrung sagen, es ist ’n unglaublich tolles Gefühl, wenn sie, [00:14:00] wenn man einfach so selbst merkt: Oh, das, das, das ist so ’ne, ja, prägnante Situation und die Kunden und die Teams kommen aber trotzdem auf einen zu und haben keine Angst, dich um Hilfe zu fragen.
Rebecca: Ja, einfach wenn die Pflegekräfte sich trauen, sich zu melden, ne.
[00:14:18] Rebecca: Also ich find das auch immer schon ’n schönes Zeichen, dass einfach so ’n Vertrauensbasis da ist, dass ich mich melden kann, weil ich weiß, wer ist mein Ansprechpartner und wo wende ich mich auch hin. Und das geht ja auch mit ’ner offenen Fehlerkultur auch oft mit ein und ich finde, das ist eigentlich ’n grundsolider Stein, diesen festen Ansprechpartner in den Teams zu haben, damit überhaupt ’ne gute Versorgung stattfinden kann.
[00:14:42] Kim: Ja, definitiv. Also, ähm, als erster Ansprechpartner m-muss da definitiv bei den Teams ’ne Teamleitung integriert sein, die situativ total integriert ist in die Versorgung. Und, ähm, als nächsten Step muss das Vertrauen einfach zur Fachbereichsleitung da sein, sich [00:15:00] jederzeit melden können. Ja. Schlauer Mann hat mal zu mir gesagt: „Wo gehobelt wird, fallen auch Späne.“
[00:15:05] Rebecca: Ja, den schlauen Mann kenn ich auch tatsächlich, aber das ist auch vollkommen richtig und man muss auch sagen, ähm, wir haben da, sind ja gar nicht so drauf eingegangen für die Angehörigen und die Kunden, aber die Teamleitung als Ansprechpartner vor Ort zu haben, das ist, glaub ich, einer der größten Hebel und auch wirklich Gold wert, weil die Teamleitung, also zumindest unsere Teamleitung, arbeiten auch aktiv in der Pflege mit und die können für die Ansprechsituationen, die auftreten können, die die Versorgung betreffen, die den Kunden betreffen, die aber auch vielleicht Teamunstimmigkeiten oder Stimmigkeiten betreffen, einfach viel, viel besser, ich sag mal, jonglieren, als vielleicht ’ne PDL oder ’ne Fachbereichsleitung aus dem Büro das kann.
[00:15:44] Rebecca: Die kann unterstützend tätig sein und der feste Ansprechpartner natürlich auch für diese Instanz sein, aber auf jeden Fall.
Kim: Ich denke auch, dass die Umsetzung bei schwierigen, aber du sprichst’s grade auch mal an, bei positiven Situationen einfach immer die Teamleitung hat, [00:16:00] denn sie ist vor Ort, die kann Situationen einschätzen und ist einfach nah dran.
[00:16:06] Und so fühlt sie natürlich auch, wenn’s in ’nem Team mal kriselt, aber fühlt auch: „Hey, jetzt grade läuft alles wirklich gut. Und ja, jetzt plan ich vielleicht auch einfach mal als Belohnung ’n Team-Event vielleicht.“
Rebecca: Ja, genau so muss es auch sein. Okay, wollen wir die Ansprechpartner zusammenfassen, die Green Flags und die Red Flags.
[00:16:24] Rebecca: Das darfst aber jetzt du mal übernehmen. Die Zuhörer wollen ja auch dich hören.
[00:16:31] Kim: Jawohl, das machen wir jetzt. Also wir haben gesagt, ähm, Arbeitgeber sind außerhalb der Bürozeiten nicht zu erreichen. Absolute Red Flag, geht überhaupt nicht. Fachbereichsleitung muss jederzeit erreichbar sein. Wir haben über die Bewerbungsgespräche gesprochen und über, ja, Dienstübernahmen über 36 Stunden haben wir auch gesagt, brauchen wir gar nicht zu diskutieren.
[00:16:58] Rebecca: Also da noch mal ganz [00:17:00] kurz nur alles, was über die zwölf Stunden hinausgeht. Wir reden nicht davon, dass ’ne Kollegin vielleicht sich, äh, beim Auto bei der Schichtwechsel irgendwie ’n Bein bricht und man jetzt schnell den Ersatz organisieren muss. Genau für so was gibt’s natürlich eine Rufbereitschaft, die man alarmieren kann und dann auch gucken muss, wie, ähm, geht es jetzt einfach weiter.
[00:17:17] Aber dann hab ich meinen Ansprechpartner, der das mit mir koordiniert in dem Einzelfall. Ja, aber alles, was über zwölf hinausgeht, nicht die 36 sind ja das, was immer bei mir so prägnant im Kopf ist, weil ich das zwei, drei Mal erlebt hab, wo Leute im Bewerbungsgespräch einfach geweint haben, also weil die einfach so drüber waren.
[00:17:33] Kim: Und das waren gute Pflegefachkräfte, die heute nicht mehr da sein. Ein Glück. Ein Glück. Okay, weiter.
Kim: Genau, da können wir genau anknüpfen, weil danach haben wir noch drüber gesprochen, dass das Vertrauen einfach da sein muss oder wenn das Vertrauen eben nicht da ist, sich an seine Teamleitung oder seine Fachbereichsleitung zu wenden.
[00:17:52] Kim: Absolute Red Flag. Nur sprechenden Menschen kann man helfen, aber wenn diese Menschen kein Vertrauen zu den Führungskräften haben, [00:18:00] zu den höheren Strukturen, dann funktioniert’s einfach nicht.
Rebecca: Das stimmt. Also eigentlich so’n Leitspruch bei uns in der Intensivpflege, gell. Nur sprechenden Menschen kann geholfen werden.
[00:18:10] Rebecca: Ist auch grade mit außerklinisch ja auch verbunden, weil die Distanz zwischen Versorgung und Büro, man hat ja nicht immer die Kristallkugel aufm Tisch, die einem sagt, wie grade die Situation auch ist und da brauchst du genau das, feste Ansprechpartner, Strukturen und es funktioniert.
Kim: Und am Ende die Re, äh, die Green Flags kann man jetzt per se einfach rumdrehen.
[00:18:29] Rebecca: Mach mal, weil wir wollen ja auch was Positives haben.
Kim: Perfekt. Ich als Pflegefachkraft traue mich, an, an meine Führungskraft zu wenden, ähm, Probleme zu schildern und vielleicht auch Probleme, die ’n bisschen privaterer Natur sind, ähm, als das für gewöhnlich ist, wenn das Vertrauen groß ist. Wir haben eine 24/7, ja, besetzte Rufbereitschaft, die erstens erreichbar ist und zweitens dahinter auch Lösungen zusammen mit mir baut.
[00:18:57] Kim: Wenn wir noch mal auf das über die zwölf Stunden zum [00:19:00] Beispiel, äh, eingehen, dass man da einfach guckt, hey, also kein Kollege wird sauer sein, wenn er da 13 Stunden da ist, weil eben kurzfristig ’n Autounfall vielleicht aufm Weg zum Tagdienst passiert ist. Aber man merkt, ich werde hier begleitet und meine Ablöse ist auch ruckzuck quasi organisiert.
[00:19:21] Und einfach auch die Fachkompetenz, ähm, in der Rufbereitschaft, dass man auch da wieder nicht nur im Ausfallmanagement, sondern auch eben für unsere Kunden in Notfallsituationen da ist und zusammen dort auch Situationen bewertet und zusammen Entscheidungen trifft.
Rebecca: Ja, absolut. So, jetzt haben wir ja drüber gesprochen, feste Ansprechpartner, aber die funktionieren ja tatsächlich nicht, ohne dass sich da mehrere Zahnräder im Hintergrund drehen.
[00:19:47] Rebecca: Das ist ja echt so ’n Punkt, den ganz oft, äh, einfach, ja, ich glaub, der ist einfach nicht bewusst. Ich will nicht sagen, dass der über … Das ja gar nicht so, ähm, wenn ich jetzt alles sage, wa, dann sagen alle: „Ja, natürlich“, ne? Aber da ist ja ’n [00:20:00] Riesenverwaltungstrakt tatsächlich hinten dran. Du bist ja bei uns so der Innenminister und, ähm, hast ja auch die Verwaltung so bei dir, die dann natürlich nicht nur im Abrechnungsprozess ist, ja, weil das denken ja die Leute.
[00:20:11] Rebecca: Ja klar, Rechnungen schreiben, aber es gehören ja viel, viel mehr Stellschrauben dazu, damit tatsächlich Teamleitung, Fachbereichsleitung überhaupt feste Ansprechpartner sein können. Ähm, erzähl mal, was ist denn tatsächlich von dem Verwaltungstrakt? Ich glaube, so der ganze Verwaltungstrakt, das ist vielleicht noch mal sogar ’ne gesonderte Folge.
[00:20:31] Kim: Würd ich auch fast sagen.
Rebecca: Ne, weil’s ist schon viel und auch wichtig zu wissen, was vielleicht noch alles so im Hintergrund passiert. Aber sag’s noch mal so typisch, was du, ja, mitbekommst, wo Verwaltung nicht läuft, also wo Sch…, äh, Zahnräder sich nicht ineinander drehen, sondern du denkst, gleich fällt alles auseinander in ’ne Mühle.
[00:20:52] Kim: Na ja, es geht ganz einfach los mit’m Verordnungsmanagement.
Rebecca: Oh ja, spannendes Thema.
Kim: Wenn das nicht läuft, ähm, das ist unsere [00:21:00] Grundlage als Fachkräfte, überhaupt irgendeine Tätigkeit am, am Kunden, ähm, machen zu dürfen. Alles andere ohne Verordnung zu arbeiten, ist eine Körperverletzung. Anders kann man das gar nicht sagen.
[00:21:11] Und der für mich jetzt vielleicht eher nicht so wichtigere Punkt, aber trotzdem wichtig: Man darf auch keine Leistungen eben abrechnen, die Fachkräfte dann erbringen.
Rebecca: Ja. Und was man auch sagen muss, also ich möcht dich jetzt nicht unterbrechen, du bist ja im Flow, aber man muss auch dazu sagen, das Verordnungsmanagement in der AKI hat sich ja auch mit dem E-Break einfach so, na ja, angezogen und es ist auch so unübersichtlich geworden, dass ich finde, Angehörige, die Laien sind, die nicht viel Ahnung haben, vielleicht auch noch mit dem Haus- und Hofarzt, der das tatsächlich einfach auch schon Jahre macht, aus gut will, weil er den Menschen von vor dem Schicksalsschlag, vor der Erkrankung einfach auch schon betreut hat.
[00:21:51] Rebecca: Dieses Verordnungsmanagement, was Kassen oder auch Verbände jetzt fordern, ist einfach, ja, ohne Pflegedienst, glaub ich, gar [00:22:00] nicht richtig zu schaffen, weil dann aufgrund von ’nem Formfehler.
Kim: Man braucht einen Profi. Wir reden, wir reden hier von zwei Ärzten, die du für eine vollständige Verordnung brauchst, die beide die Q-Qualifikationen dafür erbringen müssen.
[00:22:14] Es kann einfach nicht jeder Hausarzt die, diese Verordnungen ausstellen und diese Verordnungen müssen so genau geschrieben sein, dass ich als Fachkraft einfach weiß, was ich zu tun habe, was ich darf und was ich nicht darf.
Rebecca: Ja, auch dass der Anspruch überhaupt anerkannt wird von der Krankenkasse. Ein Kreuz falsch und ich hab ’ne Ablehnung und muss dann wieder ganz, ganz viel Bürokratie und hinterher sein, dass ich meinen Anspruch überhaupt zurückbekomme, ne.
[00:22:39] Kim: Definitiv.
Rebecca: Aber du merkst, es gibt noch ’ne Folge, ne. Also .
Kim: Ich hätt auch Lust, mit dir noch weiter zu quatschen. Macht richtig Spaß.
Rebecca: Ja, aber was gibt’s noch außer Verordnungsmanagement? Da gibt’s ja tatsächlich noch viel mehr.
Kim: Ja, das Riesenthema Abrechnung, ähm, haben wir im Hintergrund laufen. Ähm, zu den Verordnungen gehören eben, haben wir schon ’n bisschen [00:23:00] angesprochen, eben die Genehmigung, grundsätzlich die Kranken-Krankenkassenkommunikation, ähm, MD-Begleitung Mhm.
[00:23:10] Kim: Ja, das ist so die quasi versteckte Arbeit der Verwaltung im Hintergrund, die so keiner richtig sieht, aber total wichtig ist.
Rebecca: Ja. Was total oft vergessen wird, ist so’s, ähm, das Case Management, also die Case Manager.
Kim: Oh, stimmt, hab ich auch gar nicht dran gedacht.
Rebecca: Ja, siehste. Guter Innenminister bist du. Ja, tatsächlich die Erstgespräche fahren, die die Kunden beraten in allererster Linie, die auch, ähm, einfach mal vielleicht ’n bisschen, äh, mit den Krankenkassen die Korrespondenz auch am Anfang übernehmen, grad bei Neuversorgung.
[00:23:36] Rebecca: Das ist ja auch immer so’n Thema. Das ist auch ’n riesen Zahnrad, was gedreht werden muss, damit überhaupt was funktionieren kann.
Kim: Beratung ist das Stichwort.
Rebecca: Ja, und da find ich, ist ’ne Red Flag tatsächlich dieser klassische, ähm, Vorwerkvertreter, ohne Vorwerk nennen zu wollen, ähm, der so Klinken putzt, aber sich überhaupt keine Zeit nimmt, hinter den Menschen, hinter die Angehörigen zu schauen.
Kim: [00:24:00] Du meinst so quasi wie so Professionarbeit?
Rebecca: Ja, Vertriebler in der Pflege. Find ich ganz schwierig, ähm, weil es, es geht immer um ’nen Menschen, es geht immer um ’ne Familie, es geht immer um ’ne Erkrankung oder einen Schicksalsschlag. Das ist in der Intensivpflege gang und gäbe. Es sind ganz verschiedene Cliente und ich finde, da kannst du kein Vertriebsskript nehmen.
[00:24:21] Rebecca: Und du solltest immer schauen, was ist das Individuelle und das Gute für die Versorgung.
Kim: Definitiv. Ich denke aber, das er…, äh, besprechen wir noch mal in ’ner separaten Folge.
Rebecca: Ja, auf jeden Fall. Okay, also jetzt muss ich mal tatsächlich, ich wende mich wieder an euch. Wir sind nämlich zum Ende gekommen und ich muss jetzt tatsächlich, ähnlich wie beim Patrick, da immer was vorlesen, und zwar: Ich soll euch erst mal drauf hinweisen, dass es ganz wichtig ist, dass ihr kommentiert und uns teilt, damit das weiter funktioniert.
[00:24:50] Rebecca: Aber ich möchte euch auch für eure Zeit danken, dass ihr uns zugehört habt. T…, äh, da geht auch das Dank natürlich an dich, Kim. Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast und-
Kim: Vielen Dank, dass ich da sein durfte.
Rebecca: [00:25:00] Oh, das hast du super gemacht. Ist auch leicht warm hier, gell?
Kim: Leicht.
Rebecca: Ja. Ähm, wir sind auf jeden Fall in der nächsten Folge wieder für euch da und da würden wir einfach noch mal den Verwaltungstrakt noch ’n bisschen aufsplitten, damit ihr genau wisst, welche Zahnräder sich drehen müssen, damit ein Pflegedienst eine gute außerklinische Intensivpflege bieten kann.
[00:25:20] Rebecca: Wir wünschen euch bis dahin ein kühles Wetter und sehen uns und hören uns bald.
Am Limit: Klartext über Intensivpflege (#04)
Patrick Kremers Buch „Häusliche Intensivpflege am Limit" erscheint am 14. Juli. Doch was steckt eigentlich dahinter? Warum schreibt ein Pflegedienstgeschäftsführer ein Buch, das Juristen nervös macht und Dinge offenlegt, die in der Branche keiner laut sagen will?
[00:00:00]
Kremer Intensiv, der Podcast für außerklinische Intensivpflege. Für Pflegekräfte, Angehörige und Betroffene, die mehr wollen als Standard. Denn Intensivpflege bedeutet Verantwortung, Druck und oft den Kampf um Lebensqualität. Wir sprechen offen über das, was andere verschweigen. Über Probleme, Lösungen und echte Erfahrungen. Herzlich willkommen zum Kremer Podcast. Ehrlich, direkt und auf den Punkt.
Ungepflegt ehrlich unterwegs. Der Pflegepodcast auf Tour.
Stephan Thielen: Herzlich willkommen zu unserer neuen Podcast-Folge. Mein Name ist Stefan. Heute zu Gast…
Patrick Kremer: Moin zusammen, ich bin der Patrick. Ich bin Geschäftsführer unseres Familienunternehmen, der Pflegedienst Kremer GmbH und ich freue mich sehr auf den Podcast und vielen Dank auch für die Einladung.
Stephan Thielen: Ja, immer gerne. Heute befinden wir uns, in der Nähe von Frankfurt. Mir ist gestern Abend, aufgefallen, dass ich eine Einladung bekommen habe für eine Vorbestellung und das von deinem neuen Buch. [00:01:00] Und da wir hier in der Nähe waren, haben wir’s uns nicht nehmen lassen und haben dich direkt genervt, ob wir nicht vielleicht eine Podcast-Folge direkt hier von, vor Ort machen können.
Stephan Thielen: Häusliche Intensivpflege am Limit. Patrick, erzähl mal, wie bist du dazu gekommen, dass du so ein Buch schreibst und dann auch noch ’n Wälzer?
Patrick Kremer: Also erst mal muss ich so ’n bisschen noch zurückscrollen, gedanklich zu deinen Worten. Ja, ihr habt wirklich genervt gestern, aber ihr habt das echt gut gemacht, muss ich sagen.
Patrick Kremer: Also dass du da sonntags auf so ’ne Idee kommst: „Ich will jetzt morgen ’nen Podcast machen.“ Ja, und ich, das war echt, muss man sagen, schon gut. Ja, gefällt mir. Gute, gute Umsetzung von euch. Zu dem Buch: Wir machen das ja jetzt schon ziemlich lange und wir, also die außerklinische Intensivpflege, quasi seit 1990, schon meine Eltern.
Patrick Kremer: Und- Es sind eigentlich immer wieder dieselben Fragen, die Angehörige stellen. Es sind dieselben Herausforderungen, vor denen Angehörige stehen und ist dasselbe Leid, was man sieht, was wir immer wieder sehen. Und das sind dieselben Dinge, von [00:02:00] denen man aber auch immer sagen kann, hätte ein Angehöriger oder aber auch eine Pflegekraft, eine Pflegefachkraft, die in der außerklinischen Intensivpflege arbeitet, das vorher gewusst, hätte es ihr jemand gesagt, wären gewisse Herausforderungen und da reden wir wirklich von krassen Sachen bis hin zu, Straftaten, Gewalt, Betrug in der außerklinischen Intensivpflege.
Patrick Kremer: Hätte man Angehörigen und Pflegekräften das vorher gesagt, wäre vieles vielleicht nicht passiert und vieles besser geworden.
Stephan Thielen: Ja, ich sehe es ja immer so: ich bin ja eigentlich auch Pflegekraft, bin auch in der außerklinischen Intensivpflege groß geworden und muss dann immer sagen, ich sehe es immer von der anderen Seite. Wir sehen ja immer, wenn wir den Patienten erst versorgen, also das ganze Leid, was vorher passiert ist, oder Versorgungsengpässe, Pflegedienste, die Teams zusammenstellen, suchen, Personalsuche, was ja auch heutzutage auch für die Pflegedienste generell, große Herausforderung ist. Aber da gucken wir ja nicht hinter, sondern wir sehen ja immer ab dem Zeitpunkt, wo wir versorgen.
Stephan Thielen: Das Buch an sich [00:03:03] und, so wie du es erzählst, geht ja eigentlich noch mal einen Schritt eher in die Richtung der Angehörigen. Also das heißt ganz einfach: Notfall, der geht ins Krankenhaus, der Patient kommt nach Hause und nichts ist organisiert.
Patrick Kremer: Das ist typisch mittlerweile teilweise leider schon, ja. Ja. Aber auch Notfall in einer Intensivversorgung und keine Pflegefachkraft ist in der Lage, einen Notruf abzusetzen. Gibt’s ja auch ganz, ganz, ganz oft. Und wenn du auch als Krankenpfleger einen Intensivpatienten in der außerklinischen Intensivpflege berätst, vollumfänglich mit allem, was dazugehört, mit dem Case Management, mit dem Entlassmanagement, mit dem Aufnahmemanagement und wirklich aber auch einen Pflegedienst vielleicht berätst, ja.
Patrick Kremer: Du hast ja mit tausenden oder mit, ja, tausenden Pflegediensten zu tun- dann wissen die, wie es funktioniert. Die Familie ist dann gut beraten. Der Patient ist es, der Pflegedienst ist gut beraten. Da hast du einem geholfen. Einem von tausenden. Und ich möchte und ich habe mir mit dem Buch das Ziel gesetzt: Ich möchte allen Intensivpatienten die Möglichkeit geben, [00:04:05] dass man ihnen helfen kann, dass sie also das Wissen haben, was sie brauchen, um ihre Intensivpflegeversorgung wirklich sicherzustellen, Qualität zu erkennen und, ihrem Liebsten da einfach das Beste geben zu können.
Stephan Thielen: Ich gucke jetzt auch immer auch deinen Podcast hier, ich glaube, Intensivpflege Kremer heißt der. Und-
Patrick Kremer: Kremer Intensiv heißt der.
Stephan Thielen: Kremer Intensivpflege. Und da, ich glaube, ich kann mich an die erste Folge erinnern, ging es über Überleitmanagement und das ist dann so. Wie lange, ist das mal für den Angehörigen?
Stephan Thielen: Was muss man denn für- Damit man eine gute Versorgung bekommt, die adäquat funktioniert. Und eigentlich wollen wir ja keine adäquaten Versorgen, sondern wir wollten im Best Case, dass die wirklich richtig gut aus dem Krankenhaus versorgt sind. Wie lange kann man da realistisch, hast du da eine Zeiteinschätzung?
Stephan Thielen: Wenn man gut vorbereitet ist, denke ich, wenn man, wenn man Personal hat, geht das, glaube ich, schnell. Ja, aber das ist jetzt auch nichts, was jetzt, regional ist, weil du arbeitest ja [00:05:08] auch, glaube ich, mit angrenzenden Bundesländern. Sind mittlerweile, glaube ich, acht Stück- Genau. -die an, an Hessen angrenzen. Also ihr habt ja einen Riesen-, Einzugsgebiet. wie, wie sieht, wie sieht’s da denn aus für die Angehörigen?
Patrick Kremer: Es kommt immer darauf an, wie es organisiert ist. Wenn Case Management perfektioniert in Prozessen und Systemen organisiert ist, dann, funktioniert es auch perfekt. Und was viele nicht wissen, seit auch dem unter anderem dem Expertenstandard zum Entlassmanagement, haben Angehörige auch ein gesetzlich, eine, ein Recht darauf, auf ein ordentliches Entlassmanagement.
Patrick Kremer: Und Kliniken und auch Pflegedienste sind auch dazu verpflichtet und vertraglich sogar dazu verpflichtet. Wenn so ein Case Management richtig läuft und es wirklich perfekt ist, kann es auch mal schnell gehen mit so einer Krankenhausentlassung. Die Qualität ist aber die, die zählt. Und der Angehörige hat auch das Recht zu sagen: „Nee, ich möchte jetzt nicht innerhalb von zwei Wochen hier mit irgendeinem Pflegedienst nach [00:06:11] Hause entlassen werden.“
Patrick Kremer: Hauptsache, er ist zu Hause. Er kann auch sagen: „Nee, ich möchte den und den Pflegedienst.“ Und es dauert halt länger, ja. ihr sitzt ja mit der Dipa oben in, in NRW. Und wenn jetzt, dort ein Intensivpatient ist und der sagt: „Ich möchte jetzt nicht den Pflegedienst aus Hamm, sondern ich möchte ihn aus Dortmund“, oder wie auch immer, hat der Angehörige und hat der Patient das Recht darauf.
Patrick Kremer: Und ja, Recruiting, wie du sagst, kein Pflegedienst hat irgendwie das Personal rumstehen, was nur darauf wartet, dass jemand anruft und sagt: „Ihr müsst jetzt arbeiten.“ Aber es gibt da gewisse Tricks, auf die man, auf die Angehörige achten sollten und die auch Pflegedienste umsetzen können, dass Recruiting perfektioniert, funktionieren. Genau so was ist in dem Buch beschrieben.
Stephan Thielen: Okay. Geht’s in dem Buch, ich hoffe, dass es bald rauskommt, weil, die Spannung steigt natürlich mit-
Patrick Kremer: 17. Juli ist Stand jetzt.
Stephan Thielen: 17. Juli. Das ist gut. Dann weiß ich, dass ich meinen Briefkasten auf jeden Fall mal gut, beobachte, ob’s dann auch, reingeschmissen wird.
Patrick Kremer: Also tatsächlich, um da mal reinzucrashen, dieses Buch [00:07:13] musste wirklich, von mehreren Juristen verschiedener Fachabteilungen natürlich einmal das Fachliche, auch das Sozialrecht, aber auch, noch ganz andere Themen geprüft werden, bevor es rausdurfte. Und es gab auch den einen oder anderen Jurist, der gesagt hat, „Herr Kremer, schreiben Sie diese Seite nicht so, das könnte Probleme geben.“
Patrick Kremer: Und wir haben’s jetzt trotzdem so gemacht und deswegen hat’s auch ziemlich verzögert, ja. Okay, es ist auf jeden Fall, ich freue mich drauf. In deinem Buch, gibt’s da ein Kapitel über Angehörigen und, wie die Angehörigen damit umgehen können. warum war dir das so wichtig?
Patrick Kremer: Angehörige verbrennen, um’s mal so ganz plump zu sagen, in so Situationen, teilweise total.
Patrick Kremer: Und da gibt’s so ’ne Metapher oder so, so ’n Beispiel: Wenn du im Flugzeug– bist ja bestimmt schon im Flugzeug geflogen. Wenn dir dann in der Sicherheitsanweisung gesagt wird, setzen Sie die Sauerstoffmasken erst sich selbst auf, helfen Sie dann Kindern oder wie auch immer. Kennst du die Ansage? Ja, die kenne ich.
Patrick Kremer: Und genauso ist es auch [00:08:16] in der Pflege von Angehörigen. Die Sauerstoffmaske als Metapher für Angehörige müssen an sich selbst denken, um Energie zu haben, um Entlastung zu haben, um dieser Aufgabe überhaupt gerecht zu werden. Und viele Angehörige rutschen grade in der außerklinischen Intensivpflege in eine Co-Abhängigkeit.
Patrick Kremer: Die verlassen das Haus nicht mehr, die machen keinen Urlaub mehr, die gehen nicht mehr arbeiten. Dann kommen Ängste dazu, Rentenpunkte, finanzielle Sorgen, Partnerschaft, Familie wird alles hinten angestellt. Und es gibt aber Wege. Es gibt Wege und es gibt Lösungen. Und es gibt auch finanzielle Mittel für Angehörige, dass den, dass denen geholfen wird, bis hin zu Rentenpunkten, bis hin zu Entlastung.
Patrick Kremer: Und genau darüber, schreibe ich noch mal in dem Buch, dass Angehörige da wirklich, nicht zusammenbrechen. Und es gibt da ganz, ganz, ganz viel, was man machen kann, was aber auch vor allem mit einer guten außerklinischen Intensivpflege einhergeht, also was aber auch mit der Wahl des richtigen Pflegedienstes einhergeht, dass Angehörige wirklich genau wissen: Auf welchen Portalen kann ich schauen?
Patrick Kremer: Die Krankenkassen [00:09:18] stellen da ja Portale auch zur Verfügung. Der medizinische Dienst hat zum Teil Portale, auf denen man schauen kann, wie entscheidet denn ein Angehöriger, welchen Pflegedienst soll ich nehmen?
Patrick Kremer: Welcher Pflegedienst ist wirklich gut, qualitativ gut? Um daraus dann einfach jemanden zu haben, der ihn entlastet, weil es soll keine Last sein.
Stephan Thielen: Also quasi die ganze Flut an Informationen, die zur Verfügung gestellt werden, zu kanalisieren. Also, seh, sehe ich das richtig, dass dein Buch ein Wegweiser dafür ist, auch zu wissen, an wen ich mich direkt wenden kann. Oftmals ja der Pflegedienst. Pflegedienste haben ja generell auch ein wirtschaftliches Interesse, das muss man auch dazu sagen. Aber, viele helfen auch, viele wissen’s aber manchmal auch nicht.
Patrick Kremer: Wirtschaftliches Interesse von Pflegediensten, hast du vollkommen recht. Genau so was schreibe ich aber auch offen hier rein. Ich schreibe hier drin sogar offen über Zahlen, über Stundensätze, über Stundensätze von Pflegediensten. Das war auch ein Thema, wo der ein oder andere Anwalt gesagt hat: „Lass es.“ Ich mach’s trotzdem, um da genau mal offenzulegen: wie wird das vergütet? Wie sieht das denn überhaupt aus? Was hat ein Angehöriger da [00:10:20] überhaupt so aber auch für Rechte? Und bin da auch mal ganz transparent, ja, genau diese Themen auch anzusprechen.
Stephan Thielen: Okay, ist eher generell Finanzierung eh ein großes Thema? Das ist aber noch mal ein anderen Podcast. Also da, kann man ja, reihenweise Podcast davon füllen. Also, hier, wie gesagt, immer noch, einfach gespannt darauf. Auch Zahlen ist auch immer interessant. Gut, wir sind jetzt im Thema, also wir kriegen schon viele Zahlen genannt und wir wissen auch, in welche Richtung es geht.
Stephan Thielen: Aber für den Angehörigen ja auch ganz einfach: Es ist ja nicht nur einfach ein Pflegedienst, sondern, da kommen ja Menschen, Fachkräfte gut ausgebildet, das kostet ja natürlich auch. Also ist ja auch-
Patrick Kremer: Meistens. Also meistens kommen Fachkräfte hin, meistens sind die gut ausgebildet. Teilweise sind sie’s aber auch nicht.
Patrick Kremer: Teilweise haben sie, haben die Leute nicht mal ein Examen. Also wir sprechen hier immer noch von extremen Betrugsfällen in Deutschland, in der außerklinischen Intensivpflege, die ein Angehöriger halt erkennt, die er überhaupt gar nicht erkennen kann. Und, auch so was, genau so was schreibe ich. [00:11:24] Und das ist diese Offenheit, von der ich auch immer spreche und die mir wichtig ist bei diesem Buch, Dinge anzusprechen, die sonst einfach keiner anspricht. Weil es gibt genug, Handbücher, die Fachlichkeit abbilden, auch das von euch. Das ist einfach extrem gut, bezogen auf die reine Fachlichkeit der außerklinischen Intensivpflege. Ich möchte das Ganze beleuchten, das Drumherum. und genau das steht dann dort so drin.
Stephan Thielen: Patrick, ein, großer Teil deines Buches, ist der medizinische Dienst und der Krankenkasse. Was hast du da drin denn über die Krankenkassen und den medizinischen Dienst oder besser gesagt der Dschungel, durch den man nicht durchschauen kann, mit in dein Buch gebracht?
Patrick Kremer: Hm. Viel.
Patrick Kremer: Abrechnungsbetrug in Milliardenhöhe. Offengelegt mit Kriminalstatistiken und ich schreibe auch zum Thema Krankenkasse und MD das, was keiner schreibt, weil sich’s keiner traut. Wie oft kommt der medizinische Dienst in so ’ne Intensivversorgung? Weißt du das auswendig? Oder wie oft prüft er den Pflegedienst? Also wenn’s keine Anlassprüfung ist, [00:12:31] einmal im Jahr- Korrekt. -woche laufend. Korrekt.
Patrick Kremer: Also Momentaufnahmen, ja. Ja. Mal ganz kurze Momentaufnahmen. Und ich spreche hier wirklich über Themen wie Handgeld, Patientenhandel, Abrechnungsbetrug. Ich spreche aber auch über die Rechte oder ich schreibe über die Rechte, die Angehörige haben. Ein Angehöriger oder der, Vorsorge– oder der, der Betreuungsbevollmächtigte hat dauerhaft ein Recht auf die Dokumentation, die Dokumentation einzusehen, die Dokumentation in Kopie zu bekommen. Genauso wie Themen, keine Krankenkasse darf einem Angehörigen oder einem Intensivpatienten den Pflegedienst vorgeben.
Patrick Kremer: Nicht mal empfehlen. Überhaupt nicht. Passiert aber ganz oft. Schreibe ich auch genauso da rein und, wird vielen ganz, ganz, unschön aufstoßen. Ich schreibe auch über Fristen. Wie lange hat eine Krankenkasse Zeit zu reagieren, bevor Angehörige ganz anders handeln dürfen? Bis hin zu, ich hole mir jetzt die, Pflegekräfte, die [00:13:31] ich möchte und ihr zahlt das in einem Erstattungsverfahren über Fristen, die eingehalten werden müssen durch den medizinischen Dienst, über Themen wie Potenzialerhebung. Ja, ich bin da schon ziemlich offen, schreib da auch kritisch über Krankenkassen. Das sind ja nur die Kostenträger. Mehr Rechte sind da jetzt groß gar nicht zu nennen. Das sind ja nur die, die bezahlen.
Patrick Kremer: Leider ist es aber in der Realität oft so, dass es anders dargestellt wird und auch anders gefühlt wird. Genauso auch bei dem medizinischen Dienst.
Stephan Thielen: Okay. Also das auf jeden Fall … Also ich bin nach wie vor gespannt.
Patrick Kremer: Kannst du sein. Kannst du sein. Also ich schreib da wirklich mal ganz offen rein und ich werde mir dadurch sehr viele Feinde schaffen und das ist vollkommen in Ordnung.
Stephan Thielen: Okay. Erst mal vielen Dank, dass du da warst, dass du über dein Buch gesprochen hast und auch hier, ich halt’s noch mal in die Kamera. Also wenn ihr Interesse habt, bestellt es euch vor. Wir haben uns das alle oder besser gesagt, ich habe es mir vorbestellt und, kann es [00:14:34] nur weiterempfehlen. Und, wenn es raus ist, hoffe ich ganz einfach, dass wir noch eine Podcast-Folge machen und gehen dann näher in die Materie und dann gucken wir mal, was du da, erzeugt hast. Sagen wir’s mal so.
Patrick Kremer: Sehr gerne. Vielen Dank, dass ich da sein durfte. Freue mich auf das Ergebnis. Alles klar. Danke schön.
Ungepflegt ehrlich unterwegs. Der Pflegepodcast auf Tour.
Das wird euer Gehalt kosten! (#03)
Ab dem 1. Januar 2027 soll ein Gesetz in Kraft treten, das die Pflegebranche grundlegend verändert. Das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz bedeutet: Krankenkassen müssen Tariflöhne in der Pflege nicht mehr vollständig refinanzieren. Pflegedienste, Pflegeheime und Intensivpflegeeinrichtungen können dadurch die Gehälter, die Pflegekräfte heute verdienen, nicht mehr zahlen. Der Fachkräftemangel in der Pflege wird damit dramatisch schlimmer.
Kremer Intensiv, der Podcast für außerklinische Intensivpflege. Für Pflegekräfte, Angehörige und Betroffene, die mehr wollen als Standard. Denn Intensivpflege bedeutet Verantwortung, Druck und oft den Kampf um Lebensqualität. Wir sprechen offen über das, was andere verschweigen. Über Probleme, Lösungen und echte Erfahrungen.
Herzlich willkommen zum Kremer-Podcast. Ehrlich, direkt und auf den Punkt. Herzlich willkommen zu unserer neuen Podcast-Folge Kremer Intensiv. Heute geht es um ein sehr spannendes Thema, was aber auch genauso traurig ist. Dieses Thema drehe ich heute alleine ab. Ich werde viel ablesen müssen, weil ich hier Gesetzestexte auch vorstellen werde und Dinge ansprechen werde, die ich mir so nicht merken kann.
Also verzeiht es mir. Es geht darum: Still und heimlich passiert gerade in der Politik etwas, was viele nicht mitbekommen und was in meinen Augen eine absolute Schande ist, was wir ansprechen müssen. Mit der Gesundheitsreform, die gerade in vollem Gange ist, gibt es die einen oder anderen Themen, über die die Öffentlichkeit spricht.
Da geht es vor allem um das Thema Familienversicherung oder Kürzungen. Es werden Sachen gemacht wie: Älteren Menschen wird der Zugang zur Pflege erschwert. Es ist eine brutale Reform, die jetzt gemacht wird, und es wird in meinen Augen absolut an den falschen Menschen gespart. Aber es gibt in dieser Reform so ein paar Texte, die dafür sorgen, dass Pflegekräfte in Zukunft, ja schlechter verdienen werden.
Das wird die Quintessenz, das wird die Folge dieses Gesetzes sein. Also nochmal wir sind im Jahr 2026. Wir hatten zu einem gewissen Punkt verstanden, dass Pflegekräfte besser vergütet werden müssen – und genau das soll jetzt mit diesem auf uns zukommenden Gesetz verabschiedet werden. Ich muss euch leider sagen: Es ist heute der 2. Juni 2026. Ich habe mich gerade noch mal komplett in die aktuelle Gesetzeslage reingelesen und ich bin der Überzeugung, dass es durchgeht. Das ist furchtbar. Ich möchte euch da bisschen abholen.
Im Jahr 2021 hatten wir das Gesundheitsvorsorge-Weiterentwicklungsgesetz – kurz GVWG – auch Tariftreuegesetz. Was hat dieses Tariftreuegesetz gebracht? Man hat geschaut, wie zahlen tarifgebundene Pflegeeinrichtungen in Deutschland. Sei das ein Kirchentarif, Diakonie, alle Tarife, TVÖD, wurden auf einen Haufen geworfen und dann wurde geguckt, wie ist der Durchschnitt aus diesen Vergütungen.
Was verdienen Pflegekräfte da? Daraus wurde ein Mittelmaß gefunden und danach mussten sich Pflegeeinrichtungen und auch heute noch müssen sich Pflegeeinrichtungen halten, die mussten sich danach orientieren. Wie zum Beispiel vergüten nach dem regional üblichen Entgeltniveau. Das heißt, das Durchschnittliche von TVÖD, Diakonie, Caritas und was es so für Verträge gibt, haben wir für Uns und können dann in dieser Range die Gehälter unserer Mitarbeiter bezahlen.
Dieses GVWG, dieses Tariftreuegesetz, ist eines der besten Gesetze, die es jemals für den Pflegeberuf gab, für Pflegekräfte gab. Es hat dafür gesorgt, dass Pflegekräfte echt viel, viel besser verdienen – sogar so weit, dass keine dreijährige Ausbildung, die man machen kann, nach Abschluss genauso gut vergütet wird wie die Pflegekraft.
Der Elektriker oder welcher Beruf auch immer mit einer dreijährigen Ausbildung verdient nicht so viel wie in der Pflege. Pflege hat sich dadurch massiv gewandelt. Das wurde zur Zulassungsvoraussetzung: Das bedeutet, seit dem 1. September 2022 darf man keinen Pflegedienst mehr gründen und keinen Kassenvertrag mehr bekommen, wenn man diese Gehälter nicht bezahlt. Extrem gut, extrem richtig, extrem wichtig. Wurde jahrelang erkämpft, vor Gericht durchgesetzt. Hat also extrem was gebracht.
Die klare Bedeutung: Die Löhne konnten von Krankenkassen, die machen sowas nämlich recht gerne und probieren da irgendwelche Gelder zu sparen. Konnten nicht mehr nach unten verhandelt werden.
Was kommt aber jetzt? Jetzt kommt das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz. Es geht darum, dass Beiträge, von Zahlern, sprich von Arbeitnehmern oder zum größtenteils von Arbeitsnehmern, dass die Beiträge die an die GKV an die Krankenversicherung stabilisiert werden sollen. Und es wird klar entschieden: Diese Tariflöhne müssen nicht mehr vollständig von Kostenträgern refinanziert werden.
Das bedeutet: Pflegedienste bekommen vorgegeben, ihr habt das uns das Gehalt zu bezahlen – ob nach Tarif, regionalem Entgeltniveau oder wie auch immer.
Das war ein gutes Gesetz, das die schwarzen Schafe auf dem Markt aufgeräumt hat und dafür gesorgt hat, dass Pflegedienste wirklich gut vergüten. Und jetzt kommt ganz klar: Die Krankenkassen bezahlen das nicht mehr.
Das bedeutet also, das ist so traurig, dass ich da lachen muss. Es ist wirklich krank. Es ist einfach nur Wahnsinn. Das bedeutet: Stellt euch vor, eine Pflegekraft bekommt ein durchschnittliches Gehalt von 26 oder 27 Euro. Die Kasse muss Stand heute dieses Gehalt eins zu eins refinanzieren. Wenn wir sogar sagen: „Okay, wir zahlen der Pflegekraft lieber 27,00 Euro oder 27,20 Euro“ – bis zu zehn Prozent darüber musste der Kostenträger oder die Pflegekasse das refinanzieren.
Ganz einfach: Gehalt wird gezahlt. Wir Pflegedienste und Pflegeheime rechnen die erbrachten Leistungen mit der Kranken- oder Pflegekasse ab und geben das Geld an unsere Mitarbeiter weiter. So hat es zu laufen, so läuft es, so ist es richtig. Und jetzt wird einfach gesagt: „Ja, ihr habt das weiterzuzahlen, aber wir refinanzieren das nicht mehr.“
Das heißt: Mit diesem Gesetzesentwurf wird das Gehalt von Pflegekräften nicht nur total angegriffen. In meinen Augen wird der Beruf der Pflege komplett in den Schatten gestellt. Die Aussage, die da getroffen wird, ist: Ihr seid es nicht wert. Ihr seid es nicht wert, liebe Pflegekräfte, so viel Geld zu verdienen.
Das ist eines der schlimmsten Gesetze, das mir in den letzten Jahren untergekommen ist. Es wird dazu kommen, dass Pflegeeinrichtungen, Pflegedienste, Pflegeheime, Krankenhäuser die guten Gehälter für Pflegekräfte nicht mehr zahlen werden, weil es nicht mehr refinanziert wird.
Klar geht es da um Paragraf 132a im Bereich der häuslichen Krankenpflege und Paragraf 132L SGB V im Bereich der außerklinischen Intensivpflege. Die werden geändert und diese Pflicht zur vollständigen Tarifrefinanzierung entfällt ersatzlos.
Diese Obergrenze, die dann eingefügt wird, wie hoch man gehen darf, wird sogar noch gesenkt. Die Politik rechnet selbst mit millionenhohen Einsparungen dadurch. Aber es kann nicht sein, dass Krankenkassen, die ein großes Finanzierungsproblem haben, das jetzt auf Pflegekräften auslassen.
Pflegekräften wird das Geld genommen, um andere Sachen zu refinanzieren – um schlechte Finanzpolitik oder Fehlwirtschaft auszugleichen. Wird jetzt an Pflegekräften gespart. Und es wird hier von denen genommen, die jahrelang und auch weiterhin wirklich schlecht refinanziert werden. Es wird jetzt hier auch kein Bonus gestrichen.
Es geht nicht darum, dass ein Pflegedienst auf die Idee kommt, Pflegekräften 40 Euro die Stunde und 400 Prozent Zuschläge zu zahlen und das von der Krankenkasse refinanziert haben will. Das wäre utopisch. Wir brauchen Wirtschaftlichkeit. Was bezahlbares. Aber: Wenn Pflegedienste in Zukunft einfach nur Tarifgehälter zahlen wollen – eine gute, normale, auskömmliche, ordentliche Vergütung für Pflegekräfte schaffen wollen – kriegen sie das nicht mehr bezahlt.
Es geht hier um den Grundlohn. Nichts anderes. Die logische Konsequenz: Die Tariflöhne werden nicht refinanziert, die Träger können sie nicht mehr bezahlen. Pflegekräfte werden schlechter bezahlt und verlassen den Beruf. Der Fachkräftemangel wird noch viel, viel schlimmer.
Vor allem im Bereich der außerklinischen Intensivpflege ist das ein riesiges Thema, das uns alle betrifft. Wir sparen hier auf Kosten der Pflegekräfte – und das ist absolut unfair.
Zusammenfassung: Der Gesetzesentwurf zur Beitragsstabilisierung sieht vor, dass die Tariflöhne, die Pflegekräfte bekommen, nicht mehr in voller Höhe refinanziert werden müssen. Die verantwortlichen Politiker gehen direkt an das Gehalt von Pflegekräften – vor allem in der außerklinischen Intensivpflege.
Ich sage es euch heute, am 2. Juni 2026: Das Ding ist ernst. Es wird jetzt kommen. Es tritt am 1. Januar 2027 in Kraft.
Wenn ihr jetzt könnt, dann schreit auf! Wenn ihr jetzt könnt, dann macht etwas dagegen. Seid laut und sagt, dass es so nicht funktioniert. Ideen dazu.
Am 10. Juni findet eine Demo in Hannover am Platz der Menschenrechte statt, wo Verdi und andere vor der Gesundheitsministerkonferenz demonstrieren. Es gibt eine erste Lesung am 12. Juni im Bundestag, die solltet ihr vielleicht ein bisschen verfolgen! Am 22. Juni ist eine Anhörung. Dann zieht sich die Politik in die Sommerpause zurück. Aber es ist gerade der absolute Wunsch, dieses Gesetz noch vor der Sommerpause durchzuziehen.
Was könnt ihr noch machen? Schaut auf www.bundestag.de nach den Bundestagsabgeordneten in eurem Wohnortbereich. Wenn ihr dann zum Beispiel wie Hammersbach 63546 eingebt, seht ihr wer ist der Bundestagsabgeordnete für euren Bereich.
Schreibt eine E-Mail! Es gibt ganz viele vorgefertigte Mails. Schreibt da wirklich hin und sagt: geht nicht! Unterschreibt Petitionen – zum Beispiel auf pflegewächter.de. Teilt diesen Podcast, diese Folge! Schickt diese Folge an Pflegekräfte und ich möchte euch nochmal sagen, es wird euch gerade euer Gehalt genommen. Ihr werdet 2027 nicht mehr so gut verdienen wie heute. Es wird nicht mehr die Steigerung geben, die es gab. Es wird jetzt auf Kosten der Pflegekräfte gespart – und da müssen wir jetzt gemeinsam aufschreien. Wir müssen jetzt gemeinsam wirklich dafür sorgen, dass das nicht passieren kann. Ich sage das nicht nur als Unternehmer, sondern vor allem auch als Krankenpfleger. Und das trifft mich tief.
Dieses Gefühl, du machst als Pflegefachkraft deine Arbeit wirklich gut. Du kennst die ganzen Rahmenbedingungen, die du trotzdem durchziehst: Schichtdienst, Einspringen, wirklich teilweise starke Belastungen. Und das Erste, an dem jetzt gespart werden soll, bist du. Das sind wir Pflegekräfte. Und das darf einfach nicht still an uns vorbeigehen.
Helft jetzt mit! Teilt dieses Video, diesen Podcast. Unterschreibt die Petition. Seid laut. Schreibt euren Bundestagsabgeordneten an. Macht jetzt alles, was ihr tun könnt, denn vielleicht kriegt man diese Kuh noch vom Eis.
Kurze Pause für euch. Und jetzt noch mal: Helft mit, teilt und danke, dass ihr heute so fleißig zugehört habt. Danke, dass ihr euch diesen Podcast angehört habt. Teilt ihn, kommentiert, was ihr davon haltet und ich bin gespannt, was da jetzt noch kommt. Dankeschön.
Wann ist ein Wechsel des Intensivpflegedienstes Pflicht? (#02)
In dieser Folge von „Kremer Intensiv – Der Podcast für außerklinische Intensivpflege“ sprechen Patrick Kremer, Geschäftsführer von Pflegedienst Kremer, und Rebecca, Betriebsleitung der außerklinischen Intensivpflege, über Warnzeichen bei Intensivpflegediensten und darüber, warum viele Patienten den Pflegedienst zu spät wechseln.
[00:00:00]
Kremer Intensiv, der Podcast für außerklinische Intensivpflege. Für Pflegekräfte, Angehörige und Betroffene, die mehr wollen als Standard. Denn Intensivpflege bedeutet Verantwortung, Druck und oft den Kampf um Lebensqualität. Wir sprechen offen über das, was andere verschweigen. Über Probleme, Lösungen und echte Erfahrungen. Herzlich Willkommen zum Kremer-Podcast. Ehrlich, direkt und auf den Punkt.
Patrick Kremer: Herzlich willkommen zu unserer zweiten Folge unserer Podcast-Reihe. Heute geht es darum: Wann wechselt jemand seinen Intensivpflegedienst? Ja, ihr seht, wir haben hier, ähm, ich mein Tablet, die Rebecca ganz oldschool ihr Papier aufm Tisch liegen, weil wir haben uns davor sehr viel Gedanken gemacht, weil wir ganz viel Input natürlich haben und weil wir aber auch, ähm, ganz viele Nachrichten bekommen haben, was ihr sagt, was Wechselgründe sind, also ihr liebe Community.
Patrick Kremer: Und deswegen, ähm, haben wir uns ’n paar Stichpunkte gemacht. Ich hoffe, ihr seid damit einverstanden. Wenn nicht, ist auch nicht schlimm. Wir machen’s trotzdem.
[00:01:00] Also, ähm, liebe Rebecca, schön, dass du heute wieder da bist. Rebecca, wer sie nicht kennt, unsere Betriebsleitung der außerklinischen Intensivpflege, absolute Fachexpertin in diesem Bereich, ein sehr angenehmer Gesprächspartner, Gesprächspartnerin.
Rebecca: Och, danke Patrick, das ist aber nett von dir. Genau, ja, okay. Rebecca, moin, hallo. So ’ne Begrüßung. Ja.
Patrick Kremer: Das Thema heute, es geht darum: Wann wechselt jemand seinen Intensivpflegedienst? Und da würd ich mal ganz, ganz, ganz, ganz vorne damit beginnen: Ich finde, die Menschen wechseln viel zu spät. Also die Angehörigen und auch die Patienten wechseln ihren Intensivpflegedienst viel zu spät.
Denn da gibt’s diesen Spruch: „Lieber den Teufel, den ich kenne.“ Ja. Ja, genau. Und wenn man mal überlegt, was Menschen da draußen aushalten, pflegende Angehörige, die Pflegebedürftigen selber, die Intensivpatienten, was die teilweise aushalten, um, ähm, oder, oder bevor sie wechseln, das ist einfach unfassbar.
[00:02:00] Patrick Kremer: Darüber wollen wir heute sprechen. Wir haben da viel schon miterlebt, bringen auch ’n paar Beispiele, nehmen wie immer kein Blatt vor den Mund und ich würde sagen, wir starten.
Rebecca: Ja, um’s einfach noch mal abzurunden, was du eben gesagt hast. Ich glaube, wenn man schon über den Wechsel nachdenkt, dann ist eigentlich auch schon der Zeitpunkt, dass man den in Erwägung ziehen könnte.
Ist so, gell? Ja, also wenn ich drüber nachdenke, dann bin ich nicht zufrieden, weil ein glücklicher Mensch oder ein zufriedener Kunde würde niemals wechseln.
Patrick Kremer: Genau darüber schreib ich auch in meinem Buch. Darf ich wieder … Natürlich darfst du pitchen auch. Also wir bringen ’n Buch raus: „Häusliche Intensivpflege am Limit.“
Dieses Buch, also nee, wirklich, dieses Buch ist wirklich genau für pflegende Angehörige geschrieben und da steht, ähm, ja 100-mal mehr drin, als wir in diesem Podcast bringen. Und genau dieses Thema, was du grade sagst, steht auch da drin. Wenn jemand darüber nachdenkt, den Intensivpflegedienst zu wechseln, zu dem man ja in der Regel eine sehr vertraute Beziehung hat- Oder sollte
Patrick Kremer: oder sollte, ist es eigentlich schon zu spät. Ja. Das ist richtig, ja. Ähm- Man muss aber auch da sagen [00:03:00] und das sag ich ganz offen jetzt für alle Pflegekräfte, die das auch hören und aber auch für Angehörige: In 90 % der Fälle, dass es zu einem Wechsel kommt, dass der Intensivpflegedienst gewechselt werden soll oder gewechselt werden muss, liegt das nicht an den Angehörigen, nicht an dem Patienten.
Es liegt am Pflegedienst. Ja. Ja, da werden mich jetzt ’n paar in der Branche wieder als, als den Bösen darstellen. Das ist mir vollkommen egal. Ähm, ich sag die Wahrheit und ich bin fest davon überzeugt, dass wenn Pflegedienste ihre Arbeit viel besser machen würden, viele Pflegedienste, müssten Angehörige oft gar nicht in Angst leben, in Angst, keine Sicherheit zu haben, keine Qualität zu haben, kein qualifiziertes Personal zu haben.
Alleine zu sein. Alleine zu sein, ohne Pflegedienst zu sein, alleingelassen zu werden. Genau. Ähm, also deswegen, in 90 % der Fälle ist der Pflegedienst in meinen Augen und in unseren Augen, denk ich mal, du wirst es bestätigen.
Rebecca: Ja, ich würde es absolut bestätigen und ich würde auch da sagen, die meisten Pflegedienste, die haben vergessen, um was es am Ende geht.
Es geht um einen Menschen [00:04:00] und Menschen sind so individuell, dass natürlich überall Zwischenmenschlichkeiten entstehen. Und vielleicht ist auch einfach da die Grenze, das passende Team zu finden und zusammenzustellen. Und es ist natürlich leichter, dem Patienten oder auch den Angehörigen die Schuld zu geben, als sich selbst einzugestehen, dass man da nicht gut gearbeitet hat.
Patrick Kremer: Und da muss ich mal ganz klar sagen, ähm, wenn du da draußen den Durchschnittspflegedienst fragst, ähm, Thema Personaleinsatz bei Intensivpatienten, wie oft kriegen wir es mit, dass da wirklich gesagt wird: „Ja, er muss kriegen, er muss nehmen, was er kriegt und ist doch kein Wunschkonzert und ich kann doch keine Pflegekräfte backen“ und so ’n Bullshit.
Ja, das stimmt natürlich, aber Also wenn ich Intensivpatient wäre und das ist auch der Qualitätsanspruch, den, den wir für unser Unternehmen haben und ich hätte irgend ’nen Pfleger oder ’ne Schwester, der ich nicht vertraue, bei der ich mich nicht wohlfühle, nicht weil mir die Nase nicht passt oder Sonstiges, das ist jetzt mal zweitrangig, aber die mich einfach so pflegt, dass ich mich nicht gut, nicht sicher, nicht wohlfühle, dann will ich den Anspruch haben, als Patient zu sagen, diese Kraft möchte ich bei mir nicht haben.
Und dann hat der [00:05:00] Pflegedienst, er hat die Verantwortung, da zu intervenieren, Gespräche zu führen und gegebenenfalls das Personal auch auszuwechseln, ja. Absolut. Genau wie du gesagt hast, weil diese Individualität, die muss da sein und, ähm …
Rebecca:Und am Ende geht’s ja gar nicht mal nur um die Sicherheit, es geht um dein Leben.
Also wenn du der Intensivpatient bist und kein Vertrauen zu deiner Pflegekraft hast und eigentlich in Angst lebst, dann ist es ganz, ganz falsch, weil es geht um dein Leben. Das ist es ja.
Patrick Kremer: Rebecca, als Praxisexpertin, warum dauern die Wechsel so lang? Oder noch besser, warum wechseln die Patienten oder die Angehörigen aus deiner Sicht?
Ähm, ich hab natürlich auch meine Meinung und ich denke, wir haben da auch, ja, dieselbe Meinung. Warum wechseln die so spät?
Rebecca: Ich glaube, vielen ist gar nicht bewusst, dass sie wechseln dürfen. Also ich, ich glaub, das ist immer noch so ’n Irrglaube, dass wenn ich mir den ersten Pflegedienst ausgesucht habe oder zugeteilt bekommen habe, dass er mich jetzt versorgen soll, dass ich den niemals wechseln darf oder dass es sehr, sehr kompliziert werden könnte und vielleicht meine Versorgung gefährdet ist.
Patrick Kremer: Okay, Achtung, Rebecca, die ist geladen.
Kündigungsfrist eines [00:06:00] Intensivpflegepatienten beim Pflegedienst, wie lange? Keine. Sei froh, dass sie … Ja, du hast ja recht. Du hast ja recht. Natürlich hast du recht. Na klar. Ganz genau. Das bitte nehmt das bitte mit. Was die Rebecca grade noch mal festgestellt hat, ist ultrawichtig.
In Deutschland darf ein Patient einen ambulanten Pflegedienst, seinen ambulanten Pflegedienst und auch seinen Intensivpflegedienst ohne Frist kündigen. Egal, was in den Pflegeverträgen drinne steht, es ist Schwachsinn. Man darf kündigen. Diese typischen vier Wochen, acht Wochen, zwölf Wochen Kündigungsfristen, die in Pflegeverträgen drinne stehen, sind nicht rechtswirksam.
Ähm, auch da muss ich jetzt ganz klar sagen, ähm, im Buch steht noch genau der Gesetzestext und das Urteil drinne, warum das so ist. Aber, ähm, wenn ihr wechseln wollt, wenn ihr nach ’nem neuen Intensivpflegedienst gesucht habt und so weiter, ihr habt keine, ähm, Kündigungsfrist. Ihr könnt von heute auf morgen.
Am besten sollte man das in der Regel zum Monatsende hin machen, einfach aus Abrechnungsgründen und aus organisatorischen Gründen, aber es gibt keine, ähm, [00:07:00] Kündigungsfrist. Entschuldigung, dass ich hier so lang unterbrochen hab, aber bist ja gewöhnt.
Rebecca: Ich bin es gewöhnt, ja, aber ist gar nicht schlimm. Sehr gut.
Patrick Kremer: Dann machen wir weiter. Was, warum warten die Patienten so lang?
Rebecca: Ja, ich glaub tatsächlich, weil sie’s nicht ke…, ähm, wissen, dass sie wechseln dürfen. Das ist so der erste Punkt, aber auch, weil man natürlich auch versucht, noch dran zu arbeiten. Also ich glaube, der, der Pflegedienst ist ja was sehr, sehr Intimes und auch in der Privatsphäre mit drin.
Und ich glaube, da werden viele Gespräche im Vorfeld geführt und das muss auch versucht. Also das ist ja klar. Da, wo Menschen aufeinandertreffen, dann können Zwischenmenschlichkeiten einfach entstehen. Und ich glaub, dieses, einfach dieser Prozess. A, dieses Nichtwissen, dann aber auch das Versuchen natürlich irgendwie zu retten.
Aber wenn ich der Patient bin oder der Angehörige, muss ich diese Beziehung auf gar keinen Fall retten.
Patrick Kremer: Oft gehen die, ähm, Angehörigen ja auch ’n Prozess vorher, der ziemlich furchtbar ist mit dem Entlassmanagement, was oft nicht funktioniert und ausgesuchten Pflegediensten von irgendwelchen, äh, Krankenkassen empfohlen oder, ähm, oder, oder von, von Kliniken empfohlen, äh, die dann absolut, ähm, nix taugen.
Kriegt man ja [00:08:00] auch ganz, ganz oft mit. Und vor allem muss man ja auch sagen, wenn ich jetzt hier, ähm, draußen auf der Straße jemanden frage: „Nennen Sie mir ’n Intensivpflegedienst“, kann mir keiner nennen oder fast keiner. Wenn ich aber frage: „Nenn mir ’n ambulanten Pflegedienst“, nennt man mir natürlich welche, weil die kennt man, die sind im Ort.
Aber die bieten ja in der Regel keine außerklinische Intensivpflege an. Also wie du sagst, das mangelnde Wissen und aber auch das mangelnde Wissen über Alternativen.
Rebecca: Ich glaube aber auch tatsächlich, dass noch so ’n Grund sein könnte, warum sich’s immer ’n bisschen länger zieht, ist einfach auch schon diese Ja, ich, diese Zufriedenheit, dass der Angehörige einfach wieder zu Hause ist.
Also stell dir mal vor, ähm, deine Liebsten, die waren über ’n Jahr weg in Kliniken, in Rehas und waren gar nicht zu Hause. Und dann ist dieser Moment, dass sie dann da sind und du bist ja auch erst mal einfach gut abgeholt. Erleichtert auch, ja. Einfach nur, dass du den Menschen wieder bei dir hast in den eigenen vier Wänden.
Und ich glaube, bis dann einfach dieser Prozess auftaucht, dass man nicht zufrieden ist, dass man merkt, dass da nicht so gute Qualität herrscht, dass man vielleicht auch alleine gelassen wird, das dauert einfach so ’n Moment.
Patrick Kremer: Ja, das, das, da hast du recht. Da hast du recht. Genau das ist ’n, äh-
Rebecca: Können wir festhalten, wie oft du mir heute recht gibst.Das ist Wahnsinn.
Patrick Kremer: Oh, können wir das irgendwie rausschneiden aus dem [00:09:00] Podcast? Auf gar keinen Fall. Das bleibt drin. Ohhh, nein. Wink vom Zaunfall an Social-Media-Team. Oh, oh, oh, nehmt’s raus, bitte.
Patrick Kremer: Also, also Rebecca, ich unter… ich, ich bestätige da deine, äh, Meinung und, ähm, ja, stimmt einfach. Ist so. Ähm, gleichzeitig ist auch dann die Angst da einfach, dass jetzt durch ’n Wechsel jemand wieder ins Krankenhaus, wieder von zu Hause weg ist, ähm, kriegen wir ganz oft mit.
Wir haben aber mal für euch zusammengestellt und grad an die lieben Pflegekräfte, die uns jetzt hier zuhören, ihr werdet das bestätigen: Wir haben so gelbe Flaggen und rote Flaggen, ähm, mal aufgeschrieben, die man einfach sehen muss. Wenn das passiert in ’nem, in ’nem, in der Intensivpflegeversorgung, so ’ne rote Flagge, dann ist Wechseln angesagt.
Dann gibt’s da kein Wenn und kein Aber. Ähm, ich würd jetzt mal die ersten nennen. Hab mir die Stichpunkte auch dazu aufgeschrieben, die wir in den letzten Jahren so mitbekommen haben. Also eine konkrete Gefährdung als erste rote Flagge, ’ne konkrete Gefährdung des Patienten, da muss man handeln. Das bedeutet, wenn ungelernte Kräfte eingesetzt werden, wenn Kräfte eingesetzt werden mit schlechten Weiterbildungen, die [00:10:00] zum Beispiel nie ’ne Praxis, ’n Praxisteil hatten, ähm, in ihrem Basiskurs für außerklinische Intensivpflege, da ist Handeln gefragt, ja.
Da deswegen auch bitte, liebe Angehörige, liebe, ähm, Pflegekräfte, achtet drauf, wo diese Weiterbildungen gemacht werden. Ob das wirklich ’n DiPA-Standard hat, also angelehnt zum Beispiel an die Deutsche Intensivpflegeakademie oder ob, ähm, das Kurse sind, die rein online ohne Praxis Teil sind, da bitte drauf achten.
Rebecca: Starke Sprachbarrieren. Wenn also jemand nicht in der Lage ist, einen Notruf abzusetzen, also wenn ’ne Pflegekraft es nicht hinkriegen könnte, ’n Notruf abzusetzen, äh, das ist ’n Wechselgrund. Also dann bitte wechseln, ja.
Rebecca: Schade ist ja tatsächlich, dass das gar nicht mal so unhäufig vorkommt. Also es ist tatsächlich, äh, ich möcht nicht sagen gang und gäbe, aber es gibt’s deutlich oft, dass mit ’nem Google Translator dann auch noch ’n Notruf abgesetzt werden muss, weil’s sonst nicht funktionieren würde.
Absolut ’ne rote Flagge.
Patrick Kremer: Ähm, noch so was ist, wenn Alarme ignoriert oder überhört werden. Das geht gar nicht. Also das Typische, im Nachtdienst schläft jemand ein, das Beatmungsgerät schlägt Alarm, ähm, oder die, ähm, O2-Sättigung geht [00:11:00] runter, Patient ist absaugpflichtig und keiner kriegt’s mit, sofort wechseln und noch viel mehr machen und noch viel mehr machen.Da gehen wir auch noch mal drauf ein.
Rebecca: Da gibt’s ja auch noch viel krassere Varianten. Also es gibt ja auch, hab schon Wechselgründe gehört, weil das Pulsoxy bewusst ausgemacht wurde, dass man besser schlafen kann. Krass. Ja, furchtbar. Furchtbar. Das ist krass. Okay.
Patrick: Ähm, falsche Medikamente oder ’ne vergessene Medikation.
Wenn man so was mitbekommt oder wir kommen teilweise in Intensivversorgungen, da stehen abgelaufene Medikamente, abgelaufene Tropfen vor, äh, rum, ähm, teilweise, die für Inhalationen noch genutzt werden. Das heißt, wo wirklich dieses Arzneimittel in die Lunge geht bei Menschen, die absolut pneumoniegefährdet sind, ja.
Ähm, nein, das darf man nicht hinnehmen. Keinen einzigen Tag. Wir sind hier nicht bei dem Joghurt, den ich auch noch am, äh, zweiten Tag nach dem Ablaufdatum esse. Es geht hier um Menschen und um deren Leben.
Rebecca: Was ist der Klassiker, Patrick? Novalgin-Tropfen, so verkrustet, abgelaufen, dass du sie nicht mehr öffnen kannst.
Patrick Kremer: Ja, stimmt tatsächlich, ja. Ähm, Beatmungseinstellungen. Wenn irgendeine Pflegekraft was an [00:12:00] Beatmungseinstellungen, Alarmgrenzen oder wie auch immer ändert am Beatmungsgerät und ihr kriegt das mit als Angehörige oder als, ähm, auch als, als Pflegekraft, dass das ’ne Kollegin und Kollege macht. Das ist nicht nur ’ne Straftat, das ist verboten, das ist absolut Arztsache.
Das darf keine Pflegekraft und wenn so was gemacht wird, ist ’n, ähm, absoluter Wechselgrund. Und da, ähm, auch so was: Pflegekraft schläft ein im Dienst. Ähm, wir sind alles Menschen, ja, das ist klar, aber wir können uns auch alle auf ’n Dienst vorbereiten. Wir können Energie tanken, wir können uns von mir aus mit Kaffee, Energy Drinks, wie auch immer wachhalten, Sportübungen, wie auch immer.
Im Dienst, in der außerklinischen Intensivpflege – und schreibt euch das bitte alle hinter die Ohren – wird nicht geschlafen. Da wird nicht geschlafen. Punkt, aus, Ende. Und jetzt auch noch mal an die Angehörigen da draußen: Bitte denkt daran Ihr seid die Stimme für euren Angehörigen. Ihr sprecht für ihn, niemand anders.
Und ihr bekommt mit, ähm, ob’s beim Pflegedienst läuft oder nicht. Also geht bitte in eure Verantwortung. Er oder sie würde es genauso auch für [00:13:00] euch tun, wenn ihr betroffen wärt. Ja, absolut. Rebecca, ich würde dir mal so die nächste Red Flag geben. Ja, sehr gerne. Dass du darüber so bisschen was berichtest.
Rebecca: Was auch ziemlich häufige Wechselgründe, ist tatsächlich auch so Respektlosigkeit und Gewalt gegenüber von den, also gegenüber von den Patienten und auch den Angehörigen. Das ist, äh, ganz, ganz häufig, dass es ’n grober Umgang einfach so ist mit dem Patient an sich, dass du beim, äh, Positionieren von ihm im Bett einfach Mhm.
Nee, du, du behandelst ihn, als wär’s ’n Sack Kartoffel, aber nicht als wär’s ’n Mensch.
Patrick Kremer: Ja, also grad dieses Typische beim Lagern, dieses Rumreißen, einfach mal von einer auf die andere Seite.
Rebecca: Wir haben ja wirklich schwerkranke Menschen, die wir versorgen und mir ist auch bewusst, dass vielleicht auch jeder ’ne andere Einstellung hat, ob da viel Bewusstsein ist oder nicht.
Aber am Ende hab ich das so gelernt und so möcht ich’s auch weiter ausüben, dass ich meinem Patienten, den ich grade positioniere, auch sage, was ich jetzt tue. Und wenn ich sein Bein anstelle, kann ich ihm sehr deutlich sagen, dass ich das Bein jetzt anstelle, dass ich ihn zu mir drehe aufgrund dessen, weil ich ihm vielleicht, ja, den Rücken waschen möchte.
Das sind ja einfach so kleine Skills, die das [00:14:00] aber vermenschlichen und nicht einfach wie ’ne Maschine.
Patrick Kremer: Du hast ja grad ’n Punkt gebracht, den ich noch mal aufgreifen will, der sehr, sehr wichtig ist. Ähm, es gibt ja auch Menschen, die in ’ner Lebenssituation sind, ähm, die wir oder nein, die manche Menschen, weil sie keine Ahnung haben, als der kriegt nix mit oder, ähm, wie auch immer abstempeln.
Patrick Kremer: Und da möcht ich auch noch mal ganz klar sagen, ähm, auch wenn jemand in ’nem wachkomaähnlichen Zustand oder auch im Wachkoma ist, dann liebe Pflegekräfte und auch vor allem die Angehörigen: Geht bitte davon aus, dass dieser Mensch 100 % mitbekommt, dass er alles mitbekommt. Ihr könnt euch da auch mal mit dem Locked-In-Syndrom zum Beispiel beschäftigen und stellt euch einfach mal vor, ähm, ihr würdet dieses, diese Gedanken nicht haben.
Das ist für mich ein absolut, das ist absolut schrecklich, dass es Menschen gibt, die diesen, die dieses, dieses Gottdenken haben, die denken, jemand bekommt da nichts mit und das, das ist vollkommen falsch. Und stellt euch mal vor, ihr liegt da, ihr bekommt alles mit und von außen sagt einer: „Na ja, der ist im Wachkoma, der kriegt nix mit,“ und reißt euch hin und her.
Ihr habt Angst, ihr wisst nicht, was passiert. [00:15:00]
Rebecca: Oder auch einfach dieses, diesen Waschlappen ins Gesicht bekommen, ne. Also das find ich am, fast noch am respektlosesten, weil das Gesicht ist ja was sehr, sehr Intimes. Also man möchte ja auch nicht von vielen Menschen im Gesicht angefasst werden.
Patrick Kremer: Also liebe Pflegekräfte, noch mal, ihr wisst, ihr wisst’s alle, ihr macht’s in der Ausbildung und ihr, ihr macht es hoffentlich auch so, aber bitte, jeder Mensch bekommt immer alles mit, was ihr an ihm macht.
Und das ist die Grundeinstellung, die wir haben müssen als Pflegekräfte. Das ist unser Berufsethos, der uns das auch vorgibt, ähm, und so dann auch mit ’nem Menschen umzugehen, ja. Dann gehen wir noch mal in dem Thema Respektlosigkeit oder Gewalt weiter.
Rebecca: Ja, es geht auch einfach so ’n bisschen drum, es ist ja Intimsphäre, das muss man gar nicht drum, drüber sprechen.
Dies ist, man ist zu Hause in den eigenen vier Wänden der Angehörigen und auch der Patienten. Deswegen, ich würde immer wieder sensibilisieren unsere Kollegen, dass man zu Gast ist, dass man auch mit den entsprechenden Sachen vor Ort auch so umzugehen hat, dass man sich da nicht einfach auf die Couch fläzt oder, weiß ich nicht, den Kühlschrank aufrobbt, als wär’s seiner.
Aber auch dieses, ähm, na ja, wenn tatsächlich der [00:16:00] Liebste da grad vielleicht mit seinen Angehörigen zusammen ist und das vielleicht auch einfach mal als Pflegekraft zu merken, zu realisieren, zu sagen: „Hier, ich bin da. Wenn was ist, holt mich. Ich zieh mich einfach mal zurück“, damit man einfach diese Zweisamkeit auch haben kann.
Patrick Kremer: Das geht ja auch heute schon mit, ähm, digitalen Helfen, dass dieses Zurückziehen auch sicher möglich ist. Ich mein, es gibt ja Beatmungsgeräte mit, ähm, Sender, dass man wirklich unterwegs sein kann und, ähm, Babyphones und was es alles gibt und das ist genau wie du sagst, ja. Ja. Ich krieg auch ganz oft mit, dass Angehörige wirklich, ähm, eingeschüchtert oder mit der Angst gespielt wird, dass wirklich gesagt wird: „Du kannst nicht kündigen und wenn und er geht ins Krankenhaus.“
Und, äh, auch da muss man wirklich aufpassen.
Rebecca: Am Ende ist es ja auch ’ne Riesenrespektlosigkeit tatsächlich. Also mit der Angst zu spielen, dass man, ähm, den Gesundheitszustand ausnutzt, das geht gar nicht. Also ich würde … Das ist für mich so ’ne richtige Red Flag. Wenn das kommt, diese erpresserischen Züge, würd ich sofort.
Patrick Kremer: Na, wie oft hat man’s? Wie oft kriegen wir es mit?
Rebecca: Also es ist einer der häufigsten Gründe, die wirklich am Telefon genannt werden. Ähm, ich hab einfach Angst. Können Sie bitte inkognito zum Beispiel kommen, dass das keiner [00:17:00] mitbekommt? Können wir uns irgendwo ’nem Bäcker treffen?
Patrick: Es gibt da draußen aber auch dubiose Pflegedienste.
Rebecca: Also die gibt’s schon echt krasse- Also da krieg ich auch Puls, ne. Also ich weiß nicht, ob du das merkst, aber da krieg ich auch Puls.
Patrick Kremer: Ja, ich kenn das. Ich hab da, ich seh da auch genau grad so ein, zwei, drei Dienste, die ich in meinem Leben erlebt hab. Äh, ist nix, ja. Gar nicht tatsächlich. Okay, ich würd’s nächste Thema machen, die, ähm, Dokumentationsgeschichten.
Also ganz klar, wenn Angehörige oder wenn auch Pflegekräfte mitkriegen, es wird falsch dokumentiert. Es werden Sachen dokumentiert, die überhaupt nicht erbracht wurden oder auch Angehörige, die keine Einsicht in die Dokumentation haben. Und da, ja, so schade das auch ist, aber da ist manchmal die Papierdokumentation beim Patienten doch immer noch sehr, sehr gut.
Weil sie auch von Angehörigen, von jedem eingesehen werden kann. Und wir haben ja in Hessen den Vorteil, dass Hessen nicht in der Lage ist, die Pflegedokumentation komplett zu digitalisieren. Das heißt, wir müssen ja sogar, ähm, mit, ähm, Papier noch arbeiten. Und da Angehörige haben ein gesetzlich verankertes Recht, in die Dokumentation reinzuschauen, in die Pflegedokumentation, und das 24/7.
Ähm, und da kann man mal schauen, sind alle [00:18:00] Vitalwerte eingetragen? Ähm, was wird über den Patienten da vielleicht auch von Pflegekräften geschrieben? Vielleicht auch abwertend, ja, oder genau, oder stimmt das einfach, was da gesagt wird? Also wenn man da merkt, das sind, ähm, wirklich, ähm, systematisierte Dokumentationslücken oder Fehler, weil die fallen dem Patienten bei der nächsten MD-Prüfung oder wie auch immer komplett auf die Füße.
Rebecca: Ich wollt’s grad sagen, also das ist, ähm, leider Gottes unterschätzt. Ich finde, es geht immer der Mensch vor und nie die Dokumentation. Das ist meine persönliche Einstellung und wir leben halt in Deutschland. Das ist einfach so. Das, was nicht geschrieben ist, gab’s nicht. Und da hatt ich jetzt ’n Praxisbeispiel, nur dass du mal gehört hast.
Da wurde, ähm, auf ’ner anderen Sprache dokumentiert und darüber hinaus– dadurch ist dann die Intensivpflichtigkeit, ähm, verloren gegangen.
Stimmt, stimmt. Haben wir mitbekommen, ja. War in Gießen diese eine- Da hat der Google Translator nicht so gut funktioniert und dann wurde auf der Muttersprache dokumentiert und dadurch- Tatsächlich …ist die komplette Intensivpflichtigkeit erst mal dahin gewesen.
Patrick Kremer: Und der Patient im Pflegeheim gelandet.
Rebecca: Wir haben ihn dann übernommen, haben dann auch einfach wieder neue Doku eingereicht und es war auch wieder alles in Ordnung. Ja. Aber so schnell geht’s dann halt leider. Absolut.
[00:19:00] Patrick Kremer: Der nächste Punkt: die Hygienemängel. Ja. Erzähl mal, was sind da Beispiele, die, ähm, wir nennen können oder die uns aufgefallen sind als Red Flags?
Rebecca: Ah, ich find alles, was tatsächlich an dem Patienten ist, also wenn einfach ’n schlecht, ’n schlechter Versorgungszustand ist, wenn nicht, wenn er nicht geduscht wird, wenn er nicht richtig gewaschen wird, wenn es einfach halbherzig gemacht wird. Also auch, ähm, zwischen den Zehen, zwischen den Fingern. Das sind dann alle Stellen, die mitgewaschen werden sollten.
Patrick Kremer: Ähm, wenn- Also Grundpflege, klar, ja. Grundpflege.
Rebecca: Auch da find ich, äh, es gibt in der Intensivpflege keine Ausrede dafür, dass Pflege zu viel sein könnte oder ein Zeitdruck herrscht. Wir haben einen Patienten, der in der eins zu eins versorgt wird. Sagt ja schon der Name eigentlich aus und es sind in der Regel zwölf Stunden Dienste.
Und ich glaube, wer in zwölf Stunden keine gute Hygiene am Patient abliefern kann, och, weiß ich nicht.
Patrick Kremer: Okay, ja, absolut. Also Grundpflege, dann Hygiene, weiter.
Rebecca: Wenn Angehörige oder auch, ähm, die Patienten selber das Gefühl haben, dass sie nicht gut versorgt sind, grundpflegerisch, dass sie sich nicht wohlfühlen.
Absolute Red Flag kann man sofort wechseln. So [00:20:00] drumherum find ich’s halt immer wichtig, dass alles, was an dem Patienten ist, grad absaugen, ne. Also absaugen muss absolut, äh, steril stattfinden. Es muss fachmännisch sein, es muss sauber sein, es muss ja Flächen- Mit einem, eine Ab-, ein Absaugvorgang mit einem Katheter, wie wir ja auch mitbekommen haben.
Patrick Kremer: Ganz schlecht. Ja, das ist wirklich schlecht. Also auch so ’n Beispiel für die, die zuhören. Ähm, wir sind auch schon in die Intensivversorgung gekommen bei ’nem, bei ’ner Aufnahme, bei ’nem Erstgespräch und dann hing so ’n Absaugkatheter da. Ich würd mal sagen- Das war der für die Woche. Ja, wie so ’n Becher, aus dem man trinkt, der da steht.
Ja und dann ist uns dann mitgeteilt worden, dass dieser Absaugkatheter halt öfters benutzt wird. Also das sind auch so absolute Red Flags.
Rebecca: Oder auch so Verbände an den Patienten. Also PEC-Verband wird nicht regelmäßig gemacht oder ’n SPK-Verband oder allgemein, wenn vielleicht ’ne Wunde war, dass da einfach ’ne ordentliche und regelmäßige Wundversorgung stattfindet, dass da steril gearbeitet wird, wenn’s einfach vonnöten ist, dass die Materialien ordentlich daliegen, dass man die Flächen desinfiziert, wo die Materialien zurecht, äh, gebie…, also bereitgelegt werden. Ähm, was ich auch ganz schlimm find, ist, wenn Pflegekräfte so richtig verkeimt auf die Schicht kommen oder zur Schicht [00:21:00] kommen, so richtig krank sich hinschleppen, ähm- Arbeitgeber sagen ja, ist ja super, keine Krankheitstage muss nicht abgedeckt werden. Ja, schrecklich. Es ist einfach nur-
Patrick Kremer: Also Moment mal, Arbeitgeber, du meinst schlechte Arbeitgeber sagen das.
Rebecca: Ja, natürlich, die meine ich. Ich rede da nicht, äh, von den guten.
Patrick Kremer: Ja, ja, es ist so. Wenn jemand krank ist, dann darf ein Intensivpatient nicht gefährden. Punkt.
Rebecca: Nein, auf gar keinen Fall. Und die sind gefährdet. Also das Immunsystem ist ja einfach so angegriffen und geschwächt von dem Grundzustand, dass einfach so ’ne Infektion auch das Ende sein könnte.
Patrick Kremer: Absolut. Ein weiterer Punkt, den man noch nennen muss, sind unqualifizierte Pflegekräfte. Also da ganz klar, es müssen dreijährig examinierte Pflegefachkräfte sein. Korrekt. Ich sag mal so, ’ne Altenpflegekraft mit dreijähriger Ausbildung im Pflegeheim, die hat weitaus mehr Ahnung sicherlich als ’ne Intensivpflegekraft von ihrer Pflege, von ihrer vielleicht auch Biografiearbeit, von grundpflegerischen Tätigkeiten, von dem, was sie jeden Tag macht.
Das sind also richtig, richtig, richtig gute Pflegefachkräfte. Aber die können [00:22:00] nicht am Intensivpatienten arbeiten, ohne sich da wirklich extremst weitergebildet zu haben. Das heißt, da müssen Angehörige und auch Pflegekräfte drauf achten, dass eine langjährige, also entweder eine langjährige Erfahrung im Bereich der Beatmung auf Intensivstationen vorliegt oder dass eine Weiterbildung gemacht wurde, wie zum Beispiel der Basiskurs außerklinische Intensivpflege.
Und da ganz wichtig noch mal, der braucht ’ne Qualität, dass wirklich Präsenzteile stattfinden. Das heißt, ähm, da darf ein bisschen Online-Unterricht sein, ganz klar. Es muss aber auch Präsenzunterricht sein mit, ähm, Tracheostomapuppe, mit Reanimation an der Puppe, mit den Sachen, die man wirklich lernt, weil es kann nicht sein, dass eine Pflegekraft ohne jemals wenigstens eine Trachealkanülenpflege an einer Puppe professionell gezeigt bekommen hat, an Menschen geht, ja.
Zusätzlich muss dann noch ein, ähm, mehrtägiges Praktikum stattfinden an dem Patienten oder anderen Intensivpatienten durch eine weitere Pflegekraft, so’n, ähm, Hands-on-Training, die wirklich zeigt, was Sache ist. Ähm, ja, also da genau darauf achten. Alle [00:23:00] Pflegekräfte müssen fachlich weitergebildet sein.
Rebecca: Absolut.
Patrick Kremer: Da ein guter Hinweis: Schaut euch da gerne mal, ähm, die Bundesrahmenempfehlung § 132l SGB V an. Ähm, da steht genau drin, was so ein Kurs auch enthalten muss, dass er wirklich Qualität hat und welche Pflegekräfte überhaupt am Intensivpatient arbeiten dürfen.
Rebecca: Richtig. Da ist nichts mehr hinzuzufügen, außer auch bitte drauf achten, dass immer auf die Geräte, die benutzt werden, eingewiesen ist.
Patrick Kremer: Stimmt, Geräteeinweisung. Ganz, ganz wichtig. Ganz, ganz wichtig. Okay, wir haben noch gelbe Flaggen. Ja, es wird besser. Genau, ja, wird besser. Gelbe Flaggen sind, ähm, eigentlich merkt man’s schon. Eigentlich sind die gelben Flaggen schon fast, fast rot geworden. Man merkt es schon, äh, man müsste eigentlich wechseln.
Bei den roten Flaggen noch mal, um da zurückzukommen: sofort wechseln, sofort Intensivpflegedienst wechseln, ’ne neu, also neuen suchen, mit der Krankenkasse reden, mit dem medizinischen Dienst reden, sofort den Wechsel einleiten. Bei den gelben Flaggen kann man noch mal vielleicht das eine oder andere Gespräch führen, aber eigentlich muss man sagen, die sind auch meistens in der Summe untragbar.
Ständige Verspätung, also wenn [00:24:00] Was kennt man, wenn Pflegekräfte dauerhaft zu spät kommen, andere zu lang bleiben müssen, die zwölf Stunden, die’s in der Regel sind, überschreiten. Ähm, das is ’ne klare Flagge, da geht’s net oder is ’n klarer Punkt, da geht’s net.
Rebecca: Man könnt jetzt natürlich sagen, warum sollte das mich denn als Angehörigen oder Patienten einfach, ähm, ja, was angehen, wenn die zu spät kommen? Das könnt ja auch ’ne Mitarbeitersache sein. Allerdings fallen dann einfach auch die Übergaben, die fallen sehr, sehr kurz aus. Da wird nicht mehr so, äh, ausführlich was gemacht und das geht dann auch zu Lasten von, von den Patienten ehrlicherweise.
Patrick Kremer: Ja. Das nächste ist ständig wechselndes Personal. Das kann man mal mitmachen und es gibt auch ganz klar Phasen, da sind auch wir net frei davon, wenn man mal so ’ne richtige Krankheitsphase, so ’ne, ähm, Grippesaison oder wie auch immer hat, plus ’ne Urlaubsphase dazu, ähm, dann geht man schon mal aufm Zahnfleisch.
Dann hat man schon mal echt mit’m Ausfallmanagement richtig zu kämpfen. Wenn man da kein gescheites hat, das, das wird schon mal … Dann darf’s auch mal zu Wechsel kommen. Das ist ganz klar. Aber wenn das ständig über Monate ist, immer wieder wechselndes Personal, ähm, das is ’ne gelbe Flagge. Da muss man sich umschauen nach ’nem anderen Pflegedienst und natürlich auch das Thema Springer.
Springer hören sich so schön [00:25:00] an. Ja, jemand fällt aus und ’n Springer kommt. Nein, is es net. Das is ’n, ganz oft ’n großes Versagen, ähm, weil Intensivpflegedienste eher Ausfallmanagement in dem Griff haben, ja.
Rebecca: Ja. Tatsächlich haben wir dann eher unsere internen Pflegekräfte, die mit Herz pflegen und dann auch ihre Überzeugung an Kunden darbringen, die sie vielleicht noch nicht kennen. Und das funktioniert eigentlich tatsächlich sehr gut und man sollte-
Patrick Kremer: Oder einfach auch Pflegekräfte aus anderen Teams, die einfach den Patienten kennen.
Rebecca: Ich sag immer, der Fremdeinsatz ist nicht die Herausforderung. Es ist A die fehlende Kommunikation, dass darüber nicht gesprochen wird. Und man sollte halt sich einfach so die Faustregel: Ich hab mehr mein Stammpersonal als fremdes Personal. Das ist so das, wo ich sage-
Patrick Kremer: Ja genau, dass man sagt, man hat so seine sechs bis acht Leute, würd ich mal sagen, die man kennt, die man über die Wochen Vertrauen dazu aufgebaut hat. Es dürfen auch mal mehr sein, mal kurz in Phasen, aber auch dann ordentlich eingearbeitete Leute, ähm, die wirklich sehen, wie läuft hier der Alltag, wie läuft hier der, ähm, Rhythmus, was wird wann gemacht und dann geht das.
Rebecca: Das geht super und sogar-
Patrick Kremer: Thema Phantomleitung, auch so ’ne gelbe Flagge. Wenn man [00:26:00] keinen erreicht. Also ein guter Intensivpflegedienst, ganz klar, hat eine Teamleitung. Jede Intensivversorgung muss eine Teamleitung haben. Diese Teamleitung braucht aber auch ’n Ansprechpartner, am besten ’ne Fachbereichsleitung.
Ja. Auch diese sollten besonders qualifiziert sein. Das sollten Leute sein, die ’ne Weiterbildung haben, wie zum Beispiel den Pflegeexperten für außerklinische Intensivpflege und müssen sogar, und ist ja auch klar, Pflegefachkräfte sein. Ist korrekt. Weitere Ansprechpartner, die Pflegedienstleitung, die Betriebsleitung oder auch die Geschäftsführung.
Und da der goldene Tipp an alle, auch auf der, bei der Suche nach einem Intensivpflegedienst: Schaut, was haben diese Leute für Berufe erlernt? Was hat die Geschäftsführung? Also ich könnte doch zum Beispiel, ich bin Krankenpfleger, gib mir ’n Hammer in die Hand und irgendwas geht kaputt. Ähm, na, so schlimm ist es nicht, aber-
Rebecca: Ja, doch schon.
Patrick Kremer: Was? Und noch. Mach weiter. Wollen wir darüber reden?
Rebecca: Nein, gar nicht.
Patrick Kremer: Gut. Also, ähm, ja, aber was ich damit sage: Ich könnte niemals die Arbeit eines guten Elektrikers machen oder keine Chance. Never ever, ja. Und so [00:27:00] kann auch kein – ja, gibt jetzt wieder Shitstorm. Ich freu mich schon auf die ganzen bösen Mails, die da kommen – ein BWLer kann doch keinen Intensivpflegedienst leiten.
Patrick Kremer: Nein. Also wenn er die fachliche Expertise sich extern dazu holt, mit extremst guten Führungskräften, die Pflegeverständnis haben, ja. Aber dieser reine, ähm, profitgetriggerte Private-Equity-Investor, der ja bei krass bei sehr, sehr großen holdinggesteuerten Pflegediensten ganz oft da ist, die haben doch keine Ahnung von Pflege.
Sind wir doch mal ehrlich. Wieso soll denn jemand ’nen Pflegedienst leiten, der keine Ahnung davon hat?
Rebecca: Ich merke, das ist ’n Thema, das- Kann ich mich schon wieder aufregen. Ja, ich merk’s tatsächlich. Das ist vielleicht einfach für so ’ne gesonderte Folge möglich dann, ne.
Patrick Kremer: Also, ähm, ja, man soll ’n Ansprechpartner haben und ’ne Leitung, ’ne feste Leitung, mit der man sprechen kann.
Rebecca: Aber ich seh’s wie du. Also wenn man sich einfach umschaut, nach ’nem neuen Pflegedienst, erkundigt euch einfach: Sind es selber Pflegekräfte, die dort in den Leitungspositionen sitzen? Weil da ist einfach Herz dabei und die Fachexpertise und meistens ist das ’ne gute Mischung.
Patrick Kremer: Ja. Okay, Versorgungslücken haben wir uns noch aufgeschrieben.
Rebecca: Ja, tatsächlich. Also grade so planbare Sachen, find ich, äh, ist so ’ne re-, gelbe [00:28:00] Flagge einfach.
Patrick Kremer: Ich mach mein Mikrofon Abstand grade.
Rebecca: Ja, muss man bisschen kontrollieren. Ähm, so Weihnachten, Ostern, Sommerferien, das weiß man doch. Also man weiß doch einfach, das sind so, das sind so Zeiten, da sind Leute einfach auch krank oder Urlaube stehen an und das kann man eigentlich ganz gut kompensieren.
Dann find ich so kurzfristige Absagen, das ist auch, wo man immer mal aufpassen sollte, so ein, zwei Stunden vor Schichtbeginn.
Patrick Kremer: Also generell ’ne Absage geht gar nicht. Hört’s euch bitte da draußen an, was ich sage und schreibt es euch am besten auf. Ein Intensivpflegedienst hat einen Versorgungsvertrag mit dem Patienten und einen Versorgungsauftrag von seinem Kostenträger, zum Beispiel der Krankenkasse.
Patrick Kremer: Er darf kein Dienst ausfallen lassen. Wenn ein Intensivpflegedienst nicht in der Lage ist, einen Dienst zu besetzen, dann kann er die Versorgung nicht stemmen. Dann muss das ein anderer Intensivpflegedienst machen. Punkt, aus, Ende. Was anderes gibt es nicht. Also eine Absage durch einen Intensivpflegedienst ist niemals zu dulden.
Patrick Kremer: Niemals. Eine Dienstabsage. Niemals.
Rebecca: Ich sag immer, der Pflegedienst, der an, äh, Weihnachten nicht mit ’nem Ausfall gerechnet hat, der hat seinen Job nicht [00:29:00] verstanden.
Patrick Kremer: Absolut. Ja, genau. Digitales Ausfallmanagement, ja, das sind Sachen, das ist heute Standard. Wir haben zum Beispiel bei uns so ’ne Aus-, also so ’ne Dienstbörse.
Patrick Kremer: Wenn wir also jetzt ’n Ausfall bekommen, sind es zwei Klicks und unsere digitale Dienstbörse, ähm, startet ihren Algorithmus, nenn ich mal, wir wollen jetzt zu viel vom Geheimnis verraten und wir finden sofort jemanden, äh, für ’n Ausfall. Also das ist- Absolut. Der einspringt, der’s dann macht, ja. Und wichtiger Punkt, den will ich auch noch sagen,
Patrick Kremer: wenn Beschwerden im Sande verlaufen.
Patrick Kremer: Also Leute, ihr sollt jetzt nicht irgendwie, ähm, sofort schauen, nach Fehlern suchen wie die Irren und, ähm, nur auf Fehler schauen, denn Fehler sind ja auch irgendwo bis zu ’nem gewissen Punkt menschlich, wenn man sie dulden kann, wenn’s keine Red Flags sind. Aber, ähm, wenn Beschwerden im Sand verlaufen, sprecht darüber, kommuniziert darüber, sprecht mit der Teamleitung, mit der Pflegedienstleitung, auch mit der Geschäftsführung.
Patrick Kremer: Wenn aber nix passiert, wenn ’n Pflegedienst einfach sagt: „Ja, ja, wir kümmern uns“, und macht dann nix oder er sogar bei der Kritik in die Defensive geht und sagt: „Was will ’n der jetzt so’n blöder Angehöriger?“ Ey, mein Gott, wo, also das geht gar nicht, ja. Da muss [00:30:00] gehandelt werden. Wenn ich ’n Auto kaufe, ich hab mir jetzt ’n tollen, wunderbaren hier ’n Golf GTI gekauft, ja.
Patrick Kremer: Also, was, was echt toll ist, was auch ein Heidengeld kostet. Ähm, wenn das Ding nicht funktioniert, dann mach ich VW die Hölle heiß. Dann fahr ich in die Werkstatt und ich fahr jeden Tag dreimal hin. Absolut, ja. Und steh denen auf der Matte, bis das funktioniert. Und so ist es auch bei dem Intensivpflegedienst.
Patrick Kremer: Wenn irgendwas nicht funktioniert, muss man darüber sprechen oder auch etwas schriftlich machen über Mails und da muss gehandelt werden. Ja. Okay. Kann ich nix hinzufügen, ist richtig. Also es kann ’ne Beschwerde geben, aber die
Rebecca: muss halt ernst genommen werden und ’n guter Pflegedienst, der freut sich tatsächlich über die konstruktive Kritik, damit er besser werden kann.
Patrick Kremer: Ja, absolut. Wir sind schon am Ende dieses Podcasts und, ähm,
Patrick Kremer: was ihr euch jetzt bitte, liebe Hörer, noch mitnehmen solltet, ist: Kündigungsrecht ist jederzeit fristlos. Ist im BGH geregelt, 2014. Ähm, wir können dazu noch mal was mehr schreiben, aber auch da empfehl ich’s Buch, muss man ganz klar sagen. Wir haben ’n Buch geschrieben, wo die Sachen drinstehen, die sonst keiner schreibt.
Patrick Kremer: Ähm, es ist auch geregelt, dass ihr ’n Recht auf [00:31:00] die, ähm, Pflegedokumentation, sogar ’ne Kopie habt und ihr habt ’n Wahlrecht, liebe Leute. Ihr als betreuungsbevollmächtigter Angehörige oder der Patient selber darf seinen Pflegedienst aussuchen. Niemals ’ne Kasse. Niemals. Nein, die dürfen euch vielleicht sagen, wen’s da gibt.
Patrick Kremer: Mehr aber auch net. Ähm, ihr entscheidet, welchen Intensivpflege ihr nehmt. Kosten sind da überhaupt gar kein Thema. Die hat der Kostenträger zu tragen und die ganzen Pflegedienste haben Vergütungsvereinbarungen. Ihr dürft euch rauspicken, welchen Pflegedienst ihr wollt und den dürft ihr nehmen. Äh, auch ihr als Pflegekräfte, wenn ihr da mal für euren Patienten ’n Pflegedienst sucht, denkt daran: Euch darf niemand etwas vorgeben.
Patrick Kremer: Ja. Gutes Team, schlechter Pflegedienst, da ist ’n gemeinsamer Wechsel möglich. Also noch mal, hört mal zu: Wenn ein Intensivteam gut ist, also ihr habt tolle Pflegekräfte, euer Team läuft, ja, und wie oft ist es so: Wir haben Teams, da hören wir monatelang nix und das ist ganz schlimm. Wir fahren mal hin und wollen mit denen schwätzen.
Patrick Kremer: Ja. Ähm, oft hat man richtig gute Intensivteams, tolle Pflegekräfte, tolle Teamleitung, aber [00:32:00] einfach ’n schlechten Arbeitgeber. Arbeiten jahrelang zusammen und- Genau. Schlechte Rahmenbedingungen beim Arbeitgeber. Auch da: Ihr könnt auch mit ‚m ganzen Team wechseln. Also ihr könnt als Intensivteam samt dem Patienten – natürlich hat der Patient auch da die freie Wahl und man darf niemanden abwerben, das sollte man auch niemals tun.
Patrick Kremer: Ähm, aber ihr könnt auch mit ‚m ganzen, äh, als ganzes Team zu ’nem anderen Pflegedienst wechseln, ja. Es gibt, müsst euch net irgendwo bei irgendeinem kasteien lassen, ja. Okay, ähm, wir könnten auch gerne mal tiefer reingehen in authentische Beispiele, aber da überziehen wir’s heut echt so bisschen.
Rebecca: Ja, das sprengt ja jeden Rahmen heute.
Rebecca: Ist halt ’n schon komplexes Thema. Es gibt ja viele, viele Gründe und auch da in der Tiefe was, was einfach angesprochen werden muss. Aber ich würd sagen, Praxis kann man auch noch mal wann anders machen.
Patrick Kremer: Und noch mal zu dem Spruch: „Lieber den Teufel, den ich kenne“, der kostet euch Leben. Ja. Hört zu: Wenn ihr Als pflegende Angehörige ist ganz komisch im Du zu sprechen mit pflegenden Angehörigen.
Patrick Kremer: Das machen wir natürlich nicht, aber ich hab gesagt, in der Podcast-Reihe machen wir das Du. Wenn du als pflegende Angehöriger oder auch als [00:33:00] Intensivpatient eine der roten Flaggen hast, wechsel. Wenn du eine oder zwei der gelben Flaggen siehst, wechsel, informier dich. Mach jetzt, guck bitte, was kannst du tun, um für deinen, äh, Angehörigen oder für dich selber ’ne Lebensqualität zu schaffen?
Patrick Kremer: Du hast ’n Recht darauf. Du hast auch ’n Recht auf Kontrolle. Du hast ’n Recht auf Sicherheit und deswegen, ähm, schaut darauf und, ähm, kümmert euch, denn ihr seid das Sprachrohr für die Patienten. Ja. Ja. Rebecca, vielen lieben Dank für deine Zeit heute und dass wir uns wieder so gut unterhalten haben. Es macht Spaß und ich reg mich schon wieder auf über das- Ja, ich auch.
Patrick Kremer: Ja gut, da können wir schon wieder neue Themen machen. Ja. Ähm, jetzt hab ich hier wieder mein, ähm-
Rebecca: Sehr gerne, das, also ich war sehr gerne wieder dabei. Es macht wirklich Spaß mit dir, Patrick, und ist auch immer wieder schön zu sehen, dass doch die Grundeinstellungen dann doch identisch sind.
Patrick Kremer: Ja. Jetzt hab ich hier wieder meine Sätze, die ich ablesen muss.
Patrick Kremer: Probier’s mal zu komprimieren:
Patrick Kremer: Ihr müsst uns jetzt bitte hier folgen, abonnieren, teilen, weiterleiten. Also ihr seht’s auf Spotify, auf YouTube, wo auch [00:34:00] immer. Ähm, wir sitzen hier, weil wir Wissen weitergeben wollen, weil wir Wissen an euch weitergeben wollen und deswegen tut auch ihr uns bitte den Gefallen, teilt das, leitet’s weiter, sendet’s in ’ner, äh, WhatsApp-Nachricht, den Spotify-Link weiter.
Patrick Kremer: So helft ihr uns, dass, ähm, das Ganze publik wird und damit helft Intensivpatienten in ganz Deutschland. Okay, das war’s. Vielen Dank und bis zum nächsten Mal.
Rebecca: Tschüss.
Aufnahme- und Entlassungsprozess in der außerklinischen Intensivpflege (#01)
Wie läuft die Aufnahme in die außerklinische Intensivpflege ab und worauf sollten Angehörige beim Entlassmanagement aus der Klinik achten?
ANMERKUNG:
Diese Folge ist ausschließlich als Audio-Podcast verfügbar.
Kremer_podcast_Folge 1
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Kremer Intensiv, der Podcast für außerklinische Intensivpflege. Für Pflegekräfte, Angehörige und Betroffene, die mehr wollen als Standard. Denn Intensivpflege bedeutet Verantwortung, Druck und oft den Kampf um Lebensqualität. Wir sprechen offen über das, was andere verschweigen. Über Probleme, Lösungen und echte Erfahrungen.
Herzlich willkommen zum Kremer Podcast. Ehrlich, direkt und auf den Punkt.
Patrick Kremer: Heute geht es um den Aufnahme-, aber auch Entlassungsprozess in der außerklinischen Intensivpflege. Mein Name ist Patrick Kremer. Ich bin Geschäftsführer unseres Familienunternehmens, aber auch Pflegefachkraft mit Erfahrung in dem Bereich Beatmung.
Heute an meiner Seite, die seht ihr jetzt nicht, aber sie ist wirklich da: die liebe Rebecca, unsere Betriebsleitung der außerklinischen Intensivpflege. Auch die Rebecca natürlich, wie’s für uns üblich ist, Pflegefachkraft und absolute Expertin im Bereich außerklinische Intensivpflege.
Rebecca: Guten Morgen, Patrick.
Patrick Kremer: Schön, dass du da bist.
Rebecca: Ja, sehr gerne.
Patrick Kremer: Uns haben ganz viele Fragen in der letzten Zeit erreicht, ähm, zum Thema Aufnahmen oder Entlassungen. Und das wär jetzt einfach mal so ’n Punkt, wo ich mich mit dir drüber unterhalten möchte. Ich möchte also mal wissen, was ist in deinen Augen die perfekte, aber was ist vielleicht in deinen Augen oder in unseren Augen auch ’ne wirklich schlechte Aufnahme eines Intensivpatienten oder ein schlechtes Entlassmanagement.
Patrick Kremer: Und da du ja weißt, wie, was für ’n Charmeur ich bin und ich grad nicht weiß, was ich fragen soll, geb ich das Wort jetzt mal an dich weiter. Erzähl mir doch mal von deiner schlimmsten Überleitung eines Intensivpatienten in die Häuslichkeit.
Rebecca: Oh, da muss ich mal grad drüber nachdenken. Ich glaub, die schlimmste Überleitung, die ich jemals machen musste, war tatsächlich eine ohne jegliche Information.
Rebecca: Also mir hat– es war ein Wechsel von einem anderen Pflegedienst zu uns und wir konnten mit dem Pflegedienst aufgrund von Ja, nicht möglichen verbalen Strukturen überhaupt nicht kommunizieren und sind dann auf Pflegekräfte vor Ort getroffen, als wir die Übernahme gemacht haben, die auch kein Wort Deutsch konnten und auch einfach ganz schlimme medizinische Zustände dort geherrscht haben, auch Hygienezustände.
Patrick Kremer: Ich glaub, ich weiß, von welchem Fall du sprichst.
Rebecca: Ja, ich glaub, du weißt es auch noch. Das war damals, wo die Cola-Flasche als Absaugbehälter benutzt wurde und da so ’n Schimmelrand mit drin war. Das war ganz furchtbar. Stimmt. Das war tatsächlich die schlimmste Übernahme, die ich jemals gemacht hab und die ist mir bis heute, ich glaub, nach drei Jahren oder so noch im Kopf.
Patrick Kremer: Ja, stimmt. Also für die Zuhörer probier ich’s noch mal bisschen zusammenzufassen. Du musst dann aber reingrätschen. Da haben wir einen, ähm, Patienten übernommen, der auf außerklinische Intensivpflege angewiesen war, der beatmet war.
Rebecca: Ja, der war tracheotomiert und voll beatmet.
Patrick Kremer: Genau. Und ja, genau, genau, genau. Und die Übergabe gab es nicht. Die Personen vor Ort, ja, tatsächlich, man muss mal so sagen, die sprachen kein Deutsch, die Pflegekräfte.
Rebecca: Überhaupt nicht. Kein Wort. Also sie haben im Google Translator gearbeitet und auch die Angehörigen, die konnten ja gar nichts dafür. Also die wussten einfach nicht, was sie tun sollen. Das waren Laien, Laien, die versucht haben, uns irgendwas mitzuteilen, was aber überhaupt nicht zum Zustand des Patienten gepasst hat.
Patrick Kremer: Ja, stimmt, stimmt, stimmt. Und du hattest vorhin schon angesprochen, dieses Thema Cola-Flasche. Da haben wir ja tatsächlich noch Bilder davon, ne. Wenn wir mal so irgendwie ’n Expertengespräch machen, sollten wir vielleicht schon mal Bilder dazu oder vielleicht auch den Podcast anhängen. Müssen wir mal gucken, ob das technisch geht. Da war ’ne aufgeschnittene Cola-Flasche als Behälter fürs Absauggerät oder wie? Also als Spülflüssigkeit? Was war denn das genau?
Rebecca: Nee, als, ähm, Auffangbehälter, aber auch als Spülflüssigkeit gleichzeitig. Also praktisch haben sie mit dem abgesaugten Sekret auch den Schlauch durchgespült.
Patrick Kremer: Ja, wunderbar, wunderbar. Muss man aber sagen, den, ähm, Patienten betreuen wir jetzt auch schon dreieinhalb Jahre ungefähr und, ja, mittlerweile. Okay. Da muss ich jetzt wieder mal sagen, ähm, das ist auch ’ne Sache, die ich in meinem Buch erwähne: Wie kann es überhaupt dazu kommen, dass so ein, ähm, schwerst pflegebedürftiger Mensch an solch einen Pflegedienst gerät, wo wir doch wirklich viele gute, erfahrene Pflegedienste für außerklinische Intensivpflege haben und dann gerät er an, ähm, ja, genau so ’n Dienst.
Patrick Kremer: Also ich glaub, der Hauptgrund ist mir wahrscheinlich zustimmen, ist dann wieder so dieses typische Entlass-Ding mit „muss jetzt schnell nach Hause“.
Rebecca: Ja, also ich würd sagen, jede schlechte Entlassung ist darauf zurückzuführen, dass einfach dieser Zeitdruck in dem Entlassungsmanagement stattgefunden hat. Weil ich mein, wir wissen ja beide, Pflegefachkräfte und vor allem gut, die sind nicht arbeitslos aufm Markt. Und dieser Zufall, dass vielleicht ’n anderer Patient in der Region verstorben ist, wo du jetzt dieses Team frei benötigst für diese Aufnahme, der ist ja fast wie Lotto. Das muss man ja so sagen. Und wenn dann einfach dieser Druck dahinter ist und du über Nacht praktisch aufnehmen sollst, das kann, kann nicht gut werden.
Und die Dienste, die’s machen, ich glaube, da ist schon dieser größte Hebel für Qualität, um das erkennen zu können, dass ’ne Aufnahme gut ist oder nicht.
Patrick Kremer: Genau. Genau das, wie du’s sagst, ist auch das, was ich in meinem Buch nenne und, ähm, genau das ist der Hebel und wir sehen’s ja bei uns auch alltäglich.
Patrick Kremer: Jetzt überleg doch mal: Wie oft kriegen wir Anrufe bei Erstversorgungen von Kliniken? Äh, ja, wir haben hier ’nen Patienten, Bedarf der außerklinischen Intensivpflege ist da und der soll dann in zwei Wochen oder in zehn Tagen entlassen werden. Oh, das ist aber noch ’ne große Spanne. Echt? Ja, wir würden gern morgen entlassen.
Patrick Kremer: Es ist aber eigentlich wirklich total schade und ich hab auch schon nach Lösungen gesucht oder Lösungen auch vorgeschlagen, weil Kostenträger sagen ja dann ganz klar: „Hier, ähm, teuer, muss jetzt mal nach Hause.“ Ärzte oder Kliniken sagen dann vielleicht auch: „Okay, Intensivbett ist nicht mehr notwendig“, ähm, aber es ist kein Pflegedienst da. Aber wenn wir doch jetzt mal das Rad zurückdrehen und an diese Patienten denken, wir gehen mal an einen Traumapatienten. Ich schau jetzt hier grade aus dem Fenster und ich seh wunderbares, ja, Wetter, ’n blauen Himmel. Ich würd schon sagen, es ist bisschen warm, wir haben März. Und das ist ja jetzt grad so die Zeit, wo die Motorradsaison wieder losgeht.
Und ich als Motorradfahrer kann da, glaub ich, drüber sprechen und Weiß, wie viele Unfälle da auch passieren. Und wir haben ja auch, ähm, Intensivpatienten, die durch zum Beispiel Motorradunfälle verunglückt sind und- Ja, sehr häufig sogar. Äh, genau diese Traumapatienten, die ja oft, ähm, ’ne hohe Querschnittslähmung erleiden, welche mit ’ner Beatmung einhergeht.
Das sind ja genau diese Patienten, bei denen man in der Regel schon nach ein paar Tagen weiß, aus fachlicher Sicht, ärztlicher Sicht und Pflegersicht, diese Menschen werden in zwei, drei, vier Monaten einen Intensivpflegedienst brauchen.
Rebecca: Also wenn du mich fragst, weißt du das eigentlich, sobald die Diagnose steht und du den Patienten siehst.
Patrick Kremer: Genau, es gibt ja Diagnosen, da ist es leider so, dass da auch kein Weaning möglich ist, also keine Entwöhnung von der Beatmung. Und aber was passiert jetzt? Dieser Patient geht in eine Akutklinik, hat dann in der Regel Erstversorgung, Stabilisation, Operationen und wird dann aus dieser Klinik oft in eine, entweder in eine Intensiv-Reha verlegt oder in eine andere Reha-Einrichtung.
Patrick Kremer: Und irgendwie erst zu guter Letzt, also wirklich, wenn alles andere geklärt ist, alle Hilfsmittel schon da sind, dann wird gesagt: „Hier, er braucht einen Intensivpflegedienst“, und dann wird informiert, gell?
Rebecca:Ja, ist eigentlich so der letzte Punkt tatsächlich, dass der Intensivpflegedienst zum Einsatz kommt und das, was du ja eben in einer Long Story beschrieben hast, das sind jetzt-
Patrick Kremer: Du willst also sagen, ich rede zu viel?
Rebecca: Absolut. Aber man muss ja auch einfach sagen, das sind tatsächlich Minimum sechs bis neun Monate, vielleicht sogar über ’nen Jahr, anderthalb Jahre, wo der Patient in Einrichtungen ist, im Krankenhaus ist, in dieser Spezial-Reha, vielleicht auch einfach noch mal ’ne Reha nachgeschoben wird, vielleicht auch noch mal ’ne Überbrückung in der Intensiv-WG stattfinden muss, wo einfach dann Diese Zeit nicht genutzt wird.
Patrick Kremer: Dann werden ja oft Pflegedienste genommen, die ganz schnell sind, dann oft ohne Qualität, mit aus, mit, mit, mit nicht ausreichend Personal, mit teilweise, ja, kriegen wir immer noch mit unqualifiziertem Personal.
Patrick Kremer: Wie fühlen sich denn die Pflegekräfte dann? Das ist doch furchtbar. Das muss doch auch für– Also für mich als Pflegekraft ist das doch furchtbar, wenn ich irgendwo eingesetzt werde und genau weiß, ich kann das hier gar nicht, ich kann diese Versorgung gar nicht sicherstellen. Das ist doch …
Rebecca: Also ich kann grad noch mal auf die Pflegekräfte eingehen. Da ist nämlich der größte Punkt, da ich ja relativ viele Bewerbungsgespräche führe für unseren Bereich der Intensivpflege, ist immer wieder der Punkt, der Punkt der Einarbeitung und auch der Punkt der Fort- und Weiterbildung. Ganz, ganz häufig haben Pflegekräfte nicht mal den Basiskurs für die außerklinische Heimbeatmung.
Patrick Kremer: Und sind aber schon dort eingesetzt oder was?
Rebecca: Teilweise über Monate da eingesetzt und wissen gar nicht, was sie machen.
Patrick Kremer: Was ja absolut gar nicht mehr erlaubt ist. Wir haben ja mit der, ähm, Änderung, mit dem neuen Rahmenvertrag, ähm, 132l SGB fünf, äh, ganz klar die Vorgabe: Wenn jemand nicht die Erfahrung hat oder, ähm, den Fachweiterbildung aus der Klinik hat, muss er den Basiskurs machen, ja.
Rebecca: Vollkommen korrekt, aber es ist, die Realität ist anders als die Theorie, wie so oft im Leben.
Patrick Kremer: Ja, wunderbar. Ja, das ist, ist schon spannend. Okay, ähm,
Patrick Kremer: jetzt lass uns aber mal ein bisschen, ähm, ins Positive rüber schwappen, weil ich krieg da schon wieder innerlich so ’n paar, ah, Emotionen bis Aggressionen, weil ich schon wieder-
Rebecca: Man sieht die Zornesfalte, die entwickelt sich.
Patrick Kremer: Hast du das jetzt echt gesagt? Memo an mich selbst: Rebeccas Gehalt kürzen. Okay, dann machen wir mal weiter. Aber, ähm, jetzt gehen wir doch mal auch zur guten Überleitung. Und da Ähm, gibt es ja auch wirklich viele. Ich möchte mal von einer erzählen. Ähm, das war ein junger Mann aus dem Rhein-Main-Gebiet, der auch durch einen Schwimmunfall war das, ähm, eine hohe Querschnittslähmung tatsächlich erlitten hat.
Patrick Kremer: Und, ähm-
Rebecca: Ich weiß direkt, wen du meinst.
Patrick Kremer: Ja? Okay. Er wurde, ähm, erstversorgt in einer großen, guten Frankfurter Klinik, also genau die richtige Klinik für genau diesen Fall. Und, ähm, in der Klinik tatsächlich schon und da war er nur sieben oder acht Tage, wurden wir schon informiert. Da wurde gesagt: „Hier, wir haben hier einen Patienten, der wird in ein paar Monaten“, und dann wurde der Patient verlegt nach Heidelberg.
Patrick Kremer: Mhm. Auch in eine sehr gute Klinik für die Rehabilitation und aber auch mit Intensivstation und allem drum und dran. Und, ähm, da sind wir dann schon hingefahren. Also wir hatten hier schon den Kontakt. Wir wussten über den Patient. Wir konnten uns also da schon seine Häuslichkeit anschauen, alles vorbereiten zu Hause mit den Angehörigen.
Patrick Kremer: Die Angehörigen haben tatsächlich noch umgebaut damals, den Wohnraum barrierefrei gestaltet, konnten alles klären, konnten in Heidelberg, der war, glaube ich, wie lang war denn der da? Drei, vier Monate vielleicht so was, gell? Das ist so ein Standard auf jeden Fall. Irgendwie drei, vier Monate. Und als er nach Hause gekommen ist, hatten wir das feste Intensivteam aus ausreichend Pflegefachkräften, die vorher den Patient in Heidelberg schon gesehen haben, ihn kannten.
Patrick Kremer: Daheim war alles vorbereitet und er konnte wirklich mit einem Sicherheitsgefühl nach Hause. Und ich meine, er war ja auch oder ist ja auch ein junger Mann und auch die, die Angehörigen, die Eltern hatten ja dadurch eine Sicherheit, ähm, die eigentlich immer gewährleistet sein muss, ja.
Rebecca: Absolut. Und den Patienten, den betreuen wir ja auch noch bis heute. Und wenn ich da zurückblicke, was wir da alles schon gemacht haben von Ausflügen über in die Disco, ins Kino, auf Feste, auf Geburtstage begleitet, alles Mögliche gemacht mit aber der richtigen medizinischen Betreuung, dem festen Team.
Patrick Kremer: Ich finde, ich bin der Meinung, man muss doch auch viel öfter aussprechen und ehrlich aussprechen, was für ’n Risiko auch eine Pflegefachkraft eingeht, wenn sie so was mitmacht, wenn sie dann irgendwie als Kraft in einem Team, wo normal sechs Pflegefachkräfte sein sollen, nur zu zweit ist, Überstunden schrubbt, länger in der Versorgung ist, die typischen zwölf Stunden überschreitet.
Patrick Kremer: Da geht’s ja nicht nur um arbeitsrechtliche Problematiken, da geht’s ja auch um, um, um teilweise Betrug gegenüber den Krankenkassen und, ähm, unqualifizierte Einsatz von unqualifizierten Pflegefachkräften. Wir sprechen hier nicht von einem Kavaliersdelikt. Wir sprechen hier auch nicht von Falschparken und da jetzt auch bitte ’n Hinweis an alle Pflegekräfte, die das hier hören: Ihr spielt bei so was mit eurem Examen.
Patrick Kremer: Ihr begeht ’ne Straftat und hier ist wie gesagt keine Ordnungswidrigkeit von 50 Euro, du hast mal falsch geparkt. Nein, dafür kannst du ins Gefängnis gehen. Das ist ’ne Straftat, ähm, das zu machen, unqualifiziertes Personal einzusetzen, ähm, in der außerklinischen Intensivpflege. Also da sollte auch jeder wirklich darauf achten: Bin ich qualifiziert, qualifiziert dafür?
Patrick Kremer: Habe ich eine Weiterbildung, wie zum Beispiel den Basiskurs der außerklinischen Intensivpflege gemacht? Und da können wir übrigens mal im nächsten Podcast darüber sprechen, ähm, welcher Basiskurs ist denn überhaupt der richtige und was für einer sollte es sein und was sind denn vielleicht Sachen, die man gar nicht machen sollte?
Patrick Kremer: Da geb ich mal so ’n Schwenk zu Online-Kursen, ja. Aber noch mal zurück, ja. Pflegekräfte müssen echt aufpassen, weil sie sitzen mit im Boot, wenn so was passiert.
Rebecca: Absolut. Ich weiß auch gar nicht, Pflegekräfte lernen ja eigentlich mit der Ausbildung schon, dass sie immer mit einem Bein im Knast stehen. Das ist ja so das ganz Typische, was man lernt und dass man dann aber da einfach so fahrlässig damit umgeht und sich darüber gar nicht im Klaren ist und sich das auch nicht bewusst macht, dass wenn ich einen 24- oder 36-Stunden-Dienst mache, was ja in vielen Pflegediensten sehr üblich ist.
Patrick Kremer: Abartig.
Rebecca: Wahnsinn, oder? Also ich kann doch gar nicht mehr gewährleisten, dass meinem Patient nichts passiert. Und ich würde nicht damit leben können, wenn meinem Patienten aufgrund von ’nem 24-Stunden-, 36-Stunden-Dienst tatsächlich dann was passieren würde und ich wär eigentlich schuldig, weil ich’s ja einfach komplett unterstützt hab.
Patrick Kremer: Ja, stimmt. Du hast das geduldet und hast es gewusst und hast es damit auch mit unterstützt. Ja, das ist genau so. Also auch da einfach fürs Gewissen. Absolut. Okay, Rebecca, wir machen mal eine ganz kurze Pause. Im Radio würde man jetzt Musik einspielen. Mal gucken, ob unser, unser Technikmann das kann. Äh, trinken kurz was und machen dann gleich weiter.
Rebecca: Jawohl.
Patrick Kremer: Okay, wir sind wieder da aus der kurzen Pause, was getrunken und ja, wir würden jetzt mal einfach auch
Patrick Kremer: sagen: Wie sieht denn eine gute Entlassung aus? Ähm, da würden wir mal sagen, soll ich die Klinik machen und du die Häuslichkeit, die Übernahme?
Rebecca: Ja, fänd ich super, wenn du’s machen.
Patrick Kremer: Dann mach ich also die Übernahme aus der Klinik. Wie sieht so was in gut aus? Und du machst die Übernahme: Wie sieht’s aus, wenn ein guter Intensivpflegedienst ’n Patienten von einem anderen kollegialen Intensivpflegedienst übernimmt? In der Klinik. Also ich finde auch da, Kommunikation ist alles. Die richtigen Akteure müssen miteinander sprechen und ich vergleiche das immer gerne mit einer Baustelle.
Patrick Kremer: Hab zwar vom Bau überhaupt keine Ahnung, aber so jeder weiß so bisschen was vom Bau. Stellt euch mal vor, ihr baut ein Haus und der Elektriker hat die Kabel noch nicht verlegt, aber der Putzmeister verputzt das Haus schon. Oder es ist noch gar keine Dachbalken und Sparren drauf, aber es kommt schon der Dachdecker und will mit Ziegeln da drauf oder das Haus…
Patrick Kremer: Also wie gesagt, es muss ’ne Absprache stattfinden und so ähnlich ist es auch in der außerklinischen Intensivpflege im Entlassmanagement. Und Entlassmanagement ist da übrigens ein gutes Wort, weil was viele nicht wissen- Entlassmanagement ist gesetzlich geregelt und ein Patient oder auch Angehörige haben einen Anspruch darauf.
Patrick Kremer: Also wer so was wissen will, ist der Paragraph 39 SGB fünf, der kann da nachlesen. Äh, man hat ’n Recht auf ’n professionelles Entlassmanagement und, ähm, da muss man auch manchmal vielleicht bisschen hinweisen, ne. Die Realität in der Klinik ist ja oft Zeitdruck, der da ist, ähm, ’n Sozialdienst, der auch gern mal überlastet ist, ähm, was aber, ähm, net an den Personen an sich liegt, sondern einfach an dem Arbeitsaufkommen.
Patrick Kremer: Wenn ich, äh, 20, 30 Entlassungen pro Tag von in Anführungsstrichen normalen Patienten plane und dann hab ich so ’n hochkomplexen Fall wie ’n Intensivpatient, das ist schon richtig viel. Das ist schon wirklich richtig viel. Ähm, ja, ’ne gute Entlassung, wie sieht die aus? Vor allem man braucht Zeit. Warum braucht man Zeit?
Patrick Kremer: ‚Ne Intensivversorgung, wenn wir mal rechnen, 24 Stunden wird der Patient versorgt an 30 oder 31 Tagen im Monat, dann brauche ich dafür sechs Pflegefachkräfte ungefähr. Das heißt so um die 500 bis 600 % an Pflegefachkräften. Das sind Vollzeitkräfte in dem Fall. Könnt natürlich auch mehr sein bei Teilzeit, aber ich hab ja das Personal net zur freien Verfügung.
Patrick Kremer: Es steht ja net da rum und wartet, jo, irgendwann arbeite ich mal. Nein, das ist ja eingesetzt und das ist ja der Clou an der Sache. Die Pflegefachkräfte haben ja Kündigungsfristen und das heißt, heute zum Beispiel ist der 19. März. Wenn ich jetzt heute einen, ähm, Patienten angekündigt bekomme und sage, ich möchte ihn aufnehmen, dann muss ich jetzt in das Recruiting gehen.
Patrick Kremer: Ich muss interne Prozesse zum Laufen bringen, ich muss Bewerbungen generieren. Jetzt sagen wir mal, nächste Woche irgendwie, wenn ich wirklich gut bin, ich mein, heute ist Donnerstag, Ende nächster Woche hab ich die ersten Bewerbungen und, ähm, ich glaub, wir sind da ganz vorne dabei. Keiner rekrutiert so gut und so schnell wie wir.
Patrick Kremer: Das stimmt. Und wenn wir Ende nächster Woche, also 26. bis 27. März, die ersten Bewerbungen haben und Vorstellungsgespräche führen Müssten wir dann natürlich noch die gesetzlichen Kündigungsfristen, die sind ja in der Regel vier Wochen. Also du bist mal irgendwann falsch abgebogen, dann sind’s auch sechs Wochen oder paar Monate, gell.
Patrick Kremer: Da gibt’s ja so paar Einrichtungen, die dann irgendwie so Knebel-Tarifverträge haben.
Rebecca: Ganz toll ist auch, wenn’s so, ähm, Jahreswechsel ist, wenn’s dann die, äh, Sonderzahlung geht, die zurückgezahlt werden müsste. Ja genau. Also da, liebe Pflegekräfte, achtet darauf, wo ihr arbeitet und was da für ’n Tarif ist.
Patrick Kremer: Ein Hoch auf den öffentlichen Dienst. Okay, ähm, ja und dann hab ich die Kündigungsfrist. Das heißt, der ganze April, aber auch nur, wenn die Pflegefachkraft sich nächste Woche schon entscheidet, wäre allein die vier Wochen Kündigungsfrist mit Abfeiern vom Urlaub und auch Überstunden und so weiter. Wenn alles gut läuft und ich jetzt wirklich, äh, ich mein, wir rekrutieren ja, sagen wir mal, wir haben jetzt nächste Woche 25 Bewerbungen, was ja realistisch für uns ist, wollen aber nur die Besten haben, ähm, stellen die davon ein, dann haben wir am 1.Mai ein Teil des Teams, eher aber am 15. Mai. Und das heißt, das sind, wenn wir schnell sind, sechs bis acht Wochen, die einfach gebraucht werden. Aber jetzt sind wir da bei genau diesem Thema. Also Zeit. ‚Ne Klinik oder auch alle Akteure müssen wissen, bevor so ’n Intensivpatient nach Hause kann, ist viel zu tun.
Patrick Kremer: Der Pflegedienst muss sein Team aufbauen. Das dauert wirklich lange. Ähm Auch wenn eine Klinik dann ganz schnell entlassen will, das funktioniert einfach so nicht, ja. Die Akteure, die da zusammenarbeiten, das auch was ganz, ganz Wichtiges. Also der Sozialdienst unbedingt, die Ärzte, die behandelnden Ärzte, aber auch die übernehmenden Ärzte.
Patrick Kremer: Wir wissen ja, wir brauchen, ähm, die Hausärzte, wir brauchen potenzialerhebende Ärzte. Wir, genau. Die Krankenkasse muss mit ins Boot geholt werden, um da alle Kostenfragen zu klären. Die Krankenkasse ist in diesem Fall übrigens nur für die Kostenübernahme da, also nur fürs Bezahlen. Für was anderes ist die Krankenkasse in diesem Fall dann nicht da.
Patrick Kremer: Alles andere klärt der medizinische Dienst. Der Pflegedienst muss mit reingeholt werden, aber auch genauso die Angehörigen und das Umfeld, weil also man ist ja nicht darauf, ähm, vorbereitet, dass man als Intensivpatient nach Hause kommt und hat daheim eine Intensivstation vorbereitet, sondern man hat ja seinen Wohnraum und da gibt’s Wohnzimmer, Schlafzimmer oder Ähnliches und, ähm, vielleicht auch nicht barrierefrei und das muss ja angepasst werden.
Patrick Kremer: Und wenn man die Zeit dafür hat, wir sehen’s ja tagtäglich, kann man in aller Ruhe daheim wirklich die perfekte Versorgung planen und die perfekte Übernahme. Und, ähm, ja. Ich fall dir mal ganz kurz ins Wort. Du hast ja grad die kompletten Strukturen einfach total gut aufgezählt. Aber was halt Zeit auch noch beinhaltet, ist, dass man dann tatsächlich auch ’n Vorabkennenlernen planen kann mit dem Team, mit den einzelnen Mitgliedern.
Rebecca: Man kann in einer Klinik tatsächlich auch ’n Stück weit schon eine Einarbeitung machen mit den Bezugskräften. Dann hast du auch die, ähm, nicht diesen Charakter, diese fremden Gesichter in deinem eigenen Haus, sondern hast halt wirklich die Möglichkeit, den Angehörigen, aber auch dem Patienten schon das Team vorzustellen. Und das ist für mich immer der größte Hebel für eine perfekte Übernahme.
Patrick Kremer: Das ist ’n Game Changer. Das ist ’n absoluter Game Changer, wenn der Patient im Krankenhaus ist und lernt seine Pflegekräfte kennen. Blick mal, er kommt nach Hause, er war drei Monate nicht zu Hause und auf einmal sind da fremde Leute.
Rebecca: Das ist natürlich genau, das ist absolut- Aber auch andersrum. Also auch die Kräfte sehen ja, ähm, die Pflegekräfte sehen, wo fangen sie an, bei welchem Patient werden sie arbeiten? Was sind diese Individualitäten, was ja manchmal auch so diese ersten Wochen so hart macht für Pflegekräfte, die sie einfach schon übergeben bekommen können, was super ist.
Patrick Kremer: Ja, vollkommen richtig. Okay, dann fasse ich mal so ’n bisschen zusammen. Also klar muss sein, erst Team, dann Patient, nicht andersrum. Ist ’ne Regel. Merkt’s euch, merkt es euch bitte. Erst Team, dann Patient. Anders funktioniert es nicht.
Rebecca: Das ist wie beim Hausbau, erst die Bodenplatte, dann machen wir weiter.
Patrick Kremer: Absolut, ja. Erst das Fundament. Ähm, okay, ähm, das Team steht vor der Entlassung. Dann es muss klare Verantwortlichkeiten geben. Es muss ’n Ansprechpartner geben, auch beim Pflegedienst. Es ist nicht einfach irgendwie einer, der mal ans Telefon geht, „ja, wir übernehmen den Patient.“ Nein, es muss einen Fallmanager geben oder einen Case Manager.
Patrick Kremer: In kleinen Intensivpflegediensten, die ich aber generell als wirtschaftlich sehr gefährdet ansehe, also alles unter 30 Patienten ist da wirklich sehr gefährdet, wird’s dann oft die Pflegedienstleitung machen, aber es muss ’n festen Ansprechpartner geben. Die, ähm, Patienten und die Angehörigen müssen ihre Teamleitung kennen.
Patrick Kremer: Ähm, es muss ’ne direkte Ansprechbarkeit und ’ne Erreichbarkeit auch geben und ’ne Struktur. Ähm, es muss geklärt sein, wann kommt der Patient wie nach Hause, welche Diagnosen hat er? Es müssen die Provider informiert werden, also externe Firmen, die, ähm, die Geräte, die man dann zu Hause braucht, um so eine kleine Intensivstation aufzubauen, wie das Beatmungsgerät, die Überwachung, die Pulsoximetrie.
Rebecca: Absauggeräte, Ersatzgeräte vor allem auch, dass dann einfach der Notfall abgedeckt ist, wenn was wäre.
Patrick Kremer: Genau, die Pflegehilfsmittel, Pflegebett, was man alles braucht, dass das wirklich alles zu Hause ist. Das muss dann klar in eine Struktur gepackt werden, ein Ablaufplan, ähnlich einem Projekt, wenn wir wieder beim Hausbau sind, ja.
Patrick Kremer: Ähm, genauso ist es. Es ist ein hochkomplexer Patient, das ist ein schwerkranker Mensch und ich möchte es hier jetzt auch noch mal in aller Deutlichkeit sagen: Es kann nicht sein, dass wir da auf irgendwelchen, aus irgendwelchen Kostengründen oder Druck, sei es von Kostenträgern oder auch von Kliniken, es muss jetzt schnell gehen, muss entlassen.
Patrick Kremer: Nein, muss es nicht. Hier ist ein Mensch, der vielleicht vor ein paar Wochen oder paar Monaten noch genauso wie ich das jetzt mache, hier gesessen hat und vielleicht hat er auch ’n Podcast aufgenommen. Vielleicht hat er doch seine Kinder in die Kita gebracht oder er war arbeiten und auf einmal hat sich sein Leben komplett verändert und aufgrund von, ähm, fehlerhafter Struktur der Menschen, die einfach nicht wissen, was sie tun, ähm, kann es nicht sein, dass dieser Patient ’n schlechtes Entlassmanagement bekommt, denn er hat ein Recht da drauf und er hat dafür sehr viel Geld eingezahlt und hat ein Recht da drauf.
Patrick Kremer: Also ganz wichtig. Eine transparente Kommunikation auch unbedingt wichtig, ja. Ähm, ein Pflegedienst, der muss der Klinik ganz klar sagen: „Hier nein, ich kann jetzt nächste Woche nicht übernehmen. Das geht nicht mit Qualität, sondern ich brauche meine sechs bis acht Wochen.“ Und da ist auch ganz klar der wichtigste Punkt: Qualität kommt vor Schnelligkeit.
Patrick Kremer: Das ist ganz, ganz, ganz wichtig. Die Entlassung ist nämlich nicht das Ende der Krise, sondern ganz oft erst der Anfang. Merkt euch das. Die Entlassung ist oft nicht das Ende der Krise, sondern der Anfang. Warum? In der Akutsituation ist der Patient in der Klinik. Er ist rundum versorgt, er hat Ärzte, er hat Pflegekräfte um sich rum.
Patrick Kremer: Und dann auf einmal wird er in die Häuslichkeit entlassen und wenn da nicht alles perfekt ist, beginnt da erst die Krise. Und da ist auch die, ähm, größte Lücke im System. Das ist die Zeit zwischen der Entlassung und der funktionierenden Versorgung. Die muss aufgebaut werden. Das ist ganz wichtig. Auch dazu zu sagen ist, ein Pflegedienst ohne festes Team oder schwammige Aussagen wie: „Ja, wir beginnen mal mit zwei, drei Pflegekräften und die nächsten kommen schon dazu.“
Patrick Kremer: Finger weg, Finger weg. Wirklich gefährlich. Da geht’s um, um Leben und Tod, um es so zu sagen und da muss man, ja, tierisch aufpassen. Eine gute Entlassung, die bedeutet eigentlich, du gehst nach Hause als Patient und du fühlst dich sicher. Du siehst als Angehöriger deinen Angehörigen zu Hause und du fühlst ihn gut versorgt und gut aufgehoben.
Patrick Kremer: Und das ist ganz, ganz wichtig, ne. Entlassung muss vollumfänglich mit allen Akteuren geplant sein: Ärzte, Sozialdienst, Therapeuten für zu Hause, Wohnraumanpassungen, Baufirmen, die zu Hause umbauen, die Angehörigen, die informiert werden. Vielleicht gibt’s auch Angehörige im Haus, vielleicht gibt’s auch Kinder im Haus.
Patrick Kremer: Kindern sollte man erklären: „Ja, ähm, er kommt jetzt nach Hause, hat vielleicht Geräte da, die piepsen vielleicht auch mal. Was ist das?“ Ja. Und da ist ganz wichtig aus meiner Sicht: Das System, das ist ganz sicher nicht perfekt. Absolut nicht. Aber wenn du als Angehöriger oder als Pflegekraft weißt, auf was du achten musst, dann kannst du wirklich ’ne, ähm, gute Entlassung nach Hause net nur fordern, weil das ist dein gesetzliches Recht, sondern du kannst sie auch überprüfen und überwachen.
Patrick Kremer: Und ja, ich glaub, ich schweif schon wieder …
Rebecca: Nee, ich schweif net ab. Ich glaub, du wolltest- Du schweifst nicht ab. Also du hast das sehr gut gemacht. Ich will, ich will’s jetzt bei dir einfach mal noch, äh, komplementieren.
Patrick Kremer: Darf ich noch mal mein Buch pitchen?
Rebecca: Nein, darfst du nicht.
Patrick Kremer: Bitte. Zum Ende, okay?
Rebecca: Okay. Aber ich hab da tatsächlich für dein Thema, was du grade gemacht hast, perfekt den Abschlusssatz.
Rebecca: Also von uns ’nem Patienten tatsächlich, kennst du auch, warst du auch erst neulich. Er hat nämlich ganz toll gesagt: „Als ich aus der Klinik raus bin, hat zu Hause mein neues Leben angefangen.“ Und ich glaube, das beschreibt das, was du grade sagen wolltest, ganz genau. Also was würdest du dir für dein neues Leben auch wünschen?
Dann hast du natürlich aber auch diesen Punkt: Was ist denn, wenn du den falschen Pflegedienst gewählt hast? Oder vielleicht was ist-
Patrick Kremer: Noch mal ganz kurz zum Patienten. Du hast da vollkommen recht und, ähm, es brodelt grade in mir, dass ich mein Buch net pitchen darf. Ich muss. Und zwar, ähm, nein, also nur ganz kurz: Ähm, ich könnt jetzt wieder noch viel mehr ausschweifen, aber all das hab ich genau in diesem Buch beschrieben und, ähm, ja, es ist genauso.
Patrick Kremer: Man spürt’s, wenn man’s jetzt spricht, man spürt es wieder, wie oft das System da doch versagt. Ähm, jetzt geb ich aber an dich weiter und wir machen jetzt mal die Übernahme.
Rebecca: Das machen wir auf jeden Fall. Also was passiert, wenn du den falschen Pflegedienst genommen hast? Was ist, wenn dein Pflegedienst vielleicht einfach wirtschaftlich nicht stabil ist und er vielleicht ’ne Insolvenz anmeldet und du brauchst einen neuen Pflegedienst?
Also es gibt wahrscheinlich 100 verschiedene Möglichkeiten, warum du von dem einen Pflegedienst zu ’nem anderen Pflegedienst wechselst. Die können wir auch gern mal in einer separaten Folge machen, Patrick, wenn du das möchtest, von unserem Podcast. Wechselgründe. Wechselgründe. Ja, Wechselgründe. Warum wechsle ich meinen Intensivpflegedienst?
Warum wechselt man einen Intensivpflegedienst? Du kriegst fünf Gummipunkte. Das war ’ne gute Idee. Da hatt ich Glück beim Denken, würd ich sagen. Ja. Auf jeden Fall muss man sagen, ähm, eine gute Überleitung von einem Pflegedienst ist auch mit Kommunikation verbunden. Es gibt natürlich den, wo man nicht kommunizieren darf, weil vielleicht einfach der Pflegedienst, ja, schon unqualitativ die ganze Zeit gearbeitet hat mit Kräften, die nicht wissen, was sie da tun.
Rebecca: Das ist da, wo wir tatsächlich auch ganz oft in Erstgesprächen auch inkognito aufschlagen, einfach um die Versorgung nicht zu gefährden, dass dann einfach vielleicht auch mal über Nacht keine Pflegekraft mehr da ist. Haben wir leider Gottes auch schon erlebt. Eine gute Überleitung, aber über die wollen wir ja jetzt sprechen, hab ich tatsächlich auch schon mitgemacht mit einem anderen Pflegedienst, die sich bei uns gemeldet haben und gefragt haben, ob wir freie Kapazitäten haben, weil sie einfach ’n ganz gravierenden Personalmangel in dieser Region hatten und auch praktisch diese komplette Region als Versorgung abstoßen wollten.
Rebecca: Und da konnten wir sogar zwei Stammkräfte übernehmen und haben dann auch einfach noch das dazu rekrutiert, was wir gebraucht haben an Personal. Und das war wirklich ’ne gute Überleitung, weil wir alles von den Patienten wussten. Wir konnten den Patienten kennenlernen, die Angehörigen haben uns kennengelernt. Wir wussten über das Krankheitsbild Bescheid.
Rebecca: Was gab’s bei diesem Patienten für Medikamente? Was sind Notfälle, die vielleicht schon mal aufgetreten sind? Oder was sind potenzielle Notfälle, die auftreten könnten? Es geht darum, wie ist sein Tagesablauf? Also grade der Tagesablauf ist ja so individuell, den muss man einfach kennen. Ansonsten ist es wieder so ’ne Kennenlernphase, die ganz oft auch zu Unzufriedenheit führt.
Patrick Kremer: Wollen wir daraus ’n Thema machen? Der Tagesablauf eines Intensivpatienten. Boah, das ist ja ’ne riesige Folge. Ja, aber das ist cool. Können wir machen, ja. Absolut. Okay. Ja.
Rebecca: Ähm, was ist vielleicht auch ’ne Besonderheit? Also in dieser Häuslichkeit, wie du schon mal gesagt hast, gibt’s Kinder. Was muss man wissen?
Rebecca: Sind Angehörige vielleicht auch irgendwie pflegebedürftig betroffen? Haben sie Erkrankungen? Also da ist ja einfach so viel Komplexes und wenn man da ’n guten Pflegedienst hat, der mit einem kommuniziert und ’ne gute Überleitung macht, dann ist der Start natürlich um einiges leichter. Man kann es natürlich auch ohne diese Überleitung schaffen, wenn man einfach ’n guter Pflegedienst ist, aber es ist schon eher hart, muss man so sagen.
Rebecca: Ansonsten dann auch einfach mal schauen zu können.
Patrick Kremer: Wenn wir dieses Thema haben, um dich da kurz zu unterbrechen, du hast ja gesagt, die Übergabe. Mhm. Das find ich so ultrawichtig, dass, ähm, weil ich mein, es ist doch heute, es ist doch, es ist
Patrick Kremer: doch kein Machtkampf, es ist doch hier kein Konkurrenzkampf. Wir wollen doch ’n Patienten gut versorgen und dass wir dann, ich mein, es gibt ja auch, ähm, Situationen, das sind einfach wichtige Informationen.
Rebecca: Absolut. Da muss ’ne Übergabe stattfinden. Also auch ich konnte damals, äh, super mit dem Geschäftsführer von diesem Pflegedienst sprechen und wir haben auch das Auf-, also das Aufnahmedatum von uns praktisch sein Entlassdatum gemeinsam koordiniert. Einfach wann passt es? Wann ist der Patient am Ende sichergestellt?
Rebecca: Wann ist die Pflege sichergestellt? Wann ist es für alle Beteiligten einfach machbar, qualitativ, aber auch Ja, gut. Also für alle Beteiligten so ’n gutes Gefühl zu haben. Und das war einfach möglich. Wir konnten Kräfte einstellen, wir konnten sie sogar noch mit den anderen Kräften einarbeiten. Das war super. Das, ähm, auch die Dokumentation, also von Dokumentation natürlich kann man Überleitungsbogen schreiben, wie man den so kennt, aber was sagt der über diesen Menschen aus? Wie wir schon öfter gehört haben, es geht um hochkomplexe Krankheitsbilder. Es geht um Menschen, es geht um junge Menschen teilweise. Da reicht so’n Überleitungsbogen meines Erachtens überhaupt nicht aus.
Rebecca: Ich kann ’n Medikamentenplan lesen, aber von dem Medikamentenplan weiß ich noch lange nicht, wie ist sein Tagesablauf? Was braucht er wirklich? Vielleicht kann er ja auch nicht mehr reden, kann nicht mit mir kommunizieren. Vielleicht gibt es keine Angehörigen. Es gibt ja einfach viele verschiedene Varianten und da ist einfach diese Kommunikation vom anderen Pflegedienst Gold wert.
Rebecca: Dann auch, wer ist mein Ansprechpartner? Also in einem Überleitungsprozess, äh, vom Pflegedienst zum Pflegedienst. Wer ist mein Ansprechpartner? Mit wem koordinier ich diese Entlassung bei ihm, aber die Aufnahme bei mir? Das ist auch ganz wichtig für mich zu wissen.
Patrick Kremer: Ja, ist ja schon also sehr, sehr analog zur Klinik, nur dass es halt keine Klinik ist, sondern einfach nur das Team.
Patrick Kremer: Die Zeit braucht man trotzdem, wobei wir ja oft merken, dass Pflegekräfte in ganzen Teams zu uns wechseln und, ähm, wir- Das haben wir tatsächlich oft, ja. Ja, das, das merken wir. Dann kann man wie gesagt das schneller aufnehmen, aber ansonsten gilt auch da die Zeit, ja. Ich würde aber, Rebecca, dich noch mal bitten zu dem Prozess, bevor du den perfekten Prozess weiter beschreibst, noch mal kurz auf dieses Thema anonym.
Patrick Kremer: Warum müssen wir manchmal anonym nennen und wie machen wir das so?
Rebecca: Ich geb dir das beste Beispiel. Wir waren einmal in einem Erstgespräch, da hat die Mutter der Patientin bei uns angefragt, nicht anonym und haben, ich glaub, damals warst sogar du da im Erstgespräch. Das war, ist schon sehr, sehr lange her und du bist damals hingefahren und man kannte dich und auch die Pflegekraft vor Ort kannte dich und hat das dem Pflegedienst damals mitgeteilt und die Ähm, ja, Kündigung von diesem Pflegedienst kam noch an dem Tag, wurde zugestellt und die sogar fristlos aufgrund von einem Personalmangel und die Patientin stand ohne Pflegedienst da.
Patrick Kremer: Und wir haben damals natürlich geholfen, also um Gottes Willen, aber auch da muss ja dann zusammengestellt werden. Weil’s wirklich Pflegedienste gibt, die so unprofessionell sind, die das als Angriff sehen. Das ist so ’n Ego-Ding, glaub ich. Also das- Das würd es aber, überleg mal, das würd es doch in anderen, äh, Berufszweigen niemals geben.
Patrick Kremer: Also wenn du schon ’n Arzt wechselst, dann ist das doch, ja, das gehört doch dazu. Oder wenn ich von ner, von VW zu Opel wechsel, ja, weil das ist also, warum ist das so? Wie können Pflegedienste so sein? Das versteh ich nicht.
Rebecca: Ich glaube, das ist ’n riesen Ego-Ding. Ich glaube, da ist dann auch nicht mehr der Mensch im Fokus. Also ich würde sagen, da verlierst du die komplette Emotionalität und bist eigentlich nur noch rational. Und so leid’s mir tut, ich glaube, du siehst einfach nur den Umsatz, den du verlierst und siehst gar nicht mehr, dass da ’ne Familie, dass da vielleicht ’n Kind dahinter steht, dass da dieser Mensch dahinter steht und aber auch Pflegekräfte.
Patrick Kremer: Schrecklich.
Rebecca: Also ich mein, du musst dich auch mal in die Pflegekraft hineinversetzen, wenn du einfach jetzt diese Versorgung verlassen sollst und du weißt genau, diese, dieser Patient ist nicht sichergestellt. Aber sag uns mal unseren Trick, unseren kleinen Trick. Gib den doch mal weiter. Okay, unser Trick ist tatsächlich, dass wir das im Vorfeld abklären.
Rebecca: Also wenn ein Angehöriger oder ein Betroffener bei uns anruft und nach einem Erstgespräch fragt, fragen wir immer, ob ein Pflegedienst vor Ort ist und ob es tatsächlich ja schon kommuniziert ist, dass vielleicht ’ne Unzufriedenheit herrscht oder ob der einfach über den Wechsel informiert ist oder ob wir tatsächlich vielleicht auch in Cognito kommen sollen. Dann kommen unsere Case Manager ohne unsere typische Arbeitskleidung und sind dann auch von der Krankenkasse oder alte Bekannte und das wird einfach im Vorfeld kommuniziert- Ja … sodass die Versorgung nicht gefährdet wird.
Patrick Kremer: Gut, ja, ich glaub, du hast ja schon viel genannt zur Übernahme. Also klar ist, denk ich, ’n, ’n- Ja
Patrick Kremer: Erstgespräch, ’n ordentliches, vielleicht auch anonym.
Rebecca: Und ansonsten greift natürlich alles, was auch bei ’ner Klinikentlassung greift. Also auch da, wenn du Zeit hast, kannst du auch hier wieder das Team kennenlernen, einfach im Vorfeld planen. Du hast die Möglichkeit, auch hier dann wieder den Angehörigen, aber auch dem Patienten und dem Team die Möglichkeit zu geben, bevor’s dann wirklich ans Eingemachte geht, sich kennenzulernen.
Patrick Kremer: Was wären denn für dich die größten Warnsignale, wo ’n Angehöriger oder wer auch immer anfragt, so bisschen darauf achten könnte? Also wenn ich jetzt den Pflegedienst wechseln möchte, was wären für dich so die Warnsignale?
Rebecca: Ich würd sagen, so dieses: „Ja klar können wir nächste Woche starten. Ist gar kein Problem, das machen wir.“ Also da würd ich immer dann nach dem Grund fragen: Warum können die nächste Woche starten? Warum steht’s Personal darum? Genau, also wenn’s ’n plausibler Grund ist, gerne, aber dieses: „Ja, weil wir einfach das können“, das funktioniert nicht. Mhm. Das ist, wenn’s nicht erklärbar ist, ist es für mich ’n Warnsignal.
Dann wenn’s keine gemeinsame Übergabe gibt, also wenn’s einfach nicht möglich ist, dass man ’ne Übergabe bekommt von diesem Pflegedienst. Das sollte man auch immer kritisch ansehen. Mhm. Wenn’s keine Ansprechpartner gibt, also wenn du heute mit einer Julia telefonierst und morgen hast du dann die Sarah am Telefon und dann hast du Ich weiß nicht.
Patrick Kremer: Also ich muss wissen, wer ist mein Ansprechpartner- Wer ist mein Ansprechpartner?
Rebecca: Ja, und dieser Ansprechpartner hat ’ne Vertretung. Ich mein, der Ansprechpartner hat auch mal Urlaub oder ist vielleicht mal krank, aber der hat eine Vertretung und die ist fest. Ja. Also hast du immer ’n festen Ansprechpartner. Dann hast du ständig neue Pflegekräfte. Also neulich hatte ich wieder das beste Beispiel: Wir haben in einem Monat 30, 40 Pflegekräfte. Dann hab ich ge- Hat dann, hat ’ne Versorgung, echt? Ja, tatsächlich. Dann hab ich nachgefragt: „30, 40? Das heißt, Sie haben jeden Tag eigentlich zwei neue Gesichter, so praktisch, oder?“ Ja, krass. Ja, also ist Realität.
Patrick Kremer: Mal ganz kurz für alle Zuhörer dieses Podcasts: Wir reden immer im Bereich der außerklinischen Intensivpflege von Versorgungen. Das hat sich so, ähm, implementiert, ähm, weil wir die Gesamtversorgung sehen, dann den Patienten, die Angehörigen, alles drum rum und das Wort Versorgung beschreibt die ganze, ähm, Intensivversorgung, den ganzen Einsatz, ja.
Rebecca: Und dann auch einfach, wenn ich glaub, der Pflegedienst gar keine Strukturen hat. Also wenn der, äh, Geschäftsführer alles macht und es gibt keinen, der drunter ist, es gibt eine Verwaltungskraft, das ist es. Also da musst du auch aufpassen.
Patrick Kremer: Und ich würd auch ganz klar, äh, schauen, was für ’n Pflegedienst ist es. Sind es Pflegefachkräfte in der Leitung? Sind’s BWLer? Ist es irgendwie, ich mein, wir haben mittlerweile Pflegedienste als deutschlandweite Holdings, deren Gesellschafter irgendwelche Private-Equity-Aktionäre sind, ja. Die heißen dann vielleicht Müller, Meier, Schmidt, die Pflegedienste. Wenn ich mal ins Impressum schau, dann weiß ich genau, was Sache ist.
Patrick Kremer: Okay, ja. Also ich glaub, danke erst mal, Rebecca. Eine gute Überleitung braucht auch Zeit, braucht die richtigen Leute, die richtigen Akteure. Und die Kommunikation. Und genau, und die Kommunikation. Und ich glaub, so ’n eine, ein Satz, der ganz wichtig ist, den ich mir mal irgendwann, äh, auch aufgeschrieben hab: Eine gute Überleitung, die fühlt sich einfach langweilig an, weil einfach alles läuft.
Patrick Kremer: Ja. Also eine gute Überleitung fühlt sich langweilig an, weil einfach alles läuft. Keine Dramen, keine Konflikte, nix, was fehlt, niemand, mit dem ich mich streiten muss. Und ’ne schlechte Überleitung, die merkst du sofort. Dann ist es leider aber oft schon zu spät.
Rebecca: Absolut.
Patrick Kremer: Ja. Und man muss auch zu– Ich find auch diesen, das Thema Übergabe zwischen zwei Pflegediensten so gut, weil wenn zwei Pflegedienste sich nicht abstimmen, zahlt der Patient den Preis.
Patrick Kremer: Oh, das ist ’n sehr guter Satz. Absolut. Der Patient zahlt den Preis, wenn zwei Pflegedienste sich nicht abstimmen. Und Kontinuität dann auch da in so ’ner Intensivversorgung ist ja kein Luxus, ist Sicherheit, ja. Absolut. Ja, also muss man ganz klar sagen, der Pflegedienstwechsel ist nie das Problem. Nein. Ähm, ’ne schlechte Überleitung ist es eher.
Patrick Kremer: Korrekt. Ja. Okay. Gut, Rebecca, vielen Dank. Ich glaub, da haben wir jetzt viel Einblicke gegeben in Entlassmanagement, in Übernahmen, in Wechsel und, ähm
Rebecca: Jetzt wo du gesagt hast, der Pflegedienstwechsel ist nie das Problem. Vielleicht ist auch das einfach was, was wir besprechen sollten für unsere Zuhörer. Was muss ich denn bei einem Pflegedienstwechsel beachten? Steht mir das überhaupt zu? Darf ich das? Mhm.
Patrick Kremer: Gutes Thema, ja. Ja, gutes Thema. Aber auch, wie finde ich den richtigen Pflegedienst? Absolut. Das könnten wir auch machen. Wie finde ich den richtigen Pflegedienst? Auf was muss ich achten? Was gibt’s da für Skills?
Patrick Kremer: Und, ähm, da haben wir ganz viel Wissen, was wir geben können.
Rebecca: Wie sagt man immer? Die, die Nadel im Heuhaufen oder so was, gell?
Patrick Kremer: Ist leider so in der Intensivpflege. Tatsächlich, ja. Ja. Okay, machen wir. Das find ich echt cool. Rebecca, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast. An unsere lieben Zuhörer und Zuhörerinnen danke, dass ihr hoffentlich bis jetzt dabei wart, wie, ähm, ich’s auch am Anfang oder im ersten Intro, was ihr bestimmt gehört habt, gesagt habe.
Patrick Kremer: Wenn ihr weitere Wünsche habt zum Thema außerklinische Intensivpflege, Podcasts, die ihr dazu hören wollt, dann schreibt es uns gerne. Und ansonsten verabschieden wir uns jetzt, bedanken uns und ja, Rebecca, vielen Dank und bis zum nächsten Mal.
Rebecca: Patrick, vielen Dank, dass ich da sein durfte und wir hören uns wieder.

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